Fußball:Bundesliga spielt bis Ende Oktober vor leeren Rängen

Hertha BSC - Leere Tribüne

Bleiben weiter leer: die Tribünen in den Stadien der Bundesliga (wie hier in Berlin).

(Foto: dpa)

Einige Klubs hatten auf eine Rückkehr im Herbst spekuliert, das schloss Bayerns Ministerpräsident Söder aber aus. Fragen und Antworten rund um die Entscheidung.

Was haben die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten beschlossen?

Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist, sollen mindestens bis Ende Dezember 2020 nicht stattfinden. Bundesweite Sportveranstaltungen wie die Fußball-Bundesliga sollen bis zum 31. Oktober vor leeren Rängen ausgetragen werden. Der Beschluss betrifft neben den Fußballklubs von der Bundesliga bis zur Regionalliga auch Spitzenvereine im Handball, Basketball und Eishockey. Einige Klubs hatten auf eine Rückkehr im Herbst spekuliert, das schloss Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz aber aus. Anlässlich des aktuellen Infektionsgeschehens seien Zuschauer vor allem bei Spielen der Fußball-Bundesliga ein "falsches Signal". Es sei "nicht sinnvoll, im September mit Zuschauern zu starten", sagte Söder.

Allerdings soll eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien in den kommenden beiden Monaten einen einheitlichen Vorschlag für den Umgang mit Fans bei bundesweiten Sportveranstaltungen erarbeiten. Grundlage für eine mögliche Rückkehr im November und Dezember sei eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen. Großveranstaltungen, bei denen das nicht möglich ist, sollen bis 31. Dezember untersagt bleiben. Das vorgestellte Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sieht personalisierte Tickets und damit eine Kontaktverfolgung vor. Söder sagte, eine mögliche Rückkehr hänge vor allem am Infektionsgeschehen. Man müsse da "auf Sicht" fahren.

Gibt es keine Ausnahme?

Nein. In der Beschlussvorlage war noch von einer möglichen Ausnahme für Regionen mit geringen Neuinfektionszahlen die Rede. Dies hätte aber zu einem Flickenteppich geführt. Während Vereine aus Regionen mit hohen Infektionszahlen weiter vor leeren Rängen hätten spielen müssen, hätten Klubs aus Gegenden mit nur wenigen Corona-Erkrankungen vielleicht vor einem größeren Publikum spielen können.

Wer ist für Fans im Stadion?

Noch am Donnerstagmorgen hatte sich Innenminister Horst Seehofer (CSU) in der Augsburger Allgemeinen für eine Rückkehr von Zuschauern in begrenztem Umfang ausgesprochen. "Die Bevölkerung versteht es nicht, wenn im Nahverkehr viele Menschen auf engem Raum unterwegs sein dürfen, aber ein Fußballspiel mit wenigen Zuschauern und großen Abständen nicht möglich sein soll", sagte Seehofer. "In einem Stadion mit 80 000 Plätzen kann man durchaus eine nennenswerte Anzahl von Zuschauern unterbringen und dabei alle Infektionsschutzregeln einhalten, wenn die Hygienekonzepte stimmen", sagte Seehofer.

Wie sieht das Konzept der DFL aus?

Die Deutsche Fußball-Liga hat einen Leitfaden veröffentlicht, der Anfang September den Klubs zur Abstimmung vorgelegt werden soll. Neu ist, dass sich das Test- und Hygienekonzept an drei Pandemie-Stufen (hoch, mittel, niedrig) orientiert. Die Einteilung folgt der Anzahl an Neuinfektionen pro Woche pro 100.000 Bürger im jeweiligen Landkreis der Klubs und den angrenzenden Landkreisen. Über 35 Neuinfektionen wäre "hoch", unter fünf wäre "niedrig", alles dazwischen "mittel". Bei einer mittleren oder niedrigen Infektionslage sollen Zuschauer denkbar sein.

Schon Anfang August hatte die DFL grundsätzliche Richtlinien vorgestellt, die bei einer möglichen Rückkehr greifen sollen. Demnach sollen keine Auswärtsfans erlaubt sein, keine Stehplätze besetzt werden dürfen, Alkohol soll verboten sein und die Tickets dürften nur personalisiert ausgegeben werden - um mögliche Infektionsketten nachzuverfolgen.

Gab es nach dem Lockdown schon Fußball-Spiele vor Zuschauern in Deutschland?

Ja. Beim sogenannten "Finaltag der Amateure", an dem die Landespokalendspiele ausgetragen wurden, deren Sieger sich für den DFB-Pokal qualifizieren. Die Regelung war aber nicht einheitlich, jede Behörde entschied anders. So saßen 1000 Zuschauer beim Sachsenpokalfinale zwischen Eilenburg und dem Chemnitzer FC, 500 Zuschauer beim Spiel um den Badischen Fußballpokal zwischen Nöttingen und Mannheim. Keine Zuschauer waren etwa bei den Endspielen des Saarlandpokals oder des Westfalenpokals zugelassen.

Wie sieht es in Europa aus?

Beim Uefa-Supercup zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla am 24. September in Budapest sollen bis zu 30 Prozent der 67 000 Plätze in der Puskás Aréna im ungarischen Budapest besetzt werden. Angeblich sollen Bayern-Fans 3000 Karten bekommen. Die Uefa will das Spiel als "Pilotprojekt" verstanden wissen.

In Frankreich ist die Ligue 1 wieder gestartet. Beim Auftaktspiel von Ex-Bayern-Trainer Niko Kovac mit der AS Monaco gegen Reims waren knapp 3000 Zuschauer im Stadion. Es gilt eine Obergrenze von 5000 Zuschauern. In England prüft die Politik eine Rückkehr. Beim Testspiel zwischen dem FC Chelsea und Brighton and Hove Albion am Samstag sollen 3000 Zuschauer erlaubt sein.

© SZ.de/chge
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