Axel Witsel beim BVB Tedesco: "Die Dortmunder machen das richtig gut"

Schon in Mainz hatte Heidel, dem Lebenslauf entsprechend eher Kaufmann und Funktionär als Sportfachmann, die Kompetenzen im Transfergeschäft häufig an seine Trainer delegiert. Mit den Koryphäen Jürgen Klopp und Thomas Tuchel hatte er starke Persönlichkeiten an seiner Seite, auf Schalke durfte nun der 33 Jahre alte Tedesco den Umbruch inspirieren. Sammer hat ja recht: Tedesco ist nicht geltungsbedürftig und hat auch im Erfolg den Boden der Tatsachen nie verlassen. Trotzdem war es viel verlangt von einem Mann mit 15 Monaten Erfahrung im Profifußball, außer der Trainerarbeit auch noch die Transferplanung des Großklubs Schalke zu verantworten. Nun sieht man wieder: Was den sportlichen Sachverstand angeht, hat Schalke gegenüber dem Nachbarn starken Nachholbedarf.

Zwar ist auch in diesem Jahr das Derby im Ruhrgebiet eine große Sache, doch folkloristische Kampfansagen zwischen den Parteien erübrigen sich. Die neuerdings als "Clásico" firmierende Begegnung des BVB mit Bayern München hat die Bedeutung des Duells absorbiert, Schalke verzeichnet 19 Punkte Rückstand den alten Rivalen. "Die Dortmunder machen das richtig gut", sagt Trainer Tedesco, "man muss neidlos anerkennen, dass ihre Transfers top funktioniert haben."

Über Schalke 04 redet der BVB-Mann Watzke wie der CDU-Mann Watzke (seit 42 Jahren in der Partei) über die SPD: mit Respekt und sogar mit einer gewissen Zuneigung. Er kennt die alten Geschichten vom Schalker Präsidenten Oscar Siebert, der sich am Wahlabend mit seinem Widersacher Hans-Joachim Fenne auf der Toilette einschloss. Oder vom Sonnenkönig Günter Eichberg, der aus Florida zu spät zu Ernst Kuzorras Beisetzung erschienen war und die Zeremonie ein zweites Mal inszenieren ließ, damit der Schalker Hof-Fotograf (der übrigens im Hauptberuf Lokomotivführer war) ein Foto vom trauernden Präsidenten machen konnte. Wie gesagt, Watzke mag die SPD, und er mag ebenso Schalke, aber das liegt auch daran, dass er diese vermeintlich rivalisierenden Organisationen immer aus der Perspektive der Überlegenheit betrachtet. Die beiden Niederlagen gegen Schalke in der Vorsaison (auch beim 4:4 nach 4:0 hatte der BVB verloren) haben daran nichts geändert.

Während Heidel Schalkes Auftritte anhand des Statistikzettels erörtert, schöpft Watzke aus seinem empirischen Spielverständnis. Er sieht sich als Fußballer, der das Spiel versteht, auch wenn er bloß im Mittelfeld von Rot-Weiß Erlinghausen gespielt hat. Fußball ist für ihn Liebe und Leidenschaft, weshalb er Wert darauf legt, in den 14 Jahren als BVB-Chef lediglich ein einziges Spiel verpasst zu haben (Attest: Noro-Virus). So sieht Watzke auch keine Last darin, dass der BVB-Expertenrat unverändert im Wochenrhythmus zu tagen pflegt. Es geht dann nun ums Wintergeschäft (der BVB will Spieler verkaufen), um die nächsten Sommertransfers und überhaupt: "Es gibt immer 1000 Themen", sagt Watzke: "Wenn man Fußball nicht als Arbeit betrachtet, sondern als Passion, dann gibt es nichts Schöneres, als fünf Stunden über Fußball zu reden." Klingt nach Stammtisch, aber "genau das ist es nicht", protestiert Watzke: "Wir haben immer eine klare Agenda, und Sammer und Zorc sind dafür sowieso nicht geeignet, der Romantischste in der Runde bin ich."

Was er von Axel Witsel hält, das hat Sammer übrigens auch gesagt in dieser Woche. In aller Kürze: "Stand jetzt - ein Super-Transfer." Versteht jeder.

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