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BVB siegt in Prag:Endlich mal eine stabile Einheit

Slavia Prag - Borussia Dortmund

Achraf Hakimi bejubelt das 2:0.

(Foto: dpa)
  • Borussia Dortmund gewinnt bei Slavia Prag mit 2:0. Achraf Hakimi schießt beide Tore.
  • Vor allem in der zweiten Halbzeit wehrt sich der BVB erfolgreich gegen den starken Außenseiter.
  • Nach den jüngsten Debatten werten die Verantwortlichen den Auftritt als positives Zeichen.

Eine Stunde nach Spielschluss sah sich Sebastian Kehl genötigt, in der Mixed Zone der Eden Arena in Prag den Mediator zu spielen und um gemäßigte Kritiken für seinen Arbeitgeber Borussia Dortmund zu werben. Es sei eine wirklich gute Erfahrung, "dass wir in der zweiten Halbzeit zwar die Kontrolle über das Spiel verloren haben, dem Druck aber standgehalten haben", betonte der ehemalige Kapitän.

Die Frage, warum dem BVB das Spielgeschehen dermaßen aus den Händen gleiten konnte, empfand der heutige Leiter der Lizenzspielerabteilung als nicht zulässig: "Lasst uns doch mal das Positive sehen", beschwor der ehemalige Kapitän: "Wir haben heute bei einer sehr starken Mannschaft, die in Mailand mit viel Pech 1:1 gespielt hat und kaum Gegentore zulässt, mit 2:0 gewonnen. Wir müssen doch nicht immer das Haar in der Suppe suchen." Das sah Kapitän Marco Reus ähnlich, der betonte, "dass wir vor allem bei den Standards sehr aufmerksam verteidigt haben. Das ist uns in den letzten Wochen und auch in der letzten Saison nicht immer gelungen."

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So weit zur sportlichen Einschätzung eines Abends, die mit besinnlichen Tönen begonnen hatte. Zur verstorbenen Schlagerikone Karel Gott pflegen sie bei Borussia Dortmund eine besondere Verbindung, seit der Tscheche 1996 im Dortmunder Meisterjahr gemeinsam mit Stadionsprecher Norbert Dickel vor der Südtribüne den Gassenhauer "schwarz-gelb wie die Biene Maja" trällerte. Am Tag, als bekannt wurde, die "Goldene Stimme aus Prag" sei für immer verstummt, gab der BVB in der Stadt an der Moldau seine Visitenkarte in der Champions League ab. Vor Spielbeginn gab es minutenlange Ovationen für den verschiedenen Star, dann wurde Fußball gespielt gegen die mit Abstand beste tschechische Vereinsmannschaft, die 24 Pflichtspiele in Folge ungeschlagen war und dabei wettbewerbsübergreifend in den letzten 15 Partien gerade Mal drei Gegentreffer zugelassen hatte.

Dass der Außenseiter in der stark besetzten Gruppe F alles andere als Laufkundschaft darstellt, hatte Slavia bereits beim beachtlichen 1:1 bei Inter Mailand nachgewiesen, als die Italiener erst in der Nachspielzeit das Remis sichern konnten. Dies sei eine physisch präsente und laufstarke Einheit, hatte Dortmunds Trainer Lucien Favre vor Spielbeginn verkündet. Tugenden also, mit denen die hochbegabten Kicker des BVB ihre Probleme hatten. Am Ende hatte der börsenorientierte Revierklub das Spiel dank der beiden Treffer von Matchwinner Achraf Hakimi mit 2:0 (1:0) gewonnen.

Es war eine echte Bestandsprobe, die Borussia musste sich in der kämpferisch geführten zweiten Halbzeit als defensiv stabile Einheit erweisen, hatte am Ende sogar weniger Ballbesitz als der Außenseiter. Das kam weit weniger glanzvoll daher als der Münchener Galaauftritt in London, darf aber dennoch als ebenso wertvolle wie zukunftsweisende Erfahrung gewertet werden. Nach dem Motto: Wir können auch kämpferisch bestehen, wenn wir spielerisch hinter unseren Möglichkeiten bleiben.

Der Erfolg war künstlerisch nur wirklich nicht wertvoll, aber das war in diesem Moment egal. Ist der Klub also auf dem richtigen Weg? Der so häufig benutzte Terminus Mentalität sei so etwas "wie der große Bruder vom Stellungsfehler", gab Abwehrchef Mats Hummels zu Protokoll: "Der wird benutzt, wenn man nicht so genau weiß, was schiefgelaufen ist." Derweil forderte Mittelfeldmotor Axel Witsel, "wir müssen wieder wie Killer auftreten".

Im Gespräch mit der SZ leistete auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke seinen Beitrag zur zäh geführten Debatte. Er sei der Meinung, sagte der 60-Jährige, "dass unsere Mannschaft eine sehr gute Mentalität hat". Im übrigen handele es sich um eine "reine Schlagwort-Diskussion", sagte Watzke, um im gleichen Atemzug an die Berufsauffassung der Profis zu appellieren. "Ich glaube, dass wir aufhören müssen, in unseren eigenen Fußball verliebt zu sein. Wir sollten stattdessen verliebt ins Gewinnen sein. Darum geht's." Der BVB müsse lernen, das eigene Tor "wieder mit Zähnen und Klauen zu verteidigen" und sich "nicht nur auf unseren schönen Fußball" zu verlassen. "Wenn wir Titel gewinnen wollen, müssen wir an dieser Weggabelung, an der wir uns gerade befinden, klar erkennen: Nur mit schönem Fußball wird das nichts." So kann man sich dem Thema Mentalität auch nähern und das kickende Personal in die Pflicht zu nehmen. Und das, ohne den ungeliebten Terminus in den Mund nehmen zu müssen.

Auf den Erfahrungen von Prag wollen die Dortmunder aufbauen. "Wir haben in der Champions League zwei Mal zu null gespielt", gab Marco Reus zu Protokoll: "Das müssen wir jetzt am Samstag auch in Freiburg zeigen. Da erwartet uns eine ähnlich schwierige Aufgabe."

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