Bundesliga Es erscheint logisch, dass Dortmund Meister wird

Auch Mario Götze ist wieder ein fester Bestandteil dieses erstarkten BVB.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Gewinn der Herbstmeisterschaft ist kein offizieller Titel, auf den sich Dortmund viel einbilden kann. Trotzdem: Wer soll den BVB in dieser Saison noch stoppen?

Kommentar von Philipp Selldorf

Zu den Meisterschaften, die in Wahrheit gar keine Meisterschaften sind, gehört außer der Vizemeisterschaft auch die Herbst-, Winter- oder Weihnachtsmeisterschaft. Die Herbstmeisterschaft ist eine Erfindung wie die "porentiefe Reinheit", der "Bio-Alkohol" oder das "Filter-Frio-Verfahren": Hat zwar einen realen Hintergrund, dient aber vor allem der Vorspiegelung falscher Tatsachen.

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Was von der Herbstmeisterschaft in der Bundesliga zu halten ist, hat vor Jahren Uli Hoeneß brillant definiert, als er sagte, der Weihnachtsmann sei noch nie der Osterhase gewesen. Diese auch für kindliche Gemüter verständliche Klarstellung sollte Maßstäbe setzen, bis der Jüngste Tag der Menschheit kommt, aber nach diesem Wochenende ist natürlich trotzdem überall vom Gewinn der Herbstmeisterschaft durch Borussia Dortmund die Rede, als ob die DFL schon ihre Konfettikanone in Stellung gebracht hätte.

Keiner weiß, was die Erholung des FC Bayern zu bedeuten hat

Andererseits sollte man nicht kleinlich sein. Wenn im ganzen Land die Borussia für einen fiktiven Titel gewürdigt wird, dann hat das auch damit zu tun, dass sich das Land vom Joch der Tyrannei befreit fühlt. Zu lang hat die unerbittliche Bayern-Herrschaft das Weihnachtsfest überschattet, zu oft wusste man schon am Heiligen Abend, dass auch der Osterhase wieder dazu gezwungen sein würde, das Bayern-Kostüm zu tragen.

Ostern fällt 2019 auf den 30. Spieltag, die Bayern spielen zu Hause gegen Bremen, Dortmund in Freiburg. Womöglich ist dann schon alles entschieden. Im vorigen August war der BVB nach all den Umwälzungen in der Führungsetage, im Trainerbüro und in der Spielerkabine für die unmittelbar Beteiligten und auch für das Publikum ein schwer einzuschätzendes Objekt der Liga, im fortgeschrittenen Dezember erscheint es nun nahezu logisch, dass der BVB die Saison mit dem Titel beendet.

Das liegt vor allem daran, dass die Elf zwar mit ihren stürmischen Auftritten hin und wieder Gelegenheit zur Kritik gibt (zum Beispiel: Chancennutzung!), aber wenig Anlass zur Skepsis bietet - weil im Zweifelsfall nicht nur Marco Reus oder Paco Alcácer immer ein Tor mehr schießen können als der Gegner, und weil die Elf des gar nicht mehr so verrückten Professors Lucien Favre viele verschiedene Wege zum Erfolg kennt, von schmucklos-robust bis berauscht-entfesselt.

Zum Favoriten wird der Tabellenführer auch durch die Konkurrenz: Wer sollte Schritt halten mit diesem BVB, der einen Kader für zwei Spitzenteams besitzt? Mönchengladbach und Frankfurt ist das kaum zuzutrauen - zu viele limitierende Faktoren. Die Genesung des FC Bayern dürfte zwar manchen Borussen beunruhigen, könnte sich aber auch als nützlich erweisen: So bleibt den Dortmundern ein Rivale, der sie wach hält und antreibt. Zudem weiß man nach der sehr prinzipiellen Münchner Herbstkrise noch nicht, was von der aktuellen Erholung zu erwarten ist. Daher hiermit schwarz auf weiß: Glückwunsch zum Gewinn der Herbst-meisterschaft an Borussia Dortmund!

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