BVB-Trainer Jürgen Klopp:Aggressive Spielweise als Verletzungsgrund?

Im DFB-Tross war zuletzt immer mal wieder zu hören, Dortmunds aggressive, laufintensive Spielweise sei ein möglicher Grund für eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit bei Klopps Spielern. Ebenso waren am Rande der Reise der Nationalmannschaft Gerüchte aufgekommen, Dortmunds ebenfalls in einem Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft (gegen Paraguay) verletzter Spielgestalter Ilkay Gündogan stehe am Rande der Sportinvalidität. Tatsächlich geht es Gündogan aber derzeit immer besser. Er rechnet noch im laufenden Jahr mit einem Comeback beim BVB.

Intern spielen die atmosphärischen Störungen des BVB mit der Nationalmannschaft offenbar eine inzwischen immer größere Rolle. Es wird über offizielle Beschwerden beim DFB diskutiert. Löw hatte zuletzt bei einer Pressekonferenz den Neu-Dortmunder Henrikh Mkhitaryan flapsig als "Mickey-noch-was" bezeichnet, zudem haben sie beim BVB nicht vergessen, wie der Bundestrainer sich in ungewohnter Einzelkritik ausgerechnet die Dortmunder Spieler Schmelzer und Hummels herausgepickt hatte.

Zuletzt hatte Dortmunds Vorstandschef Watzke vor den Länderspielen gegen Italien und England öffentlich an Löw appelliert, die Spieler der Kontrahenten Bayern und Dortmund in etwa gleich zu belasten. Nun wird es dem Bundestrainer als Trotzreaktion ausgelegt, dass er vor dem Spiel in England die Bayern-Spieler Neuer und Lahm zur Erholung nach Hause geschickt hat und Stürmer Thomas Müller 90 Minuten von der Bank aus verfolgen durfte - auch wenn Klopp hierzu nicht öffentlich schimpfen wollte.

Beim FC Bayern wiederum verweisen sie darauf, dass Toni Kroos als Einziger aus den beiden Klubs in beiden Partien durchspielte. Und darauf, dass Bayern-Spieler bei Länderspielen grundsätzlich häufiger zum Einsatz kommen als BVB-Profis.

Klopps Gereiztheit muss man wohl vor dem Hintergrund der in Dortmund nur mit Mühe unter der Decke gehaltenen Wut begreifen. "Die Bayern" befand Klopp, "haben nicht weniger Verletzte. Sie können das nur besser abfedern." Und in Richtung Löw und DFB platzierte der verärgerte Klopp noch den Hieb: "Freundschaftsspiele der Nationalmannschaft in der Sommerpause sind kein Kavaliersdelikt."

Diese Zeit sei zur Regeneration der Spieler gedacht. Wenn nicht alles täuscht, wird die Kritik aus Dortmund Richtung DFB-Zentrale nicht leiser werden, wenn es kommt, wie viele vermuten, wenn Klopps Notkette also am Samstag den Münchnern nicht gewachsen sein sollte. "Es wird keiner Mitleid mit uns haben", prophezeite Klopp grimmig für den Samstag. Und falls doch: Punkte für Mitleid gibt es nicht.

© SZ vom 22.11.2013/ebc
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