Bundesliga Trainerfalle Wolfsburg

Bruno Labbadia soll mal wieder den "Feuerwehrmann" spielen, diesmal in Wolfsburg.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Bruno Labbadia ist beim VfL Wolfsburg nicht nur als "Feuerwehrmann" gefragt. Er muss auch seinen eigenen Ruf loswerden.

Kommentar von Philipp Selldorf

Wenn in der Bundesliga ein Trainer entlassen wird, dann gehört es zum Pflichtprogramm der Kritiker, die Vereine für ihre Treulosigkeit und Einfallslosigkeit zu geißeln, die betroffenen Fußball-Lehrer um ihr Los zu bedauern und schließlich resignierend festzustellen, dass die Trainer ja nun mal das "schwächste Glied in der Kette" seien. Am nächsten Tag hat der Kritiker dann die Aufgabe, die Namen potenzieller Nachfolger zu benennen, und zwar mit der niemals verkehrten Formulierung, sie seien beim Verein "im Gespräch" - wer sie eigentlich ins Gespräch gebracht hat, tut erst mal nichts zur Sache.

Sobald dann einer der genannten möglichen neuen Trainer erklärt, er stehe für den besagten Job nicht zur Verfügung, muss der Kritiker melden, der Mann habe dem Verein "abgesagt" - woraus zu folgern ist, dass im Verein nun "Chaos" herrsche. Im weiteren Verlauf der Trainersuche ist der Verein dann grundsätzlich als "Chaos-Klub" zu bezeichnen.

Labbadia war die nahe liegende Lösung

Beim VfL Wolfsburg herrschte am Dienstag ein Trainer-Chaos mit komödiantischen Zügen. Der VfL sah sich außerstande, für die umständehalber vom Vormittag auf den Nachmittag verschobene Übungsschicht der Profis einen Trainer zu benennen. Eine peinliche und symbolhafte Vakanz drohte, nachdem der bisherige Chefcoach Martin Schmidt am Montagabend ebenso ungebeten wie überraschend den Rücktritt eingereicht hatte. Das übliche Verfahren hatte er damit umgedreht. Nicht der Trainer war diesmal das schwächste Glied der Kette, sondern der Verein. Der VfL Wolfsburg war quasi gefeuert worden.

Noch bevor aber jemand den VfL zum Chaos-Klub ernennen konnte, wählte der Manager Olaf Rebbe die Notrufnummer 112 und bestellte Bruno Labbadia nach Wolfsburg. Man darf das fast als Coup bezeichnen: Seit der Scheidung vom Hamburger SV im September 2016 gab es in der Bundesliga rund zwei Dutzend Trainerwechsel, allein beim VfL Wolfsburg wurde drei Mal ein neuer Mann gebraucht (nach Dieter Hecking, nach Valérien Ismael, nach Andries Jonker). Wie oft Labbadia an den jeweiligen Schauplätzen als Nachfolger ins Gespräch gebracht wurde, das lässt sich nicht beziffern, es geschah jedenfalls so oft, dass es seinem Image geschadet hat.

Bruno Labbadia als "Feuerwehrmann" zu engagieren, war eine so naheliegende Lösung, dass die Vereine anfingen, misstrauisch zu werden und Abstand von ihm zu halten. Ein "Feuerwehrmann" kommt und geht, wenn es nicht mehr brennt - aber heutzutage muss dem Publikum eine sogenannte nachhaltige Lösung (auch dies ein unerlässlicher Standardbegriff) präsentiert werden.

Nun ist Labbadia wieder mit Blaulicht vorgefahren, denn in Wolfsburg brennt es heftig. Da sich der VfL einen gut besetzten Kader leisten kann, darf man dem erfahrenen Trainer zutrauen, das geschrumpfte Saisonziel Klassenverbleib ohne dramatische Effekte zu verwirklichen. Doch der VfL - reich ausgestattet, aber schwach geführt und in Zeiten des Misserfolgs besonders anfällig für Motivationsprobleme der Spieler - ist eine Trainerfalle, und Labbadia ist bereits stigmatisiert. Er muss also nicht nur zusehen, den Klub vor dem Abstieg zu retten, sondern auch seinen Ruf als Retter vom Dienst loszuwerden.

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