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Bundesliga:Wirbel um Frankfurter Dank an die leere Kurve

SV Darmstadt 98 - Eintracht Frankfurt

Frankfurts Spieler vor dem wegen Randalen gesperrten Eintracht-Block.

(Foto: Roland Holschneider/dpa)

Es dauerte nach dem Schlusspfiff nicht lange, da setzte sich der schwarz-rot gekleidete Pulk auch schon in Bewegung. Wer genau das Signal zum Aufbruch gab, ließ sich nicht mehr ermitteln, aber die Männer in diesem Pulk machten all das, was eine Auswärts-Mannschaft nach einem erfolgreichen Spiel halt so macht: Sie klatschten, sie umarmten sich - und dann steuerten sie mit ihren Jubelposen auf den Zuschauerblock zu, in dem normalerweise die Gäste-Fans sitzen.

Diese Siegeszeremonie der Eintracht aus Frankfurt war dann also der Moment, in dem sich die vielen unangenehmen Begleiterscheinungen rund um das glückliche 2:1 der Eintracht beim Hessenderby in Darmstadt auch auf dem Platz spiegelten.

Als da waren: der Ausschluss der Frankfurter Zuschauer durch den DFB wegen gravierender Ausschreitungen im Hinspiel, weswegen der Gästeblock leer blieb; das umstrittene, kurz vor dem Spiel zurückgenommene Innenstadt-Verbot für Eintracht-Fans durch die Stadt Darmstadt; die vielen Randale rund ums Spiel, bei denen zwar laut Polizei nichts Gravierendes passierte, es aber zu 530 Festnahmen kam; die Bierbecherwürfe durch Darmstädter Fans auf ein paar Frankfurter Anhänger, die sich übers Internet Karten für die Haupttribüne erworben hatten und sich bei einem Tor völlig angemessen freuten; die Vorgänge in der Nordkurve, die einige Eintracht-Fans trotz des Verbotes massiv stürmten und wo es kurz vor dem Abpfiff zu heftigen Schlägereien und Auseinandersetzungen mit der Polizei kam; und mittendrin also dieser merkwürdige Siegeszug der Frankfurter Mannschaft am leeren Block und der gestürmten Nordkurve vorbei.

Die Stadionregie bat die Spieler umgehend, aber zu spät, ihre "Provokation" zu unterlassen, und die Frankfurter selbst kommentierten diese Aktion im Anschluss sehr unterschiedlich. Linksverteidiger Bastian Oczipka etwa sagte: "Nein, das war keine Provokation, aber wir haben gesehen, dass da auch ein paar Eintracht-Fans waren, da war auch eine Fahne, bei diesen Fans haben wir uns auf jeden Fall bedankt." Finanzvorstand Axel Hellmann hingegen monierte die Aktion: "Das war nicht gut, ich kann auch nur sagen: Das tut mir leid." Er glaube, das sei ganz instinktiv so, bei einem siegreichen Team, das vom Spiel komme und sich über den Sieg freue - "aber auch vor dem Hintergrund des DFB-Urteils fand ich das eine Spur zu provokativ. Das muss man da nicht machen".

Der Instinkt war es also. Hellmann weiß, wie sehr die Verantwortlichen der Frankfurter aufpassen müssen. Die Eintracht steht nicht nur wegen der Vorkommnisse rund ums Hinspiel unter Beobachtung. Konkrete Folgen durch den DFB hat sie wegen des Kurvengangs nicht zu befürchten, aber zugleich dürften sich viele Verantwortliche im Fußball und in der Polizei ärgern. Es gehört zu deren Strategie, dass sie den harten Kern gewaltbereiter Fans auszugrenzen versuchen - wenn nun der Eindruck entsteht, dass diese nach Ausschluss und Stürmungsaktion noch den Dank der Mannschaft erhalten, ist das dieser Strategie nicht gerade förderlich.

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Am Abend kämpfen Bremen und Stuttgart noch um den Klassenerhalt. Doch dank André Hahn, Mats Hummels und Sandro Wagner stehen sie schon fest: die Schmerzbefreiten des Bundesliga-Spieltags.

Wegen dieses ganzen Drumherums konnte einem das Fußballspiel als solches fast schon leidtun. Denn es war eine unglaublich intensive Partie, die den Abstiegskampf so durcheinanderwirbelte, dass die Frankfurter seit Längerem mal wieder auf dem Relegationsplatz stehen und berechtigte Hoffnungen hegen - und die Darmstädter noch einmal zittern müssen. Dabei gab es einen vorzüglichen Beginn der Darmstädter mit dem verdienten 1:0 durch Mario Vrancic, einem verschossenen Elfmeter durch 98-Stürmer Sandro Wagner und einem zweiten, aber nicht geahndeten elfmeterwürdigen Foul im Frankfurter Strafraum.

In Durchgang zwei folgten dann eine plötzliche Verkehrung der Verhältnisse, ein wegen Abseits zu Unrecht nicht gegebenes Tor für Frankfurt, ein abgefälschtes Fernschusstor durch Makoto Hasebe zum 1:1-Ausgleich und der Siegtreffer durch den eingewechselten Stefan Aigner. Und in diesem Höhepunkt-Ticker sind noch lange nicht alle eindrücklichen Szenen der Partie enthalten.

"Wir leben wieder", so fasste es Frankfurts Torwart Lukas Hradecky zusammen, der an der Wiederbelebung zentralen Anteil hatte, weil er Wagners Elfmeter mit klarer Methode parierte: "Ich habe tief in seine Augen geschaut." Die Frankfurter sind deshalb jetzt zuversichtlich, weil sie binnen einer Woche zweimal schlecht begonnen haben und zweimal in hitzigen Derbys ein 0:1 in ein 2:1 gedreht haben (zuvor gegen Mainz) - auch wenn sie beide Male abgefälschte Schüsse für ein Tor benötigten.

Aufsteiger Darmstadt hat plötzlich nur noch zwei Punkte Puffer - doch der Trainer bleibt gelassen

Mehr Willensdemonstration geht freilich kaum. Trainer Niko Kovac, dem sie in Frankfurt bescheinigen, seit der Amtsübernahme im März vieles zum Guten gewendet zu haben, stellt genüsslich fest, dass seine Elf "es jetzt wieder selbst in der Hand hat"; unabhängig vom Ausgang des Montagsspiels Bremen gegen Stuttgart. Denn am letzten Spieltag reist Frankfurt zum großen Abstiegsfinale bei Werder. Der lange so famos aufspielende Aufsteiger Darmstadt hingegen hat nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, gibt sich aber gelassen: "Es hat sich an der Grundkonstellation nichts geändert. Wir stehen immer noch über dem Strich", betont Trainer Dirk Schuster.

Kurz nach dem Spiel saß Frankfurt-Trainer Kovac im engen Pressekabuff und sagte: "Ich würde mir wünschen, dass wir es beide schaffen und in der Bundesliga bleiben." Das war zwar einerseits angemessen sportlich und respektvoll. Aber andererseits konnte sich dem neutralen Beobachter an diesem Wochenende aufdrängen, dass das vielleicht doch nicht so eine gute Vorstellung ist, wenn diese beiden Mannschaften in einer Liga vertreten sind.

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