Jörg Schmadtke:Streiten tut weh

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Bewegte Managerkarriere: Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport beim VfL Wolfsburg, hat schon für manche Debatte gesorgt. Seine knorrige Art ist wohl einzigartig in der Bundesliga. (Foto: Swen Pförtner/dpa)

Die öffentliche Schadenfreude von Anthony Modeste trifft den Wolfsburger Manager Jörg Schmadtke an einem wunden Punkt. Denn seine Neigung zu Zerwürfnissen mit Weggefährten schadet ihm gerade doppelt.

Kommentar von Philipp Selldorf

Das Bild des Mannes, der auf der Tribüne des Wolfsburger Stadions sein Antlitz verbirgt, wird allmählich zu einem Standardmotiv des Bundesliga-Fernsehens. Zu sehen ist eine Person, die ihre Schirmkappe über die eine und den Jackenkragen über die andere Gesichtshälfte gezogen hat, aber die nahezu vollständige Verdunkelung verhindert nicht, dass jeder halbwegs szenekundige Betrachter hinter der Maskerade den missmutigen Manager Jörg Schmadtke erkennt.

Das Bild des vergeblich unkenntlich gemachten Mannes war auch am Dienstag wieder der passende Kommentar zum missglückten Auftritt der Wolfsburger, die beim 2:3 gegen den 1. FC Köln einen privaten Rekord aufgestellt haben: Sechs Pflichtspiel-Niederlagen in Serie, das hat es noch nicht gegeben, seitdem der VfL der ersten Liga angehört, also seit 1997. Der unerwünschte Meilenstein - Ausdruck einer stabilen sportlichen Krise - ist für den Sportchef Ärgernis genug, mindestens genauso wehtun dürfte Schmadtke jedoch Anthony Modestes genussvoller Kommentar zum Spiel.

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Der Kölner Doppeltorschütze hatte der ARD höchst vergnügt berichtet, dass dieser Sieg für ihn besonders schön sei, denn: "Wir haben bei Wolfsburg gewonnen, der Mannschaft von Schmadtke." Dem widmete Modeste ganz spezielle Grüße: "Man sieht sich immer zweimal im Leben." Har, har, har.

Parallelen zwischen Schmadtke und Magath werden sichtbar

Als Schmadtke vor viereinhalb Jahren noch die Sportgeschäfte des 1.FC Köln verantwortete, hatte er dem Torjäger Modeste im Zuge dessen Wechsels nach China Geldgier vorgeworfen. Es kam zum Zerwürfnis, den Transfer mussten letztlich andere Klubautoritäten abwickeln. Nun mag man zwar meinen, dass dieser Streit aus dem Sommer 2017 doch eine uralte Klamotte ist - und dass Modestes Revanche ein wenig kindisch wirkt. Aber die Kontroverse hat durchaus aktuelle Bedeutung. Denn Schmadtkes immer wieder aufscheinende Neigung zum Zerwürfnis entspricht eben auch dem Bild vom Manager, der sich unter der Schirmkappe versteckt: Durch Wiederholung ist es zum Standardmotiv geworden.

Ähnlich wie jetzt dem Wolfsburg-Boss erging es früher Felix Magath, als er noch von Verein zu Verein zog. Ständig traf der Trainer bei Gegnern auf Spieler, die er einst auf unnachahmlich herzlose Art selbst betreut hatte und die ihm nun rachefreudig die Jubelfaust zeigten, wenn ihnen ein Tor oder der Sieg gegen Magaths Team gelungen war. Schmadtke hat - abgesehen von Modeste und anderen Weggefährten, die er im Streit rigoros zurückließ - in den vergangenen Jahren vor allem gegen seine eigenen Trainer agitiert. Mit Mirko Slomka in Hannover, Peter Stöger in Köln (im späten Stadium), Bruno Labbadia und zuletzt Oliver Glasner in Wolfsburg unterhielt er Verhältnisse, die er durch Verweigerung von Ansprache und Kommunikation unverhohlen als Nichtverhältnisse kennzeichnete.

Glasner bringt Eintracht Frankfurt gerade wieder in die Spur

Spätestens bei Glasner wirkte die Masche notorisch, und das ist jetzt auch den "Schmadtke raus" rufenden VfL-Fans aufgefallen: Ihr Verein beschäftigt in der laufenden Saison bereits den zweiten Chefcoach, nach Mark van Bommel steckt auch Florian Kohfeldt schon in Schwierigkeiten, während sich der in Wolfsburg erfolgreiche Glasner nun bei Eintracht Frankfurt profiliert.

Schmadtke, der sich gern als Grantler inszeniert, aber von äußerst empfindlicher Natur ist, wenn seine Anerkennung infrage steht, muss sich wohl mal etwas Neues einfallen lassen. Das nächste Wiedersehen mit Modeste steht im Mai bevor.

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