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Borussia Dortmund:Auf der letzten Rille ins Achtelfinale

Champions League - Group F - Borussia Dortmund v Lazio

Mats Hummels (Mitte) musste unter Schmerzen vom Feld.

(Foto: REUTERS)

Der BVB erreicht durch ein wackeliges 1:1 gegen Lazio Rom die K.o.-Runde der Champions League, muss aber wochenlang auf Haaland verzichten. Und auch Hummels verletzt sich.

Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Das Achtelfinale der Champions League ist vorzeitig erreicht, der Charaktertest nach der vorangegangenen Blamage gegen Köln wurde so gerade noch bestanden - doch dieses 1:1 (1:0)-Unentschieden von Borussia Dortmund gegen Lazio Rom musste bereits ohne den Stürmer Erling Haaland gelingen, der sich im Abschlusstraining einen Muskelfaserriss zugezogen hatte und in diesem Jahr nicht mehr zum Einsatz kommen wird. "Vielleicht hat er zu viel gespielt", sagte Favre vor dem Anpfiff bei Sky selbstkritisch. Der BVB hat Haalands zehn Bundesliga- und sechs Champions-League-Tore in dieser Saison aber auch wirklich gut gebrauchen können. In jetzt noch sechs Pflichtspielen bis zum Jahresende müssen die Tore andere Spieler übernehmen. Den Treffer gegen Lazio erzielte Raphael Guerreiro. "Erlings Ausfall tut uns weh", sagte der Sportdirektor Michael Zorc.

Gleich sieben Spieler aus der Startelf der Köln-Blamage hatte Favre herausgenommen: Haaland, Emre Can und Thomas Meunier waren verletzungsbedingt nicht im Kader, Felix Passlack, Axel Witsel, Julian Brandt und Jadon Sancho fanden sich auf der Bank wieder. Der 20 Jahre junge Mateu Morey gab auf der rechten Seite sein Startelf-Debüt in dieser Saison. Lukasz Piszczek, 35 stand erstmals seit dem 1:3 im Hinspiel bei Lazio wieder in der Startformation.

Die Position eines hängenden Mittelstürmers übernahm offiziell der Kapitän Marco Reus, doch es war viel Bewegung vorne drin, Bewegung, die Favre beim 1:2 gegen Köln explizit vermisst hatte. Nun heißt Bewegung allein aber noch nichts, und so ging auch wenig zusammen, weil die himmelblau bekleideten Römer nach alter Tradition mit acht, gerne auch neun Feldspielern am und im eigenen Strafraum verteidigen. Da sahen die Dortmunder oft das Tor vor lauter Blaumännern nicht. Flanken waren wirkungslos gegen baumlange Innenverteidiger, und im Rücken der Abwehr war direkt das Spielfeld zu Ende.

Hummels humpelt mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Feld

Es bedurfte also einer schnellen, präzisen Aktion, und genau die gelang den Dortmundern eine Minute vor der Pause nach einem schwachen Abschlag des Lazio-Torwarts Pepe Reina. Guerreiro stürmte mit dem von Thomas Delaney abgefangenen Ball gen Strafraum, spielte auf Giovanni Reyna, der gleich weiter auf Thorgan Hazard, und der bediente steil den weitergerannten Guerreiro, der zum 1:0 einschoss.

Mit Wiederanpfiff orientierten sich die Blaumänner deutlich weiter nach vorne, wohl auch, um im letzten Gruppenspiel gegen Brügge ein Endspiel um den Achtelfinal-Einzug zu vermeiden. Die Dortmunder hatten nichts gegen die Idee, weil ihnen das Räume eröffnete, die sie aus der ersten Hälfte nicht kannten. Das damit verbundene Pressing erforderte indes eine gewisse Anstrengung, die man ihnen an sich mehrenden Fehlpässen anmerkte. Lazio kam zu immer besseren Chancen, im Spiel hielt die Dortmunder zunächst der Torwart Roman Bürki mit allerhand guten Taten.

In der 62. Minute brachte Favre Nico Schulz für Guerreiro; das war insofern keine glückliche Idee, als Schulz nur drei Minuten später Sergej Milinkovic-Savic im eigenen Strafraum-Eck foulte. Den Elfmeter verwandelte Ciro Immobile zum 1:1 (67.). Favre nannte es später "einen unnötigen Elfmeter, der keiner ist. Das ist unglaublich. Das ist Theater, er ist im Schwimmbad. Er übertreibt." Mit Brandt und Sancho probierten sich die Borussen an der neuerlichen Führung, allerdings ging nach vorne wenig, während man sich hinten der unbeschwerten Angriffe der Italiener erwehrte. Bürki rettete den Punkt.

In der Schlussminute verletzte sich auch noch Abwehrchef Mats Hummels und humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Feld. "Wir hoffen, dass es nur ein dicker Schlag auf den Fuß ist und es schnell wieder geht", sagte Sportdirektor Michael Zorc. Er habe bereits mit Hummels sprechen können, nun hoffe man, "dass keine Bänder in Mitleidenschaft gezogen sind und er vielleicht am Wochenende wieder spielen kann".

© SZ vom 03.12.2020/chge
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