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Bundesliga:Die ganze Stadt schloss sich den Choreographien an

Werder Bremen hatte von 14 gewöhnlichen Heimspielen dieser Saison gerade mal eines gewonnen. Große Geduld trug die Zuschauer von einer Enttäuschung zur nächsten, und immer wieder waren sie zwei Wochen später wieder im Weserstadion.

Als es aber nicht mehr wegzuleugnen war, dass es diesmal für den zweitbesten Klub der Bundesliga-Geschichte ums Überleben gehen würde, als die Bremer zu spüren begannen, wie sich womöglich die Erzfeinde aus Hamburg in den letzten beiden Jahren gefühlt haben dürften, da schalteten sie um auf alles oder nichts: "Greenwhitewonderwall" , "Mors hoch", "ThisisOsterdeich", das letzte Motto angelehnt an das Spalier aus Menschen, das den Mannschaftsbus nun stets an der letzten Zufahrtsstraße vor dem Stadion empfing: die ganze Stadt schloss sich den Choreographien an, die sich die leidenschaftlichsten unter den Fans ausgedacht hatten. Brücken, Hochhausfassaden, Pizzabeläge - alles war grün-weiß verziert. Ihr aller Lohn: drei Siege ihrer Mannschaft in den drei letzten Heimspielen.

Mehr als nur Soundkulisse für Sky

In Bremen dürfte die Distanz zwischen dem Profifußball und dem Publikum wieder etwas kleiner geworden sein. Es war eine hansestädtische Variante des Sommermärchens, das Deutschland 2006 erlebte, eine auch in der Stadt identitätsstiftende Zeit des gemeinsamen Weges. So etwas ist selten geworden im Fußball. Im Fußball fühlen sich Fans bisweilen wie Wähler in der Politik: Es ist egal, was sie wollen, gemacht wird etwas anders. Die Bremer haben nun erfahren, dass sie mehr sind als die Sound-Kulisse für die Sky-Übertragung. Sie haben etwas bewirkt.

Andersherum ist die Bremer Vereinsführung nun besonders in der Pflicht, trotz ergebnis-geschuldeter Euphorie mit den richtigen Entscheidungen dafür zu sorgen, dass die Stadt Bremen wieder das Werder Bremen bekommt, das sie verdient. Und wenn dann keiner mehr in die Vorgärten pinkelt, könnte die Zukunft an der Weser ganz okay aussehen.

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