Borussia Dortmund Ohrfeige für den Herbstmeister

Christian Pulisic konnte die Niederlage des BVB nicht abwenden.

(Foto: REUTERS)
  • Fortuna Düsseldorf fügt dem BVB die erste Niederlage in dieser Bundesligasaison zu.
  • Beim 2:1 zeigt Trainer Friedhelm Funkel feines taktisches Gespür.
Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Die Frage war, ob der aktuell älteste und erfahrenste Trainer der Bundesliga gegen die derzeit beste deutsche Mannschaft etwas ausrichten kann? Die überraschende Antwort: Aber hallo! Just der Abstiegskandidat Fortuna Düsseldorf hat dem Tabellenführer Borussia Dortmund beim 2:1 (1:0) sensationell die erste Saisonniederlage in der Liga beigebracht. Friedhelm Funkel verfügt über die Erfahrung von 65 Lebensjahren und 473 Bundesligaspielen als Trainer, und alles, was er seinen Fortunen gegen den BVB mit ins Spiel gegeben hatte, haben sie brillant umgesetzt: vor allem Räume verengen und Konter eiskalt ausspielen.

Dabei haben die individuell eigentlich stärkeren Borussen ja auch einen sehr erfahrenen Trainer: Lucien Favre ist mit 244 Bundesliga-Spielen als Trainer und 61 Jahren hinter Funkel der derzeit zweitälteste Übungsleiter in der Bundesliga. Die Dortmunder aber spielten lange viel zu passiv und zu pomadig und verpassten ihren siebten Ligasieg nacheinander. Düsseldorf überraschte nach einem 1:1 in Leipzig, einem 2:1 gegen Hoffenheim und einem 3:3 in München schon zum vierten Mal.

Paco Alcácer erzielt erneut sein obligatorisches Tor - 21 Minuten nach seiner Einwechslung

Erst zum zweiten Mal in dieser Saison (nach dem Spiel gegen Schalke) war das Stadion am Rhein mit 52 000 Zuschauern ausverkauft. Trainer Funkel hatte seine zwischenzeitliche Enttäuschung über die schleppende Euphorie in der Stadt mit dem Gedankenspiel therapiert, dass man das erste Heimspiel des Jahres 2018 gegen Aue absolviert habe und das letzte nun gegen Dortmund - und dass dieser Kontrast im Grunde alles verrate über den Aufschwung des Düsseldorfer Fußballs.

So ein Heimspiel gegen den BVB spielen zu dürfen, ist zwar eine stolze Sache, aber man stößt halt auch schnell an seine Grenzen. Die Düsseldorfer taten das diesmal aber überraschender Weise überhaupt nicht. Es half ihnen zunächst, dass Favre zu Spielbeginn seine Topstürmer Paco Alcácer und Jadon Sancho auf die Bank setzte und statt ihrer auf der rechten Seite Christian Pulisic und als zentralen Stürmer Mario Götze aufbot. Beide enttäuschten. Auf den defensiven Außenpositionen durften die Altmeister Lukas Piszczek und Marcel Schmelzer ran und taten sich in der Rückwärtsbewegung auch schwer.

Die taktische Ausrichtung der Düsseldorfer war gut daran zu erkennen, dass Offensivkräfte wie Benito Raman, Marvin Duksch, Kenan Karaman und Rouwen Hennings zu Spielbeginn alle auf der Bank saßen. Der Konterstürmer Dodi Lukebakio (alle drei Tore in München) vereinte im erstaunlich aggressiven 4-4-2 alle Torhoffnung auf sich. Und tatsächlich gab der 21-jährige, vom FC Watford ausgeliehene Belgier in der dritten Minute den allerersten Torschuss der Partie ab. In der zehnten Minute durfte es auch Takashi Usami versuchen, aber auch er verzog.

Man hatte beinahe Mitleid mit den tapfer aufspielenden Düsseldorfern, als Marco Reus in der 16. Minute ins Fortuna-Tor einschoss, allerdings stand dabei Dortmunds Pulisic dem Torwart Michael Rensing im Weg, so dass das Tor wegen Abseits zurecht nicht gegeben wurde. Und es kam noch dicker für die Westfalen. Als sie das Spiel gerade unter Kontrolle zu bringen schienen, verlor Jacob Bruun Larsen den Ball, und die weitaufgerückten Dortmunder mussten hilflos mit ansehen, wie Lukebakio einen mustergültigen Konter in der 22. Minute mit seinem siebten Saisontor zum 1:0 einschoss.