Süddeutsche Zeitung

BVB spielt Unentschieden:VfB Stuttgart schockt Dortmund ohne Tore

Lesezeit: 3 min

Der VfB Stuttgart bleibt in Heimspielen der Angstgegner des BVB. Dortmund kommt trotz klarer Überlegenheit nur zu einem 0:0, weil die Elf von Trainer Jürgen Klopp zwar oft, aber zu harmlos in Richtung Stuttgarter Tor zielt. Kapitän Sebastian Kehl muss wegen eines brutalen Fouls früh ausgewechselt werden.

Martin Anetzberger

Das 4:4 zwischen Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart war das wohl spektakulärste Spiel der vergangenen Saison. Doch nicht nur wegen der sieben Tore in der zweiten Halbzeit, sondern auch, weil der FC Bayern nach diesem 28. Spieltag auf drei Punkte an den BVB heranrückte und die Meisterschaft wieder spannend machte - am Ende jedoch vergeblich, weil Robben zwei Wochen später gegen die Schwarz-Gelben einen Elfmeter verschoss und diese eine Woche später das Derby auf Schalke gewannen.

Auch diesmal war eine ordentliche Portion Emotion im Spiel, gut tat sie dem Spiel jedoch nicht. Auslöser war Stuttgarts Raphael Holzhauser: Der 19-jährige Österreicher schlug dem Dortmunder Kapitän Sebastian Kehl den Ellbogen ins Gesicht und sah dafür zum großen Ärger der heimischen Fans nur die gelbe Karte (18.). Kehl musste ausgewechselt werden, ersten Diagnosen zufolge hat er sich das Nasenbein angebrochen. Für ihn kam Moritz Leitner, der ihn schon beim Pokalsieg gegen Aalen vertreten hatte. Als William Kvist drei Minuten später BVB-Stürmer Robert Lewandowski mit der Sohle auf den Spann trat - sah dafür ebenfalls Gelb - war es mit dem Fußballspielen erst einmal vorbei.

Dortmund war über weite Strecken die aktivere und auch etwas bessere Elf, doch wieder reichte es gegen den VfB nur zu einem Unentschieden, einem ohne Tore. "Es war ein superintensives Spiel", sagte Jürgen Klopp nach dem Spiel. Drei hundertprozentige Chancen seien herausgesprungen. "Wir hätten aber mehr einfache Möglichkeiten haben können."

In den ersten Minuten hatten beide Teams nach vorne gespielt und offensichtlich auf Anraten ihrer Trainer schnell den Abschluss gesucht. Christian Gentner scheiterte für den VfB mit seinem aufgesetzten Schuss bereits in der zweiten Minute, Dortmunds Ilkay Gündogan probierte es aus etwa 30 Metern ebenfalls (5.). Die Gäste waren zunächst das aktivere Team. Gentner spielte nach einem Fehlpass der Schwarz-Gelben aber nicht auf den besser postierten Vedad Ibisevic, sondern schoss Lukas Piszczek an (7.), Sekunden später zielte Martin Harnik nach einer Ecke freistehend weit über das Tor.

Danach nutzen die Gastgeber ihre technische Überlegenheit und hinderten Stuttgart daran, weiter anzugreifen. Bis zur Auswechslung von Kehl überforderten sich die Dortmund auf dem rutschigen Boden jedoch selbst mit ihren vielen, schnellen Pässen. Chancen blieben deswegen selten. Die beste hatte Marcel Schmelzer, als er nach tollem Zuspiel von Mats Hummels mit seinem schwachen rechten Fuß knapp am Tor von Sven Ulreich vorbeizielte (11.).

Lewandowski und Götze übersehen ihre Mitspieler

Nach der Verletzungsunterbrechung dauerte es zehn Minuten, ehe sich beide Seiten auf das Fußballspielen besannen und die Zuschauer im ausverkauften Dortmunder Stadion wieder Chancen zu sehen bekamen. Für die Dortmunder klärte Subotic per Kopf gerade noch vor Ibisevic. Auf der Gegenseite kam Mats Hummels nach einer Ecke am Fünfer frei zum Abschluss, den Ball lenkte Ulreich mit seinem rechten Bizeps an die Latte, Hummels anschließenden Versuch per Kopf klärte Arthur Boka auf der Linie (29.). Wenig später hatten die Stuttgarter ihre beste Gelegenheit. Der starke Außenverteidiger Sakai legte nach einer schönen Kombination zurück auf Ibisevic, doch der rutschte vor dem herannahenden Ball aus (33.).

Dortmund vergab bis zur Pause noch zwei gute Gelegenheiten, weil Lewandowski und Götze ihre jeweils besser postierten Kollegen Leitner und Marco Reus übersahen und ihre Schüsse in den Beinen der Stuttgarter Abwehr hängenblieben. Götze rutschte kurz vor dem Halbzeitpfiff im Strafraum aus und verlor den Ball. Für den letzten Aufreger sorgte jedoch der VfB, Weidenfeller ließ einen gefährlichen Freistoß von Ibrahima Traore nach vorne prallen, der im Abseits postierte Ibisevic reagierte jedoch nicht schnell genug (45.).

Nach der Pause dominierte der BVB das Spiel mehr und mehr, Stuttgart wurde lange Zeit nicht mehr gefährlich. Doch vor allem dem engagierten Götze wollte die entscheidende Aktion nicht gelingen. Zunächst schickte er Reus auf der rechten Strafraumseite in einen zu spitzen Winkel (50.), wenig später verschlief er einen Steilpass auf den frei in Richtung Tor stürmenden Lewandowski (52.). Die beste Chance vergab jedoch der für Kevin Großkreutz eingewechselte Ex-Stuttgarter Julian Schieber, der nach Außenrist-Zuspiel von Reus ungedeckt am herauseilenden Ulreich scheiterte (60.).

Die Dortmunder mühten sich weiter, strahlten aber nicht mehr die Überlegenheit der Minuten nach der Pause aus. So kam auch Stuttgart mal wieder vor das Dortmunder Tor. Zunächst schoss Ibisevic Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller aus kurzer Distanz an (73.),Traores Schuss nach Rückpass von Ibisevic wurde von Piszczek gerade noch geblockt (79.). Danach starteten die Gastgeber ihre Schlussoffensive, doch auch insgesamt neun Ecken halfen dem Meister nichts. Aus einer ungeahndeten Abseitsposition drosch Lewandowski den Ball zum zweiten Mal für den BVB an die Latte. Dann war Schluss.

"Wir haben offensiv verteidigt. Das Ergebnis ist gerecht, wir haben uns den Punkt erkämpft", sagte VfB-Trainer Bruno Labbadia. Dortmund muss mindestens ein weiteres Jahr auf den ersten Bundesliga-Heimsieg gegen die Stuttgarter seit dem 27. September 2008 warten.

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