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BVB:Dortmund verliert Pulisic an Chelsea

Christian Pulisic

Zeigt sein Offensivtalent bald beim Londoner Klub: US-Nationalspieler Christian Pulisic.

(Foto: Manu Fernandez / AP)
  • Christian Pulisic wechselt für 64 Millionen Euro zum FC Chelsea und ist damit der drittteuersten Bundesliga-Spieler aller Zeiten.
  • Der US-Amerikaner war in Dortmund verheißungsvoll gestartet, wurde zuletzt aber von Konkurrenten im Kampf um einen Stammplatz überholt.
  • Bis zum Sommer wird er auf Leihbasis beim BVB weiterspielen.

Von Thomas Hürner

Es darf vorausgesetzt werden, dass eine Jury, die für einen internationalen Preis verantwortlich ist, über das notwendige Expertenwissen verfügt. Als am 3. Dezember vergangenen Jahres Luka Modric die Auszeichnung als Weltfußballer überreicht wurde, da qualifizierte er sich zugleich für einen privilegierten Kreis, der anschließend den besten Fußballer unter 21 Jahren wählen darf. Lionel Messi und Cristiano Ronaldo waren stimmberechtigt, genauso wie Zinédine Zidane oder Marco van Basten. Sie kürten den Sieger der neuen Kopa Trophy, benannt nach dem Franzosen Raymond Kopa, der als einer der begabtesten Fußballer des 20. Jahrhunderts gilt.

Der erste Gewinner der Kopa Trophy hieß wenig überraschend Kylian Mbappé, 20, Weltmeister 2018 und 150 Millionen Euro teuer. Auf den zweiten Platz der verheißungsvollsten Nachwuchsspieler wurde Christian Pulisic, 20, gewählt, DFB-Pokalsieger 2017 und seit Mittwochvormittag immerhin 64 Millionen Euro teuer.

Da hat sein Noch-Verein Borussia Dortmund offiziell mitgeteilt, dass der US-Amerikaner Pulisic zum FC Chelsea wechseln und zum bislang drittteuersten Bundesliga-Spieler aller Zeiten aufsteigen wird. In der englischen Premier League spielen wird er aber erst im Sommer, weil sich die beiden Klubs darauf verständigt haben, dass Pulisic bis zum Ende der aktuellen Spielzeit an den BVB ausgeliehen wird. Auch andere europäische Spitzendklubs galten als interessiert, darunter auch der FC Bayern. Pulisics "großer Traum" sei aber immer schon die Premier League gewesen, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc über den Transfer. Das habe "sicher auch mit seiner amerikanischen Herkunft zu tun" und infolgedessen sei es dem Klub "nicht möglich gewesen, seinen Vertrag zu verlängern."

Beim BVB wurde Pulisic zuletzt von anderen Angreifern überholt

Dieser Traum des Offensivspielers ist zwar seit geraumer Zeit kein Geheimnis mehr. Dass sich die Wege zwischen Pulisic und dem BVB bereits in diesem Sommer trennen, war vor einigen Monaten noch nicht abzusehen. In seiner jungen Karriere war der Tempodribbler von sportlichen Rückschlägen weitgehend verschont geblieben. Im Alter von 16 Jahren wechselte er aus den USA nach Dortmund, wenig später wurde er zum jüngsten Kapitän der amerikanischen Nationalmannschaft und zum jüngsten Ausländer, der in der Bundesliga 50 Partien absolviert hat. Beim BVB etablierte sich Pulisic schnell als Stammspieler, in der vergangenen Spielzeit war er der vielleicht konstanteste Offensivakteur in einer wenig konstanten Dortmunder Mannschaft.

In der aktuellen Spielzeit wurde er aber immer wieder von muskulären Problemen ausgebremst und in der Gunst des neuen BVB-Trainers Lucien Favre von anderen jungen Angreifern überholt. Vom zwei Jahre jüngeren Jadon Sancho etwa, dem wohl auffälligsten Spieler in der Dortmunder Hinrunde. Für Pulisic war auf einmal kein Platz mehr, in der Bundesliga spielte er in dieser Saison nur fünfmal von Beginn an. Auf seiner Lieblingsposition zentral hinter den Spitzen agiert inzwischen Kapitän Marco Reus, die Konkurrenz auf den Außenbahnen ist etwas schneller und passt daher besser in das Konzept von Trainer Favre, unter dem es nach Ballgewinnen möglichst geradlinig vor das gegnerische Tor gehen soll.

Pulisic zeigte sich dafür häufig noch etwas zu verspielt, Favre verwies öffentlich immer wieder auf die große Konkurrenz im Dortmunder Kader. Die wird auch in London zwar nicht gerade kleiner, der Wechsel zum FC Chelsea ist aber auch einer mit Perspektive. Trainer Maurizio Sarri setzte schon beim SSC Neapel auf eher klein gewachsene und wendige Offensivspieler wie Pulisic, auch der Angriff ist bei den Londonern dünner besetzt als beim BVB. Über die sozialen Netzwerke ließ Pulisic am Mittwoch wissen, dass er "bei den Schwarzgelben immer in den besten Händen gewesen" sei und bedankte sich beim Klub, den Mitspielern und den Fans. Wenn aus dem zweitverheißungsvollsten Nachwuchsspieler wirklich mal ein Ballon d'Or-Gewinner werden sollte, wird er das sicherlich wieder tun.

© SZ.de/ebc/rus
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