BVB gegen Hannover "Hektisch und sehr wild"

Vergab zwei sehr gute Gelegenheiten: Dortmunds Marco Reus.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Borussia Dortmund kommt zum Start des zweiten Spieltags nicht über ein 0:0 bei Hannover 96 hinaus.
  • Trainer Lucien Favre bemängelt die fehlende Ruhe im Spiel seiner Mannschaft - er verzichtet erneut über 90 Minuten auf Mario Götze.
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Von Carsten Scheele, Hannover

Im Sinne der ehrlichen Debatte war es vielleicht sogar dienlich, dass Marco Reus am Freitagabend nicht ins Tor getroffen hat. Zwei starke Gelegenheiten hatte der Angreifer von Borussia Dortmund, einmal scheiterte er am Fuß des Hannoveraner Torwarts, einmal an der Torlatte. Es tut ihm "natürlich leid", sagte Reus hinterher, "eine hätte ich machen müssen". Doch ein Tor, das siegbringende vermutlich, hätte vieles nur übertüncht, was nun ziemlich offen angesprochen wird.

Schon das furios herausgeschossene 4:1 zum Auftakt gegen Leipzig hatte überstrahlt, wie anfällig der BVB über weite Strecken gespielt hatte. Beim 0:0 nun in Hannover, dem ersten Rückschlag der noch jungen Saison, hat Trainer Lucien Favre abermals gesehen, dass seiner Elf auf dem Weg zur echten Topmannschaft noch manches fehlt. Favre gab das unumwunden zu. "Wir können nicht sagen, dass wir das Spiel beherrscht haben", sagte der Schweizer, als er oben auf dem Pressepodium saß. Dabei sehnt er sich danach: nach mehr Ballkontrolle im Mittelfeld, einem ruhigeren Spielaufbau. "Es gibt viel zu tun", sagte Favre. Seine Stirn legte er dabei in Falten.

"Geil, dass wir gegen eine solche Mannschaft die Null halten"

Die Rolle des ernsthaften Herausforderers des FC Bayern ist dem BVB in der Findungsphase der Saison noch eine Nummer zu groß - das zeigte die Partie deutlich. Es war ein Spiel, in dem Hannover über 90 Minuten aufopferungsvoll kämpfte, dem technisch höher veranlagten Gegner keine Ruhepausen gönnte, es aber dennoch mit recht einfachen Mitteln schaffte, dem auf dem Transfermarkt mit rund 70 Millionen Euro aufgemöbelten BVB das Leben schwer zu machen. "Geil, dass wir gegen eine solche Mannschaft die Null halten", sagte Stürmer Niclas Füllkrug, der vor dem Anpfiff seinen Vertrag in Hannover bis 2022 verlängert hat und nun zum 96-Topverdiener aufsteigen dürfte. Auch Sportdirektor Horst Heldt war angetan: Es sei "bemerkenswert", wie Hannover einem solchen "Über-Gegner" Paroli geboten habe. Wobei sich über die Bemerkung "Über-Gegner" an diesem Abend streiten ließe.

Aktuell sehnt sich der BVB im eigenen Spiel vor allem nach Ruhe - findet diese aber nicht. In zahlreichen Szenen gewannen Dortmunder im Mittelfeld einen Ball, waren diesen jedoch Sekunden später schon wieder los, weil der Pass zu ungenau kam oder ein Laufweg nicht stimmte. Am Ende hätte Hannover sogar noch gewinnen können. "Hektisch und sehr wild" sei die Partie gewesen, bemerkte Sebastian Kehl, Dortmunds neuer Leiter der Lizenzspielerabteilung: "Es gab keine Phase, in der wir das Spiel richtig kontrolliert haben."

Zwar spielte 20-Millionen-Euro-Zukauf Axel Witsel erneut von Beginn an, diesmal gelang es ihm aber nicht, mit einfachen Pässen und seiner Präsenz das Mittelfeldspiel zu beruhigen. Es sei "längst noch längst nicht alles im Fluss", attestierte Kehl, das kann es vielleicht auch gar nicht: In Favre hat der BVB nicht nur erst seit wenigen Wochen einen neuen Trainer, er hat auch an empfindlichen Stellen der Mannschaft neue Spieler eingebaut. In Paco Alcácer, der Leihgabe vom FC Barcelona, kommt nun noch ein neuer Stürmer hinzu, der helfen soll, in vorderster Linie den Ball zu halten, wenn es wieder einmal so hektisch zugehen sollte.

Mario Götze sitzt erneut nur auf der Bank

Dabei fiel auf, dass ein weiterer Spieler, der normalerweise mit seiner Ballgewandtheit für Ruhe sorgen kann, über 90 Minuten auf der Bank saß: Mario Götze. Schon gegen Leipzig war er außen vor geblieben, im Verein schwillt der Unmut darüber, dass schon wieder so viele Fragen zum vermeintlichen Sorgenkind gestellt werden, obwohl die Saison doch erst zwei Spieltage alt ist. Doch so richtig wollte sich kein Dortmunder zu dieser Personalie äußern. Das Spiel sei "sehr intensiv" gewesen, sagte Favre lediglich, mit vielen Zweikämpfen - als ob er dem eher schmächtigen Götze ein Mitwirken in dieser giftigen Partie nicht zugetraut hätte.

Er habe sich entschieden, ihn auf der Bank zu lassen. "C'est comme ça", schloss der Schweizer lapidar, so ist es halt. Aufmunternde Worte sparte er sich. Wenn Favre eine Rolle für Götze in seinem System sucht, hat er sie noch nicht gefunden. So wie so vieles beim BVB aktuell noch in der Findungsphase ist.

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