Champions League: AS Rom:Borriellos Vater wurde erschossen

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Borriello handelte sich Ärger ein mit seinem Versuch von Literaturkritik. Schließlich war sein Arbeitgeber beim AC Mailand gleichzeitig Savianos Verleger. Zwar hatte Silvio Berlusconi höchstselbst den Schriftsteller attackiert, "Gomorrha" beschädige Italiens Ruf. Aber dass sich in die Angelegenheit nun der Kicker Borriello einmischte, war nicht vorgesehen. Kleinlaut gestand der Spieler später: "Ich habe über Dinge geredet, die eine Nummer zu groß für mich sind. Saviano hat meine volle Unterstützung."

In "Gomorrha" beschreibt Saviano, wie sein Vater, ein Arzt, von der Camorra verfolgt wurde, weil er deren Opfer behandelte. Borriellos Vater wurde ermordet, als Marco Borriello elf Jahre alt war. Kurz nach der Breitseite des Spielers gegen Saviano berichtete das Wochenmagazin L'Espresso, der Boss Pasquale Centore habe gestanden, im Dezember 1993 Vittorio Borriello erschossen und seinen Leichnam versteckt zu haben.

Borriellos Vater habe sich in San Giovanni a Teduccio als Wucherer betätigt - ein beliebter Geschäftszweig der Camorra. Centore, mittlerweile Kronzeuge, gab an, Borriello habe von ihm Zinsen von umgerechnet 150.000 Euro für einen geliehenen Betrag verlangt, darüber sei es zum Streit mit tödlichem Ausgang gekommen.

Marco Borriello schweigt dazu. Er schweigt jetzt überhaupt zu seinem Leben in "Gomorrha". Damit war es vorbei, als er 14 war. Er zog nach Norden, in die Fußballschule des AC Mailand, als einer von immer noch vielen Süditalienern, die sich vom Fußball sozialen Aufstieg und ein ruhiges, beschütztes Leben erhoffen.

Borriello hat das alles erreicht. Er ist berühmt, er hat Geld, er hat seine Ruhe, es geht jetzt nur noch um Punkte und Tore und das Schlimmste, was passieren kann, ist eine Halbzeit auf der Bank. Wenn er dieses unglückselige Interview nicht gegeben hätte, dann wäre die Vergangenheit nur ein dunkles Loch geblieben und basta. Da, wo er jetzt steht, hat ihn Beharrlichkeit hingebracht, Einstecken-Können und Disziplin. Da, wo er jetzt steht, will er nicht mehr weg.

Eigentlich könnte Marco Borriello, der auch ein paar Einsätze in der Squadra Azzurra hinter sich hat, ein Beispiel sein für die Jungen in San Giovanni a Teduccio. Ein Beispiel dafür, dass das beste, was man in der Vorhölle machen kann, der Fußball sein kann. Aber dazu müsste er Position beziehen. Tore schießen reicht nicht aus.

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