Süddeutsche Zeitung

Dortmunds 5:1 gegen Augsburg:Mehr Mut in Dortmund

Lesezeit: 2 min

Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Es ist ein Jahr her, dass die Fußballer von Borussia Dortmund im allerersten Saisonspiel gegen RB Leipzig eine sehr gute Erfahrung damit gemacht haben, trotz eines Blitzgegentores nach 31 Sekunden mit einem 4:1-Sieg einen blendenden Start hinzulegen. Es gibt also Gründe, warum die Dortmunder unterbewusst offenbar bereit waren, auch am Samstag im allerersten Saisonspiel nach exakt 31 Sekunden wieder ein Blitzgegentor zuzulassen. Sie haben nach ihrer Erfahrung vor zwölf Monaten auch diesmal wieder alle nötige Ruhe bewahrt und nicht nur 4:1 gewonnen gegen den FC Augsburg, sondern sogar 5:1, weil der aus Leverkusen zugewanderte Neue Julian Brandt in der 82. Minute auch noch ein Tor schießen wollte, weil die Dortmunder gern noch besser in die Saison starten wollten als vor einem Jahr und weil sie dem großen Konkurrenten in München ein Zeichen geben wollten.

"Wir haben wahrgenommen, dass die Bayern nicht gewonnen haben. Es hat uns natürlich umso mehr angespornt, ein Zeichen zu setzen. Und das ist uns heute ausdrucksvoll gelungen", sagte hinterher Dortmunds Mittelfeldmann Julian Weigl. "Es ist ein geiles Gefühl, besser hätten wir nicht starten können." Auf die Titelambitionen angesprochen sagte er: "Ich denke, wir können so mutig sein und das offen ansprechen. Wenn wir mit diesem Ziel in die Saison gehen, tut das jedem gut."

Diese Zusatzmotivation machte sich vor allem zwischen der 51. und der 59. Minute bemerkbar. Bis dahin hatte es 1:1 gestanden, doch dann machten Jadon Sancho (51.), Marco Reus (57.) und Paco Alcacer (59.) mit drei Treffer zum 4:1 alles klar. Nach 31 Sekunden hatte Florian Niederlechner seine Augsburger mit 1:0 in Führung gebracht, doch seine Hoffnung, "daraus eigentlich Selbstvertrauen zu schöpfen", erfüllte sich nicht, weil es nur zwei Minuten und 18 Sekunden dauerte, ehe Alcacer in der 3. Minute schon den Ausgleich erzielte. Bis kurz nach der Pause wehrten sich die Augsburger dann noch erfolgreich, doch dann fielen sie ein bisschen in sich zusammen. "Die Gegentore sind zu einfach gefallen", sagte Niederlechner, "allerdings ist Dortmund auch nicht gerade der Gegner, auf den wir schauen müssen." Das sei am kommenden Wochenende eher Union Berlin.

Damals, beim 31-Sekunden-Gegentor gegen Leipzig durch Jean-Kevin Augustin, benötigten die Dortmunder zwar 20 Minuten bis zum Ausgleich, führten zur Pause allerdings schon mit 3:1. So schnell ging es diesmal nicht, was der Trainer Lucien Favre hernach zum relevanten Charakterzug stilisierte. "Wir sind ruhig geblieben", sagte er anerkennend, und als er gefragt wurde, was er in jenem Moment dachte, als die Saison schon wieder mit einem Gegentor nach 31 Sekunden begann, sagte er bloß in gewohnter Nüchternheit: "So ist Fußball."

Gegen elf rund um den eigenen Strafraum positionierte Augsburger war es für die Dortmunder bei 78 Prozent Ballbesitz gar nicht so leicht, in kleinsten Räumen Chancen herauszuspielen. Mit den flotten Flügelmännern Sancho und Thorgan Hazard probierte man viel über die Außen. "Von dort haben sie uns dann auch geschnappt", sagte der FCA-Trainer Martin Schmidt, und wenn es für die Dortmunder dort doch einmal zu eng war, dann chippte Axel Witsel den Ball in den Strafraum wie beim 5:1, als Brandt sich den Flugball erlief und volley mit dem Innenrist ins Tor schob. Brandt, erst in der 68. Minute eingewechselt, war ein gutes Indiz für die qualitativ größere Tiefe im neuen Dortmunder Kader, Mario Götze kam erst kurz vor Schluss für Reus ins Spiel, weil der Spanier Palco Alcacer anders als in der vergangenen Saison momentan körperlich einen viel robusteren Eindruck macht. Spielt der Mittelstürmer so weiter wie am Samstag und erzielt er auch weiterhin seine Tore, dann könnte die neue Saison für Götze ernüchternd werden.

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