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BVB in der Champions League:Emre Cans Aktionen bedeuten das Aus

Wie im Hinspiel leitet der Nationalspieler auch im Viertelfinal-Rückspiel gegen ManCity den entscheidenden Moment ein - der Borussia bleibt nach dem 1:2 nur ein kleiner Trost.

Von Ulrich Hartmann

Wenn der Dortmunder Fußballer Emre Can die Augen schließt, dann sieht er womöglich das Gesicht von Riyad Mahrez. Der Algerier von Manchester City hat in zwei Spielen je ein Mal von einem Fehler des Dortmunders profitiert: zunächst im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League, als Can einen Fehlpass spielte, den Mahrez dann Kevin De Bruyne zum 1:0 auflegte. Und auch am Mittwochabend im Rückspiel, als Can den Ball im Strafraum mit dem Arm berührte, und Mahrez den Elfmeter zum 1:1 einschoss.

Wenn man es so sehen will, dann haben diese beiden Aktionen das Champions-League-Aus von Borussia Dortmund bedeutet. Allerdings ist die Sache viel komplexer, denn bei beiden Dortmunder 1:2-Niederlagen hat es je eine strittige Szene zu Ungunsten der Borussen gegeben, weshalb ihr Ausscheiden einen fahlen Beigeschmack hatte. "Extrem ärgerlich", fand es Can. "Wir hatten kein Glück", sagte der Trainer Edin Terzic über die Schiedsrichter-Entscheidungen.

Der Dortmunder Jude Bellingham, der am Mittwoch nach einer Viertelstunde die 1:0-Führung erzielte, seine Borussia damit 40 Minuten lang im Halbfinale wähnte und mit 17 Jahren und 289 Tagen zweitjüngster Champions-League-Torschütze in einem K.o.-Spiel wurde (hinter Bojan Krkic, FC Barcelona, 2008, 17 Jahre und 217 Tage), ausgerechnet Bellingham hatte im Hinspiel das Pech gehabt, dass man ihm eine saubere Aktion gegen Manchesters Torwart Ederson abpfiff, in deren Folge er das 1:1 hätte schießen wollen. Er wurde zu früh zurückgepfiffen, dadurch konnte kein Videomaterial hinzugezogen werden.

Bei Can war es am Mittwochabend so: Er streckte und verbog sich in der 52. Minute nach einer Flanke. Der Ball berührte zunächst seinen Kopf, dann den deutlich abgespreizten Arm. "Ich glaube, in den Regeln steht, dass das kein Elfmeter ist", sagte Can. "Wenn man sich selbst an die Hand köpft, ist es eigentlich kein Elfmeter", berichtete auch Terzic aus diesbezüglichen Belehrungen vor der Saison.

Damit hatten beide durchaus Recht. Allerdings berührte Can den Ball nur so gerade eben noch mit dem Kopf und dann auch schon direkt mit dem Arm, so dass es nicht eindeutig so ausgesehen hatte, dass er sich wirklich aktiv anköpft, und der spanische Video-Referee hatte deshalb offenbar auch nicht das Gefühl, die Entscheidung des spanischen Schiedsrichters als krasse Fehlentscheidung bewerten und überstimmen zu wollen. Es war in jedem Fall eine sehr strittige Entscheidung.

Citys Phil Foden machte den Dortmundern in beiden Spielen schließlich den Garaus: im Hinspiel mit dem 2:1 in der 90. Minute, im Rückspiel mit dem 2:1 in der 75. Minute. "Wir können trotzdem stolz sein", sagte Can, "denn wir haben mitgehalten mit der besten Mannschaft der Welt". Über dieses Prädikat gibt es allerdings eine gewisse Uneinigkeit in der Branche, denn Manchesters Trainer Pep Guardiola, der mit City im Halbfinale nun auf Paris St. Germain trifft, sagt über Paris: "Sie haben die beste Mannschaft der Welt rausgeschmissen" - und das war im Viertelfinale der FC Bayern München.

Die Dortmunder trösteten sich jedenfalls damit, dass sie wieder ziemlich gut Fußball gespielt hatten, so gut, dass ihr mauer fünfter Platz in der Bundesliga und das damit vermutlich einhergehende Verpassen der nächsten Champions-League-Saison weiterhin irritiert. "Wir spielen eine nicht ganz einheitliche Saison", lautete am Mittwochabend nicht zum ersten Mal die Erkenntnis des Sportdirektors Michael Zorc, "in der Liga hapert's, und zwar deutlich."

Auf sechs Spiele noch können sich die Borussen nun konzentrieren. "Da werfen wir ab Sonntag gegen Werder Bremen alles wieder rein", verspricht Terzic. Und ins DFB-Pokal-Halbfinale am 1. Mai gegen den Zweitligisten Holstein Kiel. Ablenkung ist das beste Mittel, wenn man nach einem Champions-League-Aus sehr traurig ist.

© SZ/bek
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