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BVB bei Lazio Rom:Im Zweifel haut Immobile das Ding rein

Ciro Immobile kann es von überall, am besten kann er es aber in Italien.

(Foto: AP)

Unglücklich in Dortmund, weil niemand ihn zum Essen einlud, jetzt bester Torjäger Europas: Lazio Roms stürmender Anführer trifft an diesem Abend auf seinen Ex-Klub - und der ist gewarnt.

Von Jonas Beckenkamp

Alte Bekanntschaften verleihen dem Fußball manchmal eine feine Prise Heimeligkeit, aber es kann auch ganz schön kompliziert sein mit den Ehemaligen. An diesem Abend findet zum Auftakt der Champions League wieder einmal ein solches Treffen statt - die Protagonisten heißen diesmal Ciro Immobile, 30, und Borussia Dortmund. Der Stürmer von Lazio Rom und der BVB, diese Verbindung offenbarte von fünf Jahren ein paar gehörige Beziehungsstörungen, an die man sich jetzt wieder erinnert.

Der Mann aus Torre Annunziata im Einzugsgebiet von Neapel und seine damaligen Mannschaftskollegen, das war eher nichts für Kuschelfreunde. Geblieben sind vor allem Immobiles eindringliche Klagen, weil er sich einfach nicht willkommen fühlte in Deutschland. Ihm ist weiland ja auch wahrlich Unerhörtes passiert: Die vermeintliche Wurstigkeit der Kameraden in Dortmund traf ihn so heftig, dass er irgendwann vor Verzweiflung wieder heim nach Italia wollte. "Die Deutschen sind kalt, da kann man nichts machen", sagte der Blondschopf damals dem Magazin SportWeek. Es sei quasi unmöglich, amici zu finden, denn: "In den acht Monaten, seit denen ich hier bin, hat mich kein Teamkollege zu sich nach Hause zum Abendessen eingeladen."

Der Vollständigkeit halber sei notiert, dass es gleichermaßen hieß, Immobile habe sich geweigert, Deutsch zu lernen - so blieb am Ende die Einsicht: Es war kompliziert mit dem verhinderten Torschützen und den Preußen im Ruhrgebiet. Jetzt also das Wiedersehen, immerhin nicht im kalten Dortmund, sondern im Olimpico von Rom, wo zwar nur 1000 Fans zugegen sein werden, aber das immerhin bei wohligwarmen Herbstgraden.

Und Immobile erwartet den BVB diesmal als gemachter Mann ohne Selbstzweifel: Er ist stolzer Besitzer des Goldenen Schuhs, den er vergangene Saison als treffsicherster Torjäger in Europas obersten Ligen bekam - noch vor Robert Lewandowski. 36 Treffer in 37 Partien erzielte er für Lazio, als Belohnung gab es einen kaiserlich ausgestatteten Kontrakt in der Ewigen Stadt - Immobile könnte bis 2025 ein Römer sein, wenn er nicht doch nochmal ins herzerwärmendere, südliche Ausland wechselt. Aber warum noch einmal in die Fremde, wo es nur wieder kompliziert würde?

Was das Wiedersehen mit ihm nun für die Dortmunder bedeutet, darüber sprach am Montag Mats Hummels. Er erinnert sich durchaus an die Treffsicherheit Immobiles, auch wenn der in Dortmund in einem Jahr nur drei Tore zustande brachte. "Für uns ist es relevant, dass wir ihm nicht allzu viele Chancen geben, weil er seit ein paar Jahren vor dem Tor eiskalt unterwegs ist", warnte der BVB-Kapitän vor dem Lazio-Capitano. Die Römer sind zwar schwach in die Saison gestartet, aktuell belegt man nur Platz 15, aber diesen Immobile, der in Italien seit Jahren wieder seine Tore schießt, muss Dortmund erstmal aufhalten.

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