BVB in der Champions League:Zu naiv für Real Madrid

Lesezeit: 3 min

  • BVB-Trainer Peter Bosz lässt gegen Real Madrid mit drei Stürmern und nur einem zentralen Sechser spielen - das funktioniert nicht.
  • Der BVB verliert deutlich und muss bereits nach zwei Spieltagen ums Weiterkommen in der Champions League bangen.
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Von Carsten Scheele, Dortmund

Hans-Joachim Watzke wollte nur noch weg. Im Gehen warf er sein dunkles Jackett über, machte eine abwehrende Handbewegung. Nein, diesmal bitte keine Fragen. Ein kurzes Lächeln noch, ein Händedruck, dann bahnte er sich den Weg zum Auto.

Wenn derjenige schweigt, der sonst immer spricht, liegt die Vermutung nahe, dass der Dortmunder Geschäftsführer Fragen erwartet hatte, die er an diesem Dienstagabend lieber nicht beantworten wollte. Denn dass der BVB sein erstes Champions-League-Heimspiel der Saison 1:3 (0:1) gegen den Titelverteidiger Real Madrid verloren hatte, war nur die eine Seite der Geschichte. Die Art und Weise der Niederlage, das war die andere.

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Ein Muster scheint sich in der noch jungen Dortmunder Saison abzuzeichnen, und das hat unmittelbar mit dem neuen Trainer zu tun, den Watzke selbst verpflichtet hat. Seit Peter Bosz die Mannschaft übernommen hat, spielt der BVB ein attraktives, niederländisch anmutendes 4-3-3-System, mit ungeheuerlicher offensiver Wucht, das in der Bundesliga bislang bestens funktioniert - schließlich ist Dortmund Tabellenführer, gewinnt seine Spiele mal 5:0, mal 6:1, auf jeden Fall hoch.

Enorm viel Platz zum Kontern

Im europäischen Vergleich jedoch gelingt es derzeit den Gegnern zu leicht, den BVB auszuhebeln. Schon das erste Spiel bei Tottenham Hotspur (1:3) hatten die Dortmunder taktisch verloren, weil sie offensiv nicht zur Entfaltung kamen, das Mittelfeld teilweise entblößten, den Gegenspielern enorm viel Platz zum Kontern ließen. Gegen Madrid ein ähnliches Bild: Durch Treffer von Gareth Bale (18.) und Cristiano Ronaldo (49., 79.) siegte Real verblüffend locker, vergab noch zahlreiche weitere Chancen. Pierre-Emerick Aubameyang gelang nur der zwischenzeitliche Anschluss (54.).

Ein bitterer Abend für den BVB, da waren sich alle einig. "Wir haben in keinem Moment richtig Druck auf den Ball bekommen, kamen immer zu spät", klagte Trainer Bosz. "Sehr schlecht" sei das Defensivverhalten gewesen: "Das war nicht das Niveau von Dortmund." Auch BVB-Torwart Roman Bürki urteilte: "Heute haben wir die Grenzen aufgezeigt bekommen."

Anschließend waberte der Vorwurf der Naivität durch die Arena, und damit war nicht bloß die Unerfahrenheit junger Dortmunder Kräfte wie Jeremy Toljan oder Maximilian Philipp gemeint, die gerade ihre ersten Champions-League-Partien absolvierten und gegen endlos erfahrene Gegenspieler wie Ronaldo (Toljan) und Dani Carvajal (Philipp) unglücklich wirkten. Es ging auch um das Spielsystem, das Bosz gewählt hatte, mit drei Stürmern und nur einem zentralen Sechser, am Ende defensiv mit Dreierkette, was schon in Tottenham wenig bis gar nicht funktioniert hatte.

Die sehr ballgewandten Real-Mittelfeldkräfte, ob nun Toni Kroos oder Luka Modric, schauten sich teilweise erstaunt um, wie viel Platz sie im Zentrum hatten. In völliger Ruhe konnten sie das Spiel orchestrieren und Konter initiieren, zumal das Dortmunder Kalkül, mit dem zusätzlichen offensiven Mann den Gegner so richtig unter Druck zu setzen, gegen die standfesten Madrilenen nicht aufging. "Wenn wir heute fünf oder sechs Tore machen, haben wir immer noch nicht alle Chancen genutzt", bemerkte Kroos nach dem Spiel spitz. Leider, aus Dortmunder Sicht, hatte er recht.

Trotzdem versuchten die Spieler, das Spielsystem von Bosz gegen Kritik zu verteidigen. Natürlich unterstütze er die Spielweise des Trainers, sagte Gonzalo Castro, der zusammen mit Nuri Sahin versucht hatte, all die Lücken im defensiven Mittelfeld zuzulaufen - zunehmend erfolglos, je länger die Partie dauerte. "Wir bleiben bei unserer Spielidee", so Castro weiter, man müsse es beim nächsten Mal nur besser machen. Sein Kollege Sahin erwähnte noch das fehlende Spielglück, da der BVB in der ersten Halbzeit, als Sergio Ramos der Ball an die Hand sprang, durchaus einen Elfmeter hätte bekommen können, was sogar die Real-Spieler bestätigten. Doch ernsthaft wollte sich niemand über den Schiedsrichter beschweren.

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Für die mittelfristige Perspektive in Europa sieht das alles nicht gut aus. Null Punkte hat der BVB nach zwei Spieltagen, Real und Tottenham sind in der Gruppe mit je sechs Zählern enteilt. Gelingen bei den kommenden beiden Aufgaben gegen Außenseiter Nikosia nicht zwei Siege, kann Dortmund das Achtelfinale frühzeitig abschreiben. Wer es sich nur lange genug überlegte, der kam zu dem Schluss, dass es doch interessant gewesen wäre, was Hans-Joachim Watzke an diesem Abend zu sagen gehabt hätte.

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