Max Kruse und der VfL Wolfsburg:Bleibt er? Geht er?

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Max Kruse und der VfL Wolfsburg: Zumindest mal wieder in der Startelf der Giftgrünen: Max Kruse beim Wolfsburger 0:2 in Leipzig.

Zumindest mal wieder in der Startelf der Giftgrünen: Max Kruse beim Wolfsburger 0:2 in Leipzig.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Max Kruse versteht sich nicht sonderlich gut mit VfL-Coach Niko Kovac - und würde offenbar gerne den Verein wechseln. Das Dauerthema sorgt für mehr Unruhe, als in Wolfsburg üblich ist.

Von Thomas Hürner

Auf der deutschen Fußball-Landkarte gilt der VfL Wolfsburg als seltene Insel, auf der jene Bedingungen herrschen, die theoretisch eine produktive Mannschaft hervorbringen könnten. Das liegt vor allem an zwei Erfolgsfaktoren, die in der Autostadt in ausreichender Menge vorhanden sind. Erstens: Geld. Zweitens: Ein höfliches Desinteresse der Öffentlichkeit an dem, was beim Werksklub vor und hinter den Kulissen so los ist.

Diese Formel hatte eine Weile Bestand, sie wurde nur 2009 mal kurz durchbrochen, als der VfL deutscher Meister wurde und der Trainer auch noch der für die Öffentlichkeit aufregende Felix Magath war. Nun, mehr als eine Dekade später, bringt aber ein anderer, nicht minder bekannter Mann die Wolfsburger Standortvorteile ein wenig durcheinander: Max Kruse, 34.

Der Angreifer, das hat er nie geleugnet, war auch deshalb im Januar zum VfL gewechselt, weil sich dort im Karriereherbst eben deutlich mehr Geld verdienen lässt als bei seinem vorherigen Arbeitgeber 1. FC Union Berlin. Allerdings - und das gehörte eher nicht zum ursprünglichen Beschaffungsplan - fabriziert diese Personalie momentan mehr Unruhe, als im geruhsamen Wolfsburg üblich ist. Spielt Kruse? Spielt er nicht? Bleibt er? Geht er?

Für den Trainer Kovac zählt Kollektivgeist, der Fußballer Kruse ist in erster Linie ein Solist

Zumindest der erste Fragenblock ließ sich am Samstag zu Kruses Wohlgefallen auflösen. Bei der 0:2-Auswärtsniederlage gegen RB Leipzig gewährte der neue Wolfsburger Trainer Niko Kovac dem Angreifer den ersten Startelfeinsatz der Saison - und ließ ihn, was noch überraschender war, die gesamte Spieldauer auf dem Rasen. Zu rechnen gewesen war damit nicht, denn die Ansichten von Fußball liegen bei Kruse und Kovac in etwa so nah beieinander wie die Weltanschauungen von Alt-68ern und Wolfgang Kubicki. Für den Trainer stehen ehrliche Wertarbeit und Kollektivgeist im Vordergrund, weshalb er wenig mit Solisten anfangen kann, die sich auch mal ein Kunstpäuschen gönnen, wenn sie es für nötig halten.

Der Solist Kruse schätzt hingegen auf dem Platz individuelle Freiheit und zeigte vor und während seiner Kurzeinsätze recht deutlich, dass er von der Spielidee des neuen Trainers nicht viel hält. Höfliches Desinteresse war da noch eine der zurückhaltenderen Ausdrucksformen. Im Spiel gegen Leipzig, das muss man dem Angreifer lassen, war nichts zu sehen von mangelnder Lauf-, Einsatz- oder Grätschbereitschaft. Kruse war vorne, hinten, links und rechts unterwegs, er schnappte sich Bälle, spielte sie artig und flott weiter, seine Kunstpausen nahm er sich weitgehend unbemerkt. Sogar beim Gegenpressing und Sprinten wurde er gesichtet. Das reichte zwar nicht, um der ausdruckslosen VfL-Offensive eine besondere Note zu verleihen. Aber dafür, dass der Trainer Kovac lieber keine Alleinunterhalter will, war das ein ordentlicher Aufritt. Nur: War das womöglich auch Kruses letztes Spiel für den VfL?

"Er ist Donnerstag noch da", kündigt der VfL-Sportchef Schmadtke mit Blick auf den Transferschluss an

Interessanterweise gehen dazu die Meinungen ausgerechnet unter den Beteiligten auseinander. "Wir werden sehen", sagte Kruse, der nach dem Spiel im Sky-Interview recht deutliche Wechselabsichten andeutete und überdies darauf hinwies, dass Medien "sowieso immer ein bisschen Futter" bräuchten, also überlasse er die "Interpretation einfach mal euch". Jörg Schmadtke, der Sportchef der auch nach vier Kovac-Spielen in der Bundesliga sieglosen Wolfsburger, ließ hingegen bei Kruse wenig Raum für Interpretationen: "Er ist Donnerstag noch da", kündigte Schmadtke mit Blick auf den Öffnungsschluss des sommerlichen Transferfensters an.

Dass Kruse Ende der Woche wirklich noch in Wolfsburg spielt, wird zu beweisen sein, fest steht schon mal: Mögliche Abnehmer bekämen dank Kruse nicht nur mehr Aufmerksamkeit. Sie müssten wohl auch ein Gehalt in der Größenordnung jener angeblich 3,8 Millionen Euro bezahlen, die Kruse zu einem der Top-Verdiener beim VfL machen.

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