bedeckt München 22°

Dortmund-Pleite bei Union:"Hatte mir erhofft, dass wir schon ein Stück weiter sind"

1. FC Union Berlin - Borussia Dortmund

Das Team von Borussia Dortmund steht nach Spielende enttäuscht auf dem Spielfeld.

(Foto: dpa)
  • Borussia Dortmund verliert durchaus verdient bei Union Berlin mit 1:3.
  • Der BVB kassiert wie in den anderen Saisonspielen ein frühes Gegentor, ist aber vor allem in der zweiten Halbzeit ideenlos.
  • Trainer, Spieler und Verantwortliche üben scharfe Selbstkritik.
  • Die Berliner Polizei bestätigte am Sonntag, dass sie im BVB-Fanblock Reizgas einsetzte.
  • Alle Ergebnisse und die Tabelle finden Sie hier.

Es war der letzte Tag im August, doch Sebastian Kehl fühlte wieder den April. Den Februar, den März, vielleicht auch den Mai dieses Jahres. Der Chef der Lizenzspielerabteilung von Borussia Dortmund wähnte sich in einer Vergangenheit, die sie im Verein längst abgeheftet zu haben glaubten, verstaut im Aktenordner auf dem Dachboden im hintersten Eck.

"Ich hatte mir erhofft, dass wir schon ein Stück weiter sind", sagte Kehl, neben ihm die Kabine von Union Berlin, aus der nach dem 3:1 gegen den BVB die Musik dröhnte. Die Niederlage gegen den Aufsteiger erfüllte Kehl mit Melancholie und er sagte: "Das hat mich heute schon an einige Phasen in der letzten Saison erinnert." Für die Köpenicker hingegen war der letzte Tag im August fast so schön wie jener Tag Ende Mai, als sie den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga feierten, im Relegationsspiel gegen Stuttgart. Rasenstücke hatten sie damals mit nach Hause genommen, dieses Mal waren es drei Punkte gegen Dortmund. "Die waren nicht budgetiert", sagte Union-Trainer Urs Fischer, wie Schweizer es eben nüchtern ausdrücken, "aber es ist schön, dass sie da sind."

Bundesliga Ein Beben im roten Trikot
Bundesliga

Ein Beben im roten Trikot

Mit dem 1:3 bei Union Berlin verspielt der BVB die Tabellenführung. Während Berlin feiert, üben die Dortmunder Profis Selbstkritik.   Von Saskia Aleythe

Direkt neben ihm suchte sein Landsmann Lucien Favre nach Erklärungen, warum seine Dortmunder mit all ihren Ambitionen schon jetzt gestrauchelt waren, beim Aufsteiger, mit einem verdienten 1:3 (1:1). Sofort landete man tatsächlich wieder in der Vorsaison, an deren Ende - trotz zwischenzeitlichem Neun-Punkte-Vorsprung des BVB - der FC Bayern doch wieder die Meisterschale stemmen durfte. "Wir haben die Konzentration verloren und die Geduld", sagte Favre. Oder, in den Worten von Marco Reus: "Wir haben uns im gesamten Spiel einfach komplett dumm angestellt."

Nach 22 Minuten war ein Beben durch die Alte Försterei gegangen. Unions Marius Bülter hatte einen Eckball von Kapitän Christian Trimmel im Strafraum dankend angenommen und mit einem Flachschuss ins Eck eingenetzt - die Szene wirkte einstudiert, die BVB-Abwehr war angesichts der Laufwege der Unioner überrascht, und Kehl analysierte später: "Das ist das dritte Mal in Folge, dass wir in Rückstand geraten. Das darf einer Mannschaft mit so einer hohen Qualität nicht passieren." Auch Augsburg (am Ende 5:1) und Köln (3:1) hatten gegen den BVB geführt. Dass die Sommerpause tatsächlich ein Ende gefunden hat, merkte man nicht jedem Dortmunder an. "Es darf uns nicht passieren, dass wir immer diesen Weckruf brauchen", sagte Kehl. Drei Minuten nach dem Rückstand waren die Dortmunder hellwach, allerdings nur kurz: Reus schickte Sancho, der flankte auf Alcácer, 1:1.

Weckruf? Von wegen. Der Treffer ermunterte die Dortmunder, die ohne die verletzten Axel Witsel und Thorgan Hazard angetreten waren, nicht gerade, weiter kreative Lösungen zu suchen. Und es begann, was Union-Trainer Fischer später in klare Worte packte: "Wir waren eklig. Die Mannschaft hat um jeden Zentimeter gekämpft." Der BVB schob sich den Ball zu, Union attackierte. Ein Fernschuss von Julian Weigl landete am Außenpfosten (42.), einen Schuss von Reus lenkte Union-Keeper Rafal Gikiewicz am Tor vorbei (45.).