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Bundesliga:Zorc kontert Hoeneß

Borussia Dortmund - Michael Zorc

Michael Zorc.

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

Der Dortmunder Sportdirektor wehrt sich gegen den Vorwurf des ehemaligen Bayern-Präsidenten, dass die Transferpolitik des BVB "unklug" sei.

Erst die Attacke von Uli Hoeneß, dann der Gegenangriff von Michael Zorc: Die Transferpolitik von Borussia Dortmund hat zu einem Schlagabtausch zwischen dem Ehrenpräsidenten des FC Bayern und dem Sportdirektor des BVB geführt. Hoeneß, 68, warf dem Erzrivalen vor, "unklug" zu handeln. "Was mich stört: Wenn Dortmund einen hochtalentierten Spieler kauft und er gut spielt, kann man wenige Monate später entweder aus dem Klub selbst oder von außerhalb hören, dass er irgendwann ein Verkaufsobjekt darstellen wird", hatte Hoeneß im Interview mit der FAZ erklärt. Aber wie solle ein Spieler "die DNA eines Vereins hundertprozentig aufsaugen, wenn er das Gefühl hat, ein Verkaufsobjekt zu sein?" In München gebe es "das überhaupt nicht. Wir holen Spieler für Bayern München. Und niemals, um daraus Geschäfte zu machen".

Eine Einmischung, die Zorc, 57, sauer aufstieß: "Ich finde die Aussagen ziemlich arrogant, aber einiges ist auch sachlich de facto falsch", sagte er Sport1 und den Funke-Medien. "Grundsätzlich: Wenn man jedes Jahr 250 Millionen Euro mehr in der Tasche hat, lässt es sich mit vollen Hosen gut stinken." Uli Hoeneß sieht für Borussia durch deren Geschäftsmodell sogar Nachteile im Titelkampf. "Ich glaube, solange die Dortmunder dieses System nicht ändern, werden sie diese letzten zehn Prozent nicht kriegen, dass man in wichtigen Spielen die richtigen Leistungen bringt. Ein Spieler muss das Gefühl haben: Ich bin Bayern forever." Offenbar spielt Hoeneß darauf an, dass der BVB junge Spieler verpflichtet oder ausgebildet und sie dann teuer verkauft hat. Ousmane Dembélé etwa brachte 2017 beim Transfer zum FC Barcelona über 100 Millionen Euro ein, Christian Pulisic wechselte 2019 für 60 Millionen Euro Ablöse zum FC Chelsea.

Der BVB würde mit diesem Modell "sehr viel Geld" verdienen, "aber das bringt auch Unruhe", behauptete Hoeneß: "Der junge Bellingham wird jetzt gekauft, und warten Sie mal, wenn der gut spielt, wie schnell dann über Interesse von außen geredet wird. Ich würde das nicht so machen. Ich würde der Öffentlichkeit, aber auch meinen eigenen Leuten sagen: Das ist unser Spieler, und wenn der gut spielt, bleibt der. Auch wenn ich 100 Millionen kriege."

Immerhin stellte Hoeneß anerkennend fest, dass Dortmund den Anschluss halten konnte: "Im Sponsoring kommen sie an uns überhaupt nicht heran, aber damit haben sie unseren finanziellen Vorsprung ganz schön ausgeglichen." Der BVB mache das "sehr geschickt", sagte Hoeneß.

© SZ vom 04.08.2020 / sid

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