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Werder Bremen:Im Weserstadion hat Bremen Enttäuschung an Enttäuschung gereiht

Und jetzt also wieder Eintracht Frankfurt, wieder ein Spiel auf dem schmalen Grat zwischen großer Vergangenheit und ungewissen Zukunft. Die Frankfurter haben sich mit dem unerwarteten Sieg beim VfL Wolfsburg am Samstag etwas Luft verschafft, eine Niederlage in Bremen würde auch sie wieder tief in den Abstiegskampf ziehen. Für die Bremer aber ist es ein klassisches Alles-oder-nichts-Spiel. "All out", verlangt Kohfeldt, "es geht nicht anders." Nur drei Punkte versetzen seine Elf in die Lage, den direkten Abstiegsplatz 17 zu verlassen und den weiteren Verlauf der Saison noch selbst bestimmen zu können. Sieben Punkte aus den drei vergangenen Spielen haben diesen Luxus immerhin wieder möglich gemacht.

Die Abwesenheit von allem, was Fußball in solch extremer Zuspitzung erinnerungswürdig macht, kann für Werder diesmal sogar von Vorteil sein. Denn wie groß die Bereitschaft des Publikums wäre, der Mannschaft erneut eine ähnlich miserable Saison wie vor vier Jahren nachzusehen, ist ungewiss. Gerade im Weserstadion hat Werder ja zuverlässig Enttäuschung an Enttäuschung gereiht. Nur ein Sieg und lediglich sechs Punkte daheim: Das ist die mit Abstand schwächste Bilanz aller Klubs.

Sich auf nichts anderes mehr verlassen zu können als auf sich selbst, dürfte Trainer Kohfeldt geholfen haben, seine Mannschaft in jenen "Tunnel" zu schicken, den er seit drei Spielen mantraartig beschwört. Drei Spiele lang hat Werder kein Gegentor mehr bekommen, die beste defensive Serie seit sechs Jahren. Und zwei Tore reichten für zwei Siege, beide schoss Leonardo Bittencourt - ausgerechnet Bittencourt, möchte man sagen, denn der aus Hoffenheim geliehene Dribbler ist einer jener Spieler, die extrem vom Publikum leben. Seinem Spiel wohnt eine große Theatralik inne. Ob er alleine aufs Tor zuläuft oder gefoult wird: Es ist immer die ganz große Gefühlswelt auf dem Rasen, gerne auch mal einen Tick zu viel. Dass er es war, der den zähen Kampf in Freiburg entschied und in die Stille der Gelsenkirchener Arena hinein ein traumhaft schönes Tor schoss, kann als Beleg dafür gelten, dass die Bremer den Ernst der Lage erkannt haben.

Bittencourt, auf Schalke verletzt ausgewechselt, ist rechtzeitig genesen für das Spiel gegen Frankfurt, wenn es im Nichts des Weserstadions mal wieder um alles geht.

© SZ vom 03.06.2020/tbr
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