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Aus für den BVB:Was ist mit dieser hochbegabten Mannschaft los?

Von Christopher Gerards, Salzburg

Auf der Suche nach Erklärungen starrte Marcel Schmelzer eine Wand an. Er war auf dem Weg zum Bus kurz stehengeblieben, um in seiner Funktion als Kapitän des BVB diesen Abend zu deuten. Er sprach über Erwartungen, über Mentalität, über den Spielaufbau, und immer wieder schaute er vorbei an den Reportern, sein Blick ging leicht schräg nach oben. Aber da war nichts, keine Erklärung, keine Lösung der rätselhaften Dortmunder Probleme. Nur Rohre, manche schwarz, andere silbern, ein paar Ventile, ein paar Kabel. Und Marcel Schmelzer sagte Sätze wie diesen: "Deswegen muss ich leider einfach sagen, dass wir verdient ausgeschieden sind."

0:0 hat Borussia Dortmund am Donnerstagabend in Salzburg gespielt, aber die genaueren Umstände konnte dieses Ergebnis nicht erfassen. Dass die Dortmunder im Achtelfinale der Europa League ausgeschieden sind, nach einem 1:2 im Hinspiel; dass sie in dieser Saison keinen Titel mehr werden gewinnen können - das alles war schon genug, um den BVB-Profis die Laune zu trüben. Aber hinzu kam die Art und Weise dieses Ausscheidens. Sie rief eine Frage hervor, die schon in den vergangenen Wochen über dem Team hing, die aber in Salzburg kulminierte: Was ist los mit dieser so hochbegabten Mannschaft?

Ballannahmen verhunzen, Fehlpässe spielen

"Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit nahezu nichts von dem gezeigt, was wir uns vorgenommen haben", sagte Peter Stöger nach dem Spiel. "Wir haben kaum die Halbräume angespielt, kaum die Tiefe gesucht. Sondern wir haben einfache Bälle auf kurze Distanzen gespielt, womit du zum Pressingopfer wirst", klagte er, "das sind Dinge, die wir vor allem in der ersten Halbzeit richtig schlecht gemacht haben." Und das war noch eine eher harmlose Form der Kritik an diesem Abend.

Es ist schon eigenartig: Der BVB galt vor nicht mal einem Jahr als einer der attraktivsten Klubs der Branche. Schnelles Spiel, aggressives Pressing, viele Talente - dafür standen die Dortmunder, als Jürgen Klopp sie trainierte, auch später noch, als Thomas Tuchel coachte. Doch nun trafen die Attribute allein auf den Gegner zu. Musste und wollte der BVB in Salzburg nicht offensiv spielen? Hatte Gonzalo Castro vor dem Spiel nicht überspitzt gesagt, dass sein Team "mit zehn Stürmern" antreten müsse?

Das war ja die Aufgabe gewesen nach dem 1:2 im Hinspiel: mindestens zwei Tore schießen. Also: angreifen. Aber dann schien die Mannschaft schon fast überfordert damit, unversehrt die Mittellinie zu überqueren, sich irgendwie dem Salzburger Pressing zu entziehen. Die Spieler verbrachten einen beträchtlichen Teil ihres Abends damit, Ballannahmen zu verhunzen, Fehlpässe zu spielen oder den Ball Richtung Tribüne zu verabschieden. Hauptsache, er ist weg und möge so schnell auch nicht wiederkommen.

Hinterher schwirrten zwei Theorien für die Leistung durchs Stadion, die ideologischen Konfliktlinien betrafen den Einsatz der Spieler und den genauen Ort der Versäumnisse. Die eine Theorie vertrat Gonzalo Castro (allerdings allein). Er fand: "Der Wille war da, Einsatz war da. Wir haben uns in die Zweikämpfe reingeschmissen." Die größten Probleme, sagte er drei oder vier Mal, habe sein Team "im letzten Drittel" gehabt, also nahe Salzburgs Tor.

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