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Bundestrainer bei der Fußball-EM:Löw, der Unerschütterliche

Schwer verbeult blickt die Nationalmannschaft auf das Halbfinale gegen Frankreich. Den Bundestrainer scheint das erst richtig anzustacheln.

Von Thomas Hummel, Paris

Das Erste, was man von Joachim Löw an diesem Vormittag sah, war ein Lächeln. Es folgte mit fester Stimme ein "Morgen!", dann schenkte er weiteren bekannten Gesichtern einen höflichen Gruß. Joachim Löw war gut gelaunt.

Wie konnte der nur gut gelaunt sein? Wo doch der Untergang des Fußballlandes unmittelbar bevorsteht. In der von ihm selbst anberaumten Pressekonferenz am Montagmorgen in Évian kam er auch gleich zum Punkt. Die 120 Minuten gegen Italien plus 120 Elfmeterschüsse hätten Spuren hinterlassen. "Leider müssen wir heute sagen, dass ein paar Spieler angeschlagen sind." Für Mario Gomez ist die Europameisterschaft vorbei. Sami Khedira falle auf jeden Fall für das Halbfinale aus. Bastian Schweinsteigers Außenbandzerrung im Knie habe sich nach dem Spiel verschlechtert, ob er spielen könnte, sei unsicher. Mats Hummels ist eh gesperrt.

Löw macht den Eindruck des Unangreifbaren

Am Donnerstag geht es in Marseille übrigens gegen den Gastgeber Frankreich, der sich gerade gegen Island in die nötige Turnier-Euphorie geballert hatte. 5:2, schon 4:0 zur Halbzeit. Ein Spaziergang. Keine Verletzten, keine Gesperrten. Und nun? Hat Joachim Löw gute Laune!

Es ist eine spezielle Fähigkeit dieses Bundestrainers, dass ihn in seinem sechsten großen Turnier nichts mehr aus der Bahn werfen kann. Den Makel, mit ihm könne man nichts gewinnen, hat der Mann aus dem Schwarzwald vor zwei Jahren in Brasilien getilgt, seitdem macht er den Eindruck des Unangreifbaren, des Unerschütterlichen, des irgendwie scho au Unbesiegbaren. Und damit dürfte er in diesen Tagen genau der Richtige sein für seine schwer verbeulte Nationalmannschaft.

So schön der dramatische Erfolg mit dem 18. Elfmeter gegen Italien auch war, er wich bald der Erkenntnis, der Preis könnte hoch sein. Schon eine halbe Stunde nach Jonas Hectors Schuss ins Glück sei es ruhig geworden in der Kabine, erzählte Löw. Das Spiel habe "körperlich wie psychisch Spuren hinterlassen". Die Spieler seien nach diesem Abnutzungskampf müde gewesen, denn sie seien "unglaublich viel gelaufen". Um halb sechs Uhr morgens seien sie erst zurückgewesen im Hotel am Genfer See, schlafen gegen sieben Uhr. Der ganze Sonntag eine einzige Erholungsphase.

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