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Werder Bremen:Erstes Spiel, erster Warnschuss

GER, SV Werder Bremen vs Hertha BSC Berlin / 19.09.2020, wohninvest Weserstadion, Bremen, GER, SV Werder Bremen vs Hert

Ein enttäuschter Ludwig Augustinsson nach der 1:4-Niederlage gegen die Hertha.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Werder Bremen ist eng verbunden mit seinem Publikum. Gegen Hertha sind wieder Zuschauer im Weserstadion - beim 1:4 können jedoch auch sie die Mängel nicht übertönen.

Von Thomas Hürner, Bremen

Als wollten sie gemeinsam festhalten, dass an diesem Samstagnachmittag etwas sein würde an der Weser. "Wer sind wir?", brüllte Stadionsprecher Christian Stoll dem Publikum entgegen, die Antwort war jedes Mal erwartbar: "Werder! Werder! Werder!", tönte es aus 8500 Kehlen, donnernder Applaus, Stoll bedankte sich bei den auserwählten Rückkehrern im Bremer Stadion. Ja, es knisterte vor dem Saisonstart gegen Hertha BSC, die Geisterspiele wurde mit alten Ritualen kollektiv für beendet erklärt.

Ein leeres Stadion in Bremen ist eigentlich nichts anderes als ein leeres Stadion an allen anderen Bundesliga-Standorten, aber in Bremen sind Verein und Stadt in einer ganz besonderen Weise miteinander verbunden. Es gibt nicht wenige die glauben, dass auch die fehlende Stimmung ein Faktor für Werders schlimme vergangene Saison war, die in Relegationsspielen gegen Heidenheim gerade noch gerettet werden konnte.

Das waren die vielleicht bittersten Erkenntnisse bei der 1:4-Heimniederlage gegen Berlin: Stimmung bringt allein noch keine Erfolge, so erfrischend sie nach der Monotonie der vergangenen Monate für viele auch gewesen sein mag. Und Stimmung ist selbst in Bremen fragil, sie kann nur kurzfristig über Mängel hinwegtäuschen, völlig egal wie oft zuvor Einheit beschworen wurde. "Ein schönes Erlebnis" war die Atmosphäre für Werder-Trainer Florian Kohfeldt trotzdem, "es war anders, es war toll, weil man es so lange nicht hatte." Was überwog, war trotzdem "eine große Enttäuschung", wie Kohfeldt sagte.

Werder beginnt voller Esprit

Anhand des Publikums ließ sich die Dramaturgie der Partie ablesen, besser: abhören. Werder begann spritzig, mutig, voller Esprit, was auch für die Zuschauer galt, gemeinsam bliesen sie zur Attacke. Hertha kontrollierte zwar den Ball, doch Gefahr ging zunächst von Bremen aus, vor allem durch schnellen Konter über außen. "Wir hatten die Möglichkeit, das Spiel an uns zu reißen", bilanzierte Kohfeldt. Nur: Zuschauer und Mannschaft konnten das Tempo nicht halten, Berlin gewann mit zunehmender Spieldauer die Oberhand, in der 18. Minute köpfte Stürmer Krzysztof Piatek an die Latte. Durchatmen im Weserstadion.

Womit man schon bei individueller Klasse wäre: Piatek hat 23 Millionen Euro gekostet, sein Sturmpartner Dodi Lukebakio 20 Millionen, der feingeistige und samtfüßige Matheus Cunha 18 Millionen. Letzterer darf sogar noch als richtiges Schnäppchen angesehen werden, so locker wie der Brasilianer wieder durch die gegnerischen Reihen tänzelte, den Kopf immer oben für den tödlichen Pass. Und Bremen? Versucht gerade in Angreifer Milot Rashica seinen wohl talentiertesten Fußballer zu verkaufen, es muss dringend Geld eingenommen werden. Gegen Hertha stand Rashica wegen einer Blessur nicht im Kader.

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