bedeckt München 15°

Bundestrainer Joachim Löw:In der Ahnengalerie des deutschen Fußballs

Im Olymp deutscher Bundestrainer: Joachim Löw in eher bescheidener Jubelpose

(Foto: AP)

Mit Joachim Löw klappt das nie mit dem Titel! So unkten Kritiker. Doch bei seinem vierten Fußball-Großereignis erfindet sich der Bundestrainer neu: Er trifft die richtigen Entscheidungen und sorgt für eine harmonische Atmosphäre. Doch sollte ein Weltmeister-Trainer nicht besser abtreten?

Joachim Löw erschien zur Fragerunde mit der Weltpresse und sah seltsamerweise genauso aus wie zuvor. Das blaue Hemd saß, die Frisur auch. Sehen so Weltmeister-Trainer aus? Wo doch schon Pokalsieger-Trainer bis zu 50 Liter Bier abkriegen. Und durch die Luft fliegen ohne Rücksicht auf die Garderobe.

Nichts von alledem ist dem 54-Jährigen am Sonntag im Estádio do Maracanã widerfahren. Vermutlich spürten seine Spieler, dass eine wilde Feier diesem freundlichen, nüchternen Mann nicht entsprochen hätte. Vielleicht scheut er Triumphposen, weil der Respekt für den Gegner zu sehr Teil seiner Persönlichkeit ist. Und der hat ja verloren. Im Augenblick auch seines größten Sieges wirkte es, als würde er eher widerwillig die heftigen Gefühle seiner Mitarbeiter über sich ergehen lassen. Nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Nicola Rizzoli griff zuerst Torwarttrainer Andreas Köpke zu, dann umarmten ihn gleichzeitig so viele Menschen, dass Löw erdrückt wirkte.

Deutschland in der Einzelkritik

Die Sternenfänger

Weil er den Jubel unbeschadet überstand, muss er nun zur Kenntnis nehmen, dass er in den Olymp deutscher Bundestrainer aufgestiegen ist. Sepp Herberger, Helmut Schön, Franz Beckenbauer - Joachim Löw. So heißt seit dem 13. Juli 2014 die Ahnengalerie des deutschen Fußballs. Durch das 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien, den Coup von Rio, ist er einer von vier Weltmeister-Trainern des Landes.

"Heute Nacht werde ich nicht in ein Loch fallen"

Schon kurz nach der Jubelei wurde Löw mit der Frage konfrontiert, wie das werte Befinden sei und ob er nach der ganzen Anstrengung nun in ein Loch zu fallen drohe. Es war einer der vielen Momente bei dieser WM, in denen der Mann aus Schönau in Baden sich genötigt sah, seinen Humor herauszukramen. Er antwortete: "Also eines kann ich Ihnen mit Bestimmtheit sagen: Heute Nacht werde ich nicht unbedingt in ein Loch fallen. Und morgen wahrscheinlich auch nicht, denn dann fahren wir nach Berlin."

Es ist noch nicht lange her, da hätten diesen Löw viele Beobachter und Hobby-Bundestrainer gerne in das nächstbeste Loch geworfen. Sie hätten ihn so lange da unten sitzen lassen, bis er dieses allerwichtigste Amt im Land abgegeben hätte. Kam die Sprache auf den obersten Fußballlehrer der Nation, kochte beim Volk der Zorn hoch. Dieser sachliche, analysierende Mann mit dem bisweilen kuriosen Singsang-Akzent passte vielen Verfechtern deutscher Fußball-Tugenden nicht. Denn nur damit kann einer Titel gewinnen - mit Löw wird das nie was!

Fußball-WM Jérôme, der Retter
Analyse
Boateng im WM-Finale

Jérôme, der Retter

Diese Grätschen! Im WM-Finale erlebt Jérôme Boateng schönste Verteidigermomente. Mit perfektem Timing bewahrt er Deutschland vor einem Rückstand. Ein Mittel, das sogar gegen Messi hilft.   Von Saskia Aleythe

Ihm hing die Niederlage im EM-Halbfinale gegen Italien nach, als er gründlich danebengriff bei der Aufstellung. Nach dem 4:4 gegen Schweden nach 4:0-Führung (in der Qualifikation zur WM) wurde er endgültig misstrauisch beäugt. Dieses Spiel brachte ihm den Vorwurf der Schönspielerei und der unterlassenen Hilfeleistung ein. Löw habe keinen Sensor für die Gemeinheiten des Fußballs und sei dem Job nicht gewachsen.

Das Turnier in Brasilien sah einen anderen Löw. Einen neuen Löw. Den Turniertrainer. Der 54-Jährige hat sich noch einmal neu erfunden bei seinem vierten Anlauf bei einer EM oder WM als Bundestrainer. Das musste er auch, denn selten war das Gespür des Chefs so wichtig wie bei dieser deutschen Mission.