Bundestrainer Löw vor dem Schottland-Spiel Neuer tröstet die Schotten

Vogts hat sein Engagement in Schottland längst beendet, aber dem schottischen Fußball geht es kaum besser als damals. Kaum eine Stunde nach der Ankunft im Teamhotel wurde Manuel Neuer mit Klagen über das Elend des schottischen Fußballs und die gerade erlittene Niederlage in Georgien konfrontiert. "Das ist natürlich schade, dass sie verloren haben", versuchte Neuer die Einheimischen zu trösten und führte ihnen das Beispiel des Skifahrers Herrmann Maier vor, der im vorigen Jahr dem DFB-Team einen Vortrag gehalten hatte. Maier sei auch nicht immer als designierter Sieger angetreten - und habe trotzdem viele Rennen gewonnen.

Schottlands Trainer Gordon Strachan, der nicht weniger skeptisch ist als die frustrierten Fans, hat klargestellt, dass sein Team ohne die mentale Hilfe des Publikums keine Chance haben werde ("da werden ausgelaugte Körper auf dem Platz stehen", prophezeite er düster). Auch Löw scheint weniger die fußballerischen Qualitäten der Schotten zu fürchten als den speziellen Geist, der diese im ausverkauften Hampden-Park beflügeln könnte. "Ihre Niederlage macht die Situation vielleicht noch ein Stück gefährlicher für uns", sagte er, "wie immer, wenn sie zu Hause spielen, werden sie kämpferisch alles, alles tun, um mit Stolz und Würde das Spielfeld zu verlassen." So sprach er zwar wie ein General vor der Schlacht, aber Löws Uniform war der amtliche DFB-Freizeitanzug, und er war auch sonst friedlich gesinnt.

Lehmann übt Kritik

Löw wurde in Glasgow natürlich auch auf den Fernsehexperten Jens Lehmann angesprochen, der auf den 3:1-Sieg gegen Polen ein so kritisches Licht geworfen hatte, als ob im deutschen Fußball die Sonne unterginge. Allgemeiner Tempoverlust, defensive Umschaltschwächen, schwaches Defensivverhalten - Lehmann stand zwar allein mit seinen Tiraden, dies aber sehr entschlossen. Löw hielt es jedoch wie üblich nicht für nötig, sich über die abweichende Meinung eines Dissidenten zu ärgern.

Tempoverlust? "Mit der Mannschaft sind wir Weltmeister geworden, in der Geschwindigkeit haben wir keine Defizite", stellte er fest. Entscheidend sei die Handlungsschnelligkeit im Kopf, "Situationen erkennen, Szenen sehen, schnell entscheiden", darauf käme es an, findet er und sieht keinen Grund, sich über sein Team zu beschweren. Außer, dass es ihm nicht leicht gemacht wird, aus 23 Spitzenkräften elf für die Startreihe auszuwählen. Was zum Beispiel soll mit Ilkay Gündogan geschehen, der gegen Polen als Einwechselspieler kam und sofort begann, eine überragende Vorstellung zu bieten? Gündogan sei "ein wahnsinnig wertvoller Spieler" bestätigte Löw und prophezeite für die nächsten großen Turniere: "In dieser Form wird er kaum zu ersetzen sein." Andererseits will er in Glasgow weder den Kapitän Schweinsteiger noch Kroos oder Özil oder Götze auf die Bank setzen.

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Kommentar

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Probleme, die Rudi Völler damals gerne gehabt hätte. Mittelfeldspieler Jens Jeremies musste sich seinerzeit anhören, er habe "schottischer als die Schotten" gespielt.