Süddeutsche Zeitung

BVB-Verteidiger Schmelzer:"Ich bin aus allen Wolken gefallen"

Marcel Schmelzer ist seit Joachim Löws Kritik einer der meistbeachteten Nationalspieler - und zeigt dabei sehr gute Leistungen. Im SZ-Interview spricht der Linksverteidiger von Borussia Dortmund über den Zuspruch nach der berühmten Pressekonferenz, seine Spitznamen - und wieso Vertrauen wichtiger ist als Druck.

Mit Bezug auf die Nationalmannschaft in den Medien aufzutauchen, ist das Ziel vieler junger Fußballer. So wie es Marcel Schmelzer in diesem Herbst erging, soll es dann aber nicht laufen. Nach dem schwachen Länderspiel des Linksverteidigers gegen die Auswahl Österreichs war er in aller Munde - zuallererst in dem des Bundestrainers.

Die schwache Leistung des Außenverteidigers veranlasste Joachim Löw, seinen Schützling in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Irland öffentlich deutlich zu kritisieren. Im Prinzip sagte Löw: Wir halten nicht viel von ihm, wir haben keinen Besseren zur Zeit, wir suchen aber nach Alternativen.

In der Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung erklärt Schmelzer im Interview, wie er damit umgegangen sei. Der Kritisierte suchte sich in der schwierigen Lage ("Ich bin aus allen Wolken gefallen") umgehend Rat bei Nationalmannschaftskollege Mario Götze: "Du hast dir nichts vorzuwerfen. Das geht so nicht, wie der Trainer das gemacht hat", habe dieser Schmelzer Mut zugesprochen.

Die Reaktionen von Götze und weiteren Mitspielern seines Klubs Borussia Dortmund hätten dem 24-Jährigen geholfen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. "Lass dich nicht umhauen davon. Du kannst was!" Auch deswegen ist der Magdeburger vor allem dem BVB für die Unterstützung in dieser schwierigen Zeit dankbar. "Ich habe da wieder gemerkt, dass die Leute in Dortmund wissen, was sie an mir haben - und ich weiß, was ich an Dortmund habe. Sowas gibt es woanders nicht."

Schmelzer bewies es in der Folge seinen Kritikern. Neben starken Leistungen im Pokal sowie in der Bundesliga markierte der Bundesliga-Profi den Siegtreffer in der Champions League gegen Real Madrid. Die öffentliche Beanstandung Löws hätte seine Leistungsexplosion jedoch gar nicht direkt befeuert. Die Kritik wäre laut Schmelzer gar nicht nötig gewesen. "Ich war immer schon ein Typ, der über Vertrauen funktioniert und nie über Druck. Man muss mich nicht anstacheln", sagt Schmelzer, der ohnehin gar nicht anders könne "als mit hundert Prozent zu spielen."

Dortmund-Start mit Luftmatratze

Schmelzer, der privat ebenso wie seine Freundin "großer Hiphop-Fan" sei sowie "eine große Leidenschaft für Horrorfilme" habe, fühlt sich bei seinem Verein pudelwohl. Er träumt von großen Erfolgen mit seinem aktuellen Arbeitgeber, mit dem er aktuell in "Gesprächen" bezüglich seines Vertrages stecke. "Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als das, was wir hier haben. Die Erfolge, die wir jetzt auch in der Champions League haben, wie jetzt in Madrid, die zeigen jedem Spieler bei uns ja, dass wir hier etwas ganz Großes schaffen können, wenn wir zusammen bleiben."

Der Außenverteidiger mit dem Spitznamen "Schmelle" ("Mir gefiel in den Jugendmannschaften in Magdeburg nicht, dass wir Spieler da immer beim Nachnamen gerufen wurden. Deshalb habe ich dann das "Schmelle" eingeführt.") ist beim BVB nach einer Ehrenrunde in der zweiten Dortmunder Mannschaft endgültig angekommen.

Dank Jürgen Klopp schaffte der neunmalige Nationalspieler den Durchbruch. Klopp berief den Magdeburger 2008 quasi über Nacht in den BVB-Profi-Kader. "Ich hab' schnell meine Siebensachen gepackt, bin nach Dortmund gefahren und hab' auf einer Luftmatratze in meiner leer stehenden Wohnung übernachtet, die ich gerade gemietet hatte, weil ich ja aus dem BVB-Jugendhaus nun ausziehen musste", sagt der Spätstarter zu seinem unverhofften Debüt.

Spätestens seitdem ist Schmelzer, der angibt, "schon als Kind BVB-Fan" gewesen zu sein, ein noch größerer Anhänger des Vereins. Der deutsche Meister von 2011 und 2012 schaut selbstbewusst zurück. "Wir können stolz sein, dass selbst der größte Verein in Deutschland, also Bayern München, unseren Stil jetzt ein wenig kopiert." Dass sich der BVB aktuell schwer tue, ergäbe sich aus der stärker gewordenen Konkurrenz: "Klar ist es schwer, gegen deine eigene Kopie zu spielen."

Das ausführliche Interview lesen Sie in der Samstagausgabe der Süddeutschen Zeitung oder auf Ihrem iPad.

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Quelle:
SZ vom 10.11.2012/min/fred
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