BVB-Boss Hans-Joachim Watzke "Bei uns wird niemand an den Pranger gestellt"

Die Champions-League-Saison beginnt und damit auch die internationale Reifeprüfung für Borussia Dortmund. Im SZ-Interview spricht BVB-Vorstand Hans-Joachim Watzke über die schwere Gruppe, die schwarz-gelbe Wertegemeinschaft und den Standortnachteil gegenüber dem FC Bayern.

Von Michael Dose

Seit 2005 führt Hans-Joachim Watzke die Geschäfte bei Borussia Dortmund - seitdem hat sich vieles im Klub verändert. In seiner Anfangszeit leitete der Vorstandsvorsitzende ein Unternehmen, das gerade mal die Insolvenz vermieden hatte. Inzwischen ist der BVB, nach zuletzt zwei Meistertiteln und dem Pokalsieg, der Bayern-Konkurrent Nummer eins. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung zeigt Watzke sogar Verständnis für die Sticheleien von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der den BVB unlängst als "relativ regionale Sache" bezeichnet hatte. Watzke sagt: "Ich glaube, solche Äußerungen kommen bei Uli Hoeneß vielleicht aus der Tiefe des Bauches."

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Der 53-Jährige sieht in der Lage Dortmunds eher einen Standortnachteil für die Borussia. "Wenn man einen Zirkel von 80 Kilometern um München schlägt, dann gibt es dort keine bedeutende Fußball-Konkurrenz", sagt Watzke. Im Gegensatz dazu stehe die Situation im Ruhrgebiet, wo Dortmund und Schalke um die gleiche Klientel kämpfen.

Die kommenden Herausforderungen will Watzke bewältigen, in dem er die Wirtschaftlichkeit des BVB wahrt, ohne jeden kommerziellen Kniff mitzumachen. Als Beispiel nennt er Trikots in anderen Farben als den Vereinsfarben, die Klubs gerne als zusätzliche Geldquelle nutzen. Watzke glaubt, dass sich am Ende aber ein "wenig Purismus" sogar wirtschaftlich auszahlen könne und verspricht den BVB-Fans: "Wir werden immer nur in Schwarz-Gelb spielen. Unsere Farben sind nicht austauschbar." Der studierte Betriebswirt weiß um die schwierige finanzielle Vergangenheit des Klubs und betont daher, "dass wir unsere Erfolge verstetigen müssen, ohne jemals wieder Kredite aufzunehmen".

"Wir haben überwiegend sehr intelligente Spieler"

Nicht erst nach dem Double-Sieg in der abgelaufenen Saison werben große Klubs um die BVB-Spieler. Erst verließ Nuri Sahin die Borussia Richtung Madrid (inzwischen FC Liverpool), jüngst wechselte Shinji Kagawa zu Manchester United. Watzke glaubt allerdings, dass in Dortmund eine Atmosphäre herrsche, die auch die Spieler zu schätzen wissen. Kürzlich verlängerte Mats Hummels seinen Vertrag bis 2017, auf ein Engagement von Robert Lewandowski über 2014 hinaus hoffe Watzke noch: "Wir haben überwiegend sehr intelligente Spieler, die wissen, was sie an Dortmund haben. Hier weißt du, dass du nie allein gelassen wirst, wenn es mal schlechter läuft, du wirst nie an den Pranger gestellt, du bist Teil einer Wertegemeinschaft."

Besser laufen soll es in dieser Saison in der Champions League, der internationalen Reifeprüfung für den BVB. Zwar wolle die Mannschaft "endlich mehr Punkte sammeln, damit wir nicht noch ein weiteres Mal in den tiefsten, den vierten Lostopf gesteckt werden", sagt Watzke: "Ich glaube, wir haben eine Chance, einen der ersten Plätze in unserer Gruppe zu erreichen." Dennoch erklärt Watzke: "Wenn wir am Ende deutscher Meister oder Pokalsieger sind, ist mir das viel wichtiger, als ein, zwei Runden in Europa weiterzukommen."

Das komplette Interview lesen Sie in der Print-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung oder auf der App Ihres iPads.

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