Burghausen überrascht Löwen Späte Wende

TSV 1860 verliert ein gewonnen geglaubtes Spiel gegen Burghausen in den Schlussminuten mit 2:4.

Von Von Christian Zaschke

Am Ende nützte es den Fußballern des TSV 1860 München nichts, dass sie während langer Phasen der Partie gegen Wacker Burghausen eine sehr gute Leistung gezeigt hatten. Am Ende nämlich gaben die Münchner innerhalb weniger Minuten ein Spiel aus der Hand, das sie lange bestimmt hatten, 2:4 (1:1) stand es beim Schlusspfiff, und die ambitionierte Mannschaft aus München wird einige Zeit brauchen, um sich von diesem Schock zu erholen.

Dabei hatte alles so gut ausgesehen, von Beginn an machte die Mannschaft des TSV 1860 den Eindruck, dass sie sich allmählich findet, auch wenn Trainer Rudi Bommer im Vergleich zum ersten Saisonspiel auf fünf Positionen gewechselt hat. Die Sechziger kombinierten flüssig, für einen Zweitliga-Kick war das Niveau in der ersten halben Stunde phasenweise hoch. Die Sechziger dominierten das Geschehen. Das Trio im zentralen Mittelfeld - Matthias Lehmann, Daniel Baier und Jiayi Shao - kontrollierte das Tempo und leitete wieder und wieder sehenswerte Spielzüge ein.

Aus Anfangsschwung wurde Mut

Bereits in der 9. Minute hätte Shao das 1:0 erzielen müssen. Er stand frei im Strafraum, der Ball flog genau auf ihn zu. Shao setzte den Ball jedoch per Kopf in die Arme von Burghausens Torhüter Gospodarek. So ging es weiter. Der Sturm mit Michal Kolomaznik und Emmanuel Krontiris sorgte ständig für Unruhe. In der 10. Minute setzte sich Kolomaznik auf der linken Seite durch und jagte einen gefährlichen Flankenball durch den Strafraum, eine Minute später war es Rodrigo Costa, der nach einer Flanke von Baier den Ball mit dem Kopf knapp neben dem Tor platzierte. Derart schwungvoll hatten die Münchner in dieser Saison noch nicht begonnen.

Aus dem neuen Schwung wuchs auch Mut, es wurde direkt gespielt, Shao scheiterte mit einem Volleyschuss aus 22 Metern knapp. 21272 Münchner Anhänger im Stadion an der Grünwalder Straße, die bislang eher harte Fußballarbeit gesehen hatten, reagierten erfreut auf die Darbietung und stimmten Gesänge an, unter anderem den neuen Song mit der Frage "Sitzt denn der junge Wildmoser noch?" Die Antwort wird gleich mitgesungen: "Ja, er sitzt noch." Es wirkte wie ein Lied aus einer lange vergangenen Ära, die Wildmosers, Vater und Sohn, hatten den Verein ja nach der Korruptionsaffäre um das neue Münchner Stadion verlassen, der jüngere wartet im Gefängnis auf den Prozess.

Die Löwen der Gegenwart wurden auf dem Platz plötzlich geschockt. Nach 28 Minuten stand Burghausens Rafael Kazior frei, er hatte per Doppelpass mit Stefan Reisinger die Münchner Abwehr zerlegt und überwand aus 14 Metern Entfernung Löwen-Tormann Michael Hofmann.

Es war eine Ahnung von dem, was später passieren sollte, doch dafür, dass der Schock sich einstweilen nicht allzu tief ins Münchner Gemüt graben konnte, sorgte eine Minute später Kolomaznik. Nach einer Freistoßflanke von Daniel Baier besorgte er per Kopf aus sechs Metern Entfernung das 1:1 (29.). Danach beruhigte sich die Partie etwas, beide Teams verwalteten das Ergebnis bis zur Pause.

1860 verlor die Linie

In der zweiten Halbzeit gelang es Burghausen zunehmend besser, das Münchner Spiel unterbinden. Von Spielaufbau war auf beiden Seiten nicht mehr viel zu sehen, doch gelang es den Burghausenern sich eine leichte Überlegenheit zu erspielen. Der TSV 1860 stand defensiv und lauerte. In der 60. Minute wurde diese Taktik belohnt. Der eingewechselte Lance Davids leitete einen Konter über Marco Gebhardt ein.

Gebhardt lief die linke Außenbahn entlang bis in den Strafraum, er dribbelte, er stocherte, und schließlich fasste sich Krontiris ein Herz und drosch die Kugel zum 2:1 ins Tor. Der Partie tat das gut, denn nun musste Burghausen den Abwehrverbund lockern, um zu stürmen, es ergaben sich Torchancen. In der 68. Minute sorgte Baier mit einer Freistoßflanke für Wirbel im Burghausener Strafraum, in der 76. Minute brachte Davids nach schöner Kombination nicht genug Druck hinter den Ball, so dass Gospodarek retten konnte. Und dann kippte das Spiel.

In der 78. Minute nahm der eingewechselte Marek Krejci eine Flanke direkt ab und traf zum 2:2. Die Sechziger waren erschüttert. Sie verloren ihre Linie, die Partie wurde zunehmend hektischer. Burghausen erhöhte den Druck, in der 85. Minute zog der ebenfalls eingewechselte Roland Bonimeier einen Freistoß aus 35 Metern aufs Tor, der Ball flog und flog und flog ins Tor, und der TSV 1860 hatte ein gewonnen geglaubtes Spiel noch verloren. Den Schlusspunkt setzte Reisinger, der sich gegen eine demoralisierte Abwehr durchsetzte auf 4:2 erhöhte.