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Lewandowski und Haaland:Das 3:2 im 4:2

Robert Lewandowski und Erling Haaland: Die beiden Stürmer dominieren mit ihren Toren in der Bundesliga - sie prägten auch die Partie Bayern gegen Dortmund.

(Foto: AP; Reuters)

Robert Lewandowski gewinnt beim Sieg des FC Bayern gegen Borussia Dortmund das Duell der Torjäger. Beide zeigen beeindruckende Leistungen - doch einer profitiert mehr von seinen Mitspielern als der andere.

Von Sebastian Fischer

Es ist ein paar Wochen her, da saß Robert Lewandowski während der Klub-WM in Katar für eine Videokonferenz vor der Kamera und sprach über dieses Duell, das nun auch wieder das Thema war. Es gebe drei oder vier richtig gute Stürmer in der Bundesliga, sagte der Angreifer des FC Bayern, "die können auch viele Tore schießen". Auch dieser Stürmer aus Dortmund natürlich. Als es darum ging, ob der ihn eines Tages ersetzen könnte, wies Lewandowski allerdings höflich darauf hin, dass man mit dieser Diskussion schon noch ein paar Jahre warten müsse, bis er selbst etwas älter sei. Außerdem vergaß er nicht zu erwähnen, dass es vielmehr um den Erfolg der Mannschaft gehe als um solche zweifellos interessanten Duelle.

Lewandowski, 32, schoss am Samstagabend, beim 4:2 gegen Borussia Dortmund, mit dem die Bayern ihre Tabellenführung verteidigten, ein Tor mehr als Erling Haaland, 20. Drei Treffer gelangen dem Weltfußballer, zwei einem der größten Talente im Weltfußball. Lewandowski, so konnte man das also interpretieren, hatte das Duell der Torjäger für sich entschieden gegen Haaland, den er danach als "großartigen Spieler" mit "großer Zukunft" lobte.

Lewandowski jagt den Müller-Rekord

Lewandowski fehlen nun mit 31 Saisontreffern nur noch neun Tore in den verbleibenden zehn Spielen zum Ewigkeitsrekord von Gerd Müller aus der Saison 1971/72. Doch auch auf die Frage dazu verwies Lewandowski am Abend im ZDF-Interview routiniert und freundlich auf den Mannschaftserfolg. Den Rekord, sagte er, habe er "nicht im Kopf".

Nun muss man sich beim Münchner Stürmer zwar nicht unbedingt um einen Mangel an Eitelkeit sorgen. Was das angeht, kann man ihm zum Beispiel nach Toren gerne mal dabei zusehen, wie er zielsicher für seine Jubelposen den Blickkontakt mit der Kamera sucht. Bezogen auf seine Spielweise in den vergangenen Wochen und Monaten sowie die Partie am Samstag war es allerdings durchaus der richtige Gedanke. Denn das Duell zweier herausragender Mittelstürmer hatten tatsächlich eher die Spieler um sie herum entschieden.

Es waren die Tore von Lewandowski, mit denen der FC Bayern noch vor der Pause den 0:2-Rückstand nach neun Minuten ausglich. Es war wieder ein Lewandowski-Tor, das in der 90. Minute die Begegnung endgültig entschied. Der wegweisende Treffer des Abends war allerdings jener von Leon Goretzka zum 3:2 in der 88. Minute. Und bei allen Toren war eher die Entstehung bemerkenswert.

Beim 1:2 nach 26 Minuten war es Flügelstürmer Leroy Sané, der einen unaufhaltbaren Haken schlug und den Ball in die Mitte passte, wo Lewandowski sich so freigeschlichen hatte, dass er den Ball nur noch über die Linie drücken musste. Seit Wochen ist es Sané, der nach einigen Anpassungsschwierigkeiten nach seinem Wechsel nach München im Sommer für die Offensivstärke seiner Mannschaft steht, die immer wieder Defensivschwächen ausgleicht und Rückstände wettmacht. Es sieht gerade nicht so aus, als würde sich dieses Muster in dieser Saison im Kampf um den Titel noch großartig verändern. Sané, der statt Serge Gnabry von Beginn an aufgelaufen war, habe "überragende 70 Minuten", gespielt, sagte Trainer Hansi Flick.

Auch vor dem 4:2 war es der Nationalspieler, der entscheidend mitgearbeitet hatte, auch wenn sein Beitrag nicht in der Statistik auftauchte: Er ließ den Ball nach einem Pass von Alphonso Davies durch seine Beine rollen und schuf so den Raum für Lewandowskis Distanzschuss. Besonders auffällig und viel diskutiert war auch sein Beitrag zum 3:2. In der Hinrunde war ihm wie ein Mantra vorgeworfen worden, nicht ausreichend nach hinten mitzuarbeiten. Diesmal lief er nach einem Dortmunder Ballgewinn im Rückwärtssprint mit solcher Wucht in BVB-Verteidiger Emre Can hinein, dass es Dortmunder Proteste auslöste. Schiedsrichter Marco Fritz pfiff jedoch nicht, die Münchner setzten sich in der gegnerischen Hälfte fest, wie es mit Ausnahme der ersten 20 Minuten dem gesamten Spiel entsprach - und Goretzka traf.

Auch der Mittelfeldspieler, 26, steht für die Dominanz des Münchner Fußballs. Oder jener Flügelangreifer auf der anderen Seite, dessen Stammplatz inzwischen gar nicht mehr zur Debatte steht: Kingsley Coman, 24, holte den Elfmeter heraus, den Lewandowski zum 2:2 verwandelte.

Während die Münchner ihrem Mittelstürmer insgesamt neun Torschüsse ermöglichten, waren es für Haaland nur die zwei, die er jeweils zu Toren nutzte, nach zwei und neun Minuten. Doch entscheidend war aus Dortmunder Sicht vielmehr ein Angriff nach 24 Minuten, der das 3:0 hätte bedeuten können. Außenverteidiger Thomas Meunier schaffte es allerdings weder, den Ball im Strafraum zum wieder freigelaufenen Haaland zu passen, noch selbst zu schießen. "Ein Knackpunkt", fand Dortmunds Trainer Edin Terzic. Im Anschluss fiel das 1:2.

Haaland hatte es schon vorher geahnt

Nur die ersten 20 Minuten hatte die Partie, die diesmal nur das Duell des Tabellenführers mit einer Mannschaft im Kampf um die Champions-League-Qualifikation war, nach dem Spitzenspiel ausgesehen, als das es in den vergangenen Jahren stets beworben wurde. Auch nach 20 Minuten wirkte der Dortmunder Plan lange noch sehr tapfer, sich meistens mit einer Kette aus drei Innenverteidigern der Münchner Wucht entgegenzustellen. Doch von Minute zu Minute sahen sich die Gäste mehr in den eigenen Strafraum gedrängt. Spätestens nach einer Stunde, als Haaland laut Terzic nach einem Zweikampf mit Jérôme Boateng aus Vorsicht und zur Regeneration vom Platz ging, fehlten dem BVB Kraft und Klasse für gefährliche Konter. Dass kurz darauf auch Boateng vom Platz musste - wegen einer Kapselzerrung im Knie, wie der FC Bayern am Sonntag mitteilte -, veränderte den Verlauf der Partie weitaus weniger.

So war es am Ende aus Sicht der Münchner doch ein recht ähnliches Spiel wie so viele in dieser Saison, die mit einem sensationell anmutenden Rückstand begannen und mit einer Aufholjagd endeten. Und zu solchen Spielen gehören natürlich auch Lewandowski-Tore. Erling Haaland hatte das übrigens schon vorher geahnt. Wann immer er selbst treffe, hatte der Norweger zuletzt gesagt, erziele Lewandowski "einen Hattrick". So, "als wäre es das Normalste auf der Welt".

© SZ/schm/klef
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