Carlotta Wamser bei den DFB-FrauenMehr als der Gwinn-Ersatz

Lesezeit: 3 Min.

Wie Carlotta Wamser (li.) Fußball spielt, verleiht dem deutschen Spiel Dynamik – und hilft dabei, den Ausfall von Kapitänin Giulia Gwinn zu kompensieren.
Wie Carlotta Wamser (li.) Fußball spielt, verleiht dem deutschen Spiel Dynamik – und hilft dabei, den Ausfall von Kapitänin Giulia Gwinn zu kompensieren.
Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
  • Carlotta Wamser ersetzt die verletzte Kapitänin Giulia Gwinn in der WM-Qualifikation, nachdem diese sich am Dienstag die Schulter auskugelte.
  • Bundestrainer Christian Wück ist ein großer Fan der 22-Jährigen, die mit ihrer Energie und Zweikampfhärte dem deutschen Spiel Dynamik verleiht.
  • Wamser kann flexibel auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden und hat sich seit ihrem Debüt vor wenigen Monaten zur bevorzugten B-Lösung entwickelt.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Giulia Gwinn fällt für die WM-Qualifikation aus, aber Carlotta Wamser hat schon gezeigt, dass sie die Kapitänin bestens vertreten kann. Über eine der Aufsteigerinnen des deutschen Nationalteams.

Von Anna Dreher

SZ bei Google bevorzugen

Die Situation gab es vor nicht allzu langer Zeit schon mal, in einer härteren Version sogar, das erleichtert die Lage etwas. Gleich beim Auftakt der Europameisterschaft in der Schweiz hatte sich Giulia Gwinn bei einem Zweikampf das Innenband ihres linken Knies gerissen. Das Turnier war für sie vorbei, kaum, dass es begonnen hatte. Und das deutsche Nationalteam musste irgendwie damit klarkommen, dass es ausgerechnet seine Kapitänin nach nur 40 EM-Minuten verloren hatte. Es kam dann bekanntermaßen ganz gut zurecht mit dieser Situation, die Reise ging bis ins Halbfinale gegen die Weltmeisterinnen aus Spanien. Und Gwinn-Ersatz Carlotta Wamser, die überhaupt erst wenige Monate zuvor debütiert hatte, stieg im Sommer zu einer der Entdeckungen auf.

So ins kalte Wasser wie damals in ihrem dritten Länderspiel ist Wamser nun nicht geschubst worden. Aber wer schon so überzeugend umgegangen ist mit der großen Verantwortung, die Anführerin des Teams als rechte Außenverteidigerin zu vertreten, der empfiehlt sich nunmal für eine Fortsetzung. In der WM-Qualifikation gegen Österreich wurde Wamser wieder aus unerfreulichem Anlass früh für Gwinn eingewechselt, diesmal wegen einer ausgekugelten Schulter. Die 26-Jährige soll, wie ihr Verein Bayern München am Mittwoch mitteilte, zunächst mit einer konservativen Therapie behandelt werden. Wie lange sie ausfällt, ist offen. Wer Gwinn ersetzt, stand hingegen sofort fest.

„Ihr fehlt manchmal noch so ein bisschen der kühle Kopf, diese Cleverness“, sagt Bundestrainer Wück zu Wamsers Potenzial

Wamser hat sich mit ihrer Energie und Zweikampfhärte innerhalb kurzer Zeit zur von Bundestrainer Christian Wück bevorzugten B-Lösung entwickelt. „Ich bin ein ganz großer Fan von Carlotta“, sagte Wück am Freitag. „Sonst hätten wir ihr das auch nicht zugetraut, so früh bei uns so eine wichtige Persönlichkeit zu werden.“ Das Team profitiert vom Offensivdrang, den die 22-Jährige nicht unterdrücken kann – und auch nicht unterdrücken soll. Ihre Art passt zur taktischen Ausrichtung, wie Wück sie sich vorstellt, mit anschiebenden Außenverteidigerinnen und einer hohen Variabilität im 4-2-3-1-System. Ihre Läufe in die Tiefe, ihre Dribblings verleihen dem deutschen Spiel Dynamik. Ein Effekt, den auf der linken Seite die schnelle und ebenso fleißige Franziska Kett liefert. Selbst wenn Gwinn spielt, gibt es einen Platz für Wamser.

Links? Rechts? Vorne? Hinten? Carlotta Wamser fühlt sich überall wohl auf dem Fußballplatz.
Links? Rechts? Vorne? Hinten? Carlotta Wamser fühlt sich überall wohl auf dem Fußballplatz.
Adam Pretty/Getty Images

Bei der Analyse der EM war das Trainerteam zu dem Schluss gekommen, dass Jule Brand nicht ausschließlich auf dem rechten Flügel zur Entfaltung kommen, sondern genauso als Spielmacherin eingesetzt werden und diese Schwachstelle beheben kann. In dem Fall rückt Wamser auf Brands angestammte Position. „Es ist mir relativ egal, wo ich spiele“, sagte sie neulich dazu. „Ich fühle mich tatsächlich überall auf dem Feld wohl.“ Bei Eintracht Frankfurt lief sie auch schon im Sturm auf und nach ihrem Wechsel zum Bundesliga-Fünften Bayer Leverkusen wurde sie dort bisweilen als linke Verteidigerin eingesetzt: „Aber auf der rechten Seite fühle ich mich schon wohler, wegen meines stärkeren Fußes.“

Weil sie mehr Power in den linken Fuß bekommen möchte, hat Wamser seit dem Sommer den Trainingsfokus darauf gelegt: Erster Kontakt, Anschlussaktionen – alles soll sich verbessern. Und weil sie weiß, dass es ohne Athletik nicht geht, legt sie seit jeher Extraeinheiten im Kraftraum ein. All das brachte ihr im März gegen Norwegen in ihrem zehnten Einsatz für die DFB-Frauen ihr erstes Tor. „Ihr fehlt manchmal noch so ein bisschen der kühle Kopf, diese Cleverness“, sagte Wück zum Potenzial jener Fußballerin, die auf dem Platz auch an ihren weit herunter gezogenen Stutzen zu erkennen ist: „Aber allein ihre Einstellung ist für mich immer wieder eine Freude. Deswegen habe ich überhaupt keine Bedenken, sie einzusetzen.“

Beim Wiedersehen mit Österreich diesen Samstag in Ried (18 Uhr, sportschau.de) will der Bundestrainer müde oder angeschlagene Spielerinnen wohl schonen, Wamser aber dürfte gesetzt sein. Daran hat auch ein Patzer im Hinspiel nichts geändert. Ihre falsche Positionierung bedingte das Gegentor Österreichs, das nun den Schönheitsfehler in der Bilanz von 14:1 Toren nach drei Qualifikationsspielen markiert. Aber wie hatte Carlotta Wamser doch gleich darauf reagiert? Wenige Minuten später leitete sie den Treffer zum 5:1-Endstand ein.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

DFB-Frauen in der WM-Qualifikation
:Kritik am Spiel und Sorgen um die Kapitänin

Nach dem 5:1 gegen Österreich zeigt sich Bundestrainer Wück unzufrieden mit der Gesamtleistung – eine frühere Problemstelle wirkt aber verlässlich behoben. Giulia Gwinn muss verletzt abreisen.

Von Anna Dreher

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: