Bundestrainer Löw Pro-Jogi-Kundgebungen werden lauter

Joachim Löw vor dem Spiel gegen Südkorea. Seitdem wird über seine Zukunft diskutiert.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Will Joachim Löw Bundestrainer bleiben? Die Entscheidung wird für diese Woche erwartet.
  • In der Bundesliga wächst der Zuspruch: Die Kollegen Nagelsmann, Streich und Kovac sprechen sich pro Löw aus.
  • Beim DFB soll trotzdem einiges auf den Prüfstand kommen.
Von Philipp Selldorf

Während der Bundestrainer daheim in Freiburg über sein weiteres Berufsleben nachdenkt, wird im Rest der Republik darüber diskutiert, ob er tatsächlich Bundestrainer bleiben sollte. Grundlegend kritische Äußerungen finden sich allerdings lediglich in den Leserzuschriften an die Fach- und Tagespresse, in der Branche ist der Tenor eindeutig: Löw soll im Amt bleiben.

Am Montag traten unter anderem Julian Nagelsmann, Niko Kovac und Christian Streich für ihren Trainerkollegen ein. Dass in der Bundesliga nicht schon längst Unterschriftensammlungen zugunsten Löws stattfinden und Pro-Jogi-Kundgebungen organisiert werden, das liegt am Verhalten des DFB. Er kämpft selbst darum, Löw fürs Weitermachen zu gewinnen. Die im DFB-Präsidium zusammengefassten Vertreter des Verbandes und der Liga haben in dieser Frage ein einheitliches Meinungsbild entwickelt. Ausnahmsweise, wie Angehörige des Gremiums witzelten.

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Bis Mittwoch oder Donnerstag ist mit Löws Entscheidung zu rechnen. Die Tendenz scheint darin zu bestehen, dass er bereit ist, seine Arbeit fortzusetzen. Löw weiß seinen Job und die damit verbundenen Annehmlichkeiten zu schätzen, nicht umsonst übt er ihn trotz verschiedener attraktiver Anfragen bereits seit zwölf Jahren aus, außer dem Trainer der uruguayischen Nationalmannschaft, Oscar Tabarez, gibt es keinen Nationaltrainer, der länger im Dienst ist als Löw.

Damit das so bleibt, soll jetzt einiges auf den Prüfstand kommen, was zuletzt den Betrieb beim DFB-Team prägte. "Tiefgehende Maßnahmen und klare Veränderungen" hatte Löw nach dem Scheitern bei der Weltmeisterschaft angemahnt. Wie solche umwälzenden Eingriffe aussehen sollten - auch darüber würde DFB-Präsident Reinhard Grindel gern mehr erfahren. Löws Ja-Wort dürfte ihm nicht genügen. Es geht auch darum, die Fortsetzung der Zusammenarbeit dem Publikum plausibel zu verkaufen.

Aus Sicht der Bundesliga-Kollegen braucht sich Löw nicht zu ändern, um wieder erfolgreich zu sein. "Es braucht keinen Nachfolger, weil der Jogi weitermacht", sagte der Freiburger Trainer Streich am Montag und verwies auf die "totale Erfolgsgeschichte" seines badischen Landsmanns. Der Misserfolg in Russland sei Normalität im sportlichen Zyklus: "Das gibt's nicht, dass du immer Erfolg hast." Hoffenheims Chefcoach Nagelsmann sprach sich ebenfalls vehement gegen einen Rücktritt aus. "Ich weiß nicht, warum es eine so große Diskussion darum gibt", sagte er. "Jogi Löw ist nicht allein in Russland ausgeschieden, sondern es passierte im Team."

Löw habe so viel für den deutschen Fußball getan, "da muss man ihm auch mal zugestehen, dass das, was er anpackt, nicht immer Gold ist und auch mal in die Hosen gehen kann - wie die WM".

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