Playoffs in der NHL:Fünfzehn Tore und eine Schlägerei

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Playoffs in der NHL: Und dann ging's rund: Zwischen den Calgary Flames und dem Rivalen Edmonton Oilers flogen Handschuhe und Fäuste.

Und dann ging's rund: Zwischen den Calgary Flames und dem Rivalen Edmonton Oilers flogen Handschuhe und Fäuste.

(Foto: Derek Leung/AFP)

Die Calgary Flames gewinnen die erste Partie des "Battle of Alberta" gegen die Edmonton Oilers mit 9:6 - wenn dieses Eishockey-Drama eine Vorschau auf den Rest der Serie ist, sollten sie in Kanada Beruhigungsmittel verteilen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Man soll dem Publikum stets geben, wonach es verlangt, und Milan Lucic hielt sich kurz vor dem Ende dieser wahnwitzigen Playoff-Partie seiner Calgary Flames gegen die Edmonton Oilers an diese goldene Regel der Entertainmentbranche: Er haute dem Gegenspieler ein paar Mal von hinten den Stock gegen die Waden, das allgemein anerkannte Signal in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL für eine Prügelei - und schon ging es los.

Die Fans der Flames hatten gefordert, entweder einen zehnten Treffer ihrer Mannschaft zu sehen zu bekommen - oder einen gepflegten Faustkampf; und weil Flames-Angreifer Lucic das wohl auch wollte, kriegten die Fans am Ende: neun Tore ihres Teams, sechs Treffer der Oilers und 'ne Schlägerei.

9:6 hieß es am Ende der ersten Partie dieser Viertelfinalserie, die "Battle of Alberta" heißt, weil die beiden Vereine aus dem kanadischen Bundestaat so verfeindet sind, dass man die Rivalität zwischen Schalke und Dortmund im Vergleich dazu als freundlich-höflich bezeichnen muss. Es wird ja im Sport so ziemlich jedes Spiel zu einem einmaligen Erlebnis hochgejubelt, dass man sich fragt, ob mancher Kommentator schon mal eine glaubliche oder fassbare Partie erlebt hat. Dieses Spiel jedoch war tatsächlich: unglaublich und unfassbar.

Beide Mannschaften spielen mit offenem Visier und ohne Deckung

2:0 hieß es für die Flames nach nur 51 Sekunden, sie führten 5:1 und 6:2; doch dann zeigten die Oilers, warum sie so gefürchtet sind und die Fans bereits beim 6:2 forderten, dass sie ganz dringend zehn Tore ihrer Mannschaft sehen wollen: Es war kein Spott oder Übermut, sondern reinste Angst vor den Oilers-Angreifern Connor McDavid und Leon Draisaitl - und die war berechtigt. McDavid traf. McDavid und Draisaitl bereiteten gemeinsam einen Treffer vor. Draisaitl traf. McDavid und Draisaitl legten noch mal gemeinsam auf. Zu Beginn des letzten Drittels stand es plötzlich 6:6, die Frage: Was würde denn noch passieren in dieser Partie?

Eine verlässliche Prognose war ebenso unmöglich wie nun die Analyse danach - außer: Da spielen zwei Mannschaften mit offenem Visier und ohne Deckung, weil ihnen völlig egal ist, wie viele Gegentreffer sie kassieren, solange sie am Ende ein Tor mehr erzielen als die anderen. Es sind zwei Vereine, die Defensive als optional betrachten und deshalb für ein Spektakel sorgen, dem gegenüber das selbstinszenierte Entertainment wie der Schaumschläger-Sport Wrestling oder das All-Star-Spiel im Basketball langweilig daherkommt.

Die Oilers hatten bereits in der ersten Playoff-Runde gegen die Los Angeles Kings für unglaubliche und unfassbare Unterhaltung gesorgt, Trainer Jay Woodcroft musste nach zwei Kantersiegen hintereinander warnen: "Es steht nicht 14:2 nach diesen beiden Partien, sondern 2:0." Nun wird er seinen Spielern vor Spiel zwei am Freitag mitteilen, dass es nicht 6:9 steht, sondern nur 0:1.

Die Oilers hoffen, dass in der Best-of-seven-Serie der lädierte Knöchel von Draisaitl weiter heilt und er für noch mehr Spektakel sorgt als ohnehin bereits. Wenn diese Serie so weitergeht, sollten sie froh sein in Kanada, dass jeder Bürger krankenversichert ist - im Bundesstaat Alberta werden Beruhigungstropfen dringend gebraucht.

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