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BVB überholt Hoffenheim:Watzke erhöht zu einem sonderbaren Zeitpunkt den Druck

Trotz des Sprungs zurück auf Rang drei, der die von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vehement eingeforderte direkte Champions-League-Qualifikation bedeuten würde, dürfte in Dortmund weiter über den Trainer gesprochen werden. Watzke höchstselbst hatte die Debatte im Laufe der Woche angefacht, als er zu einem sonderbaren Zeitpunkt in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe atmosphärische Störungen einräumte. Auf die Frage, ob bei der Bewertung der schnellen Neuansetzung der zunächst abgesagten Champions-League-Partie gegen Monaco ein "klarer Dissens" zwischen ihm und Tuchel sichtbar geworden sei, antwortete Borussias Geschäftsführer: "Das ist so, ja" - die heftige Kritik des Trainers am Spieltermin habe ihn "teilweise irritiert".

Ob die Irritationen auszuräumen sind, bleibt abzuwarten, Tuchel will erst nach der Saison darüber sprechen, ob er seinen 2018 auslaufenden Vertrag in Dortmund verlängern will oder ob sich die Wege womöglich schon vorher trennen. "Wie immer bei analytischen Gesprächen" gehe es dabei "ganz allgemein gesprochen neben dem Sportlichen um Dinge wie Strategie, Kommunikation, Vertrauen", betont Watzke.

Doch neben diesen weichen Faktoren spielen auch die messbaren Tatsachen eine Rolle, ob und wie es mit Thomas Tuchel in Dortmund weitergeht. Vor allem wird bei der Aufarbeitung zu bewerten sein, auf welchem Rang der BVB nach dem 34. Spieltag steht. "Eine Abschlusstabelle ist wie ein Zeugnis", sagt Watzke. "Und die Note ist sicher besser, wenn du Dritter statt Vierter wirst. Unser Saisonziel war die direkte Qualifikation zur Champions League, möglichst durch Platz zwei. Mit Platz drei kann man gut leben. Mit Platz vier hätten wir unser Saisonziel in der Bundesliga nicht erreicht."

Der Druck, den Watzke auf Tuchel ausübt, bleibt also hoch. Der 43-Jährige empfindet die Debatte "ein zu großes Thema zu diesem Zeitpunkt. Ich verbiete mir, darüber nachzudenken und darauf einzugehen." Und weiter: "Die Losung heißt: volle Konzentration auf das Sportliche. Für alles andere habe ich keine Energie übrig."

© SZ vom 07.05.2017/schm

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