Bundesliga-Vorschau: 1. Spieltag:Raúl schlägt Ruud - oder umgekehrt

Warum der FC Bayern gegen Wolfsburg 4:4 spielt, Hannover gegen Frankfurt gewinnt oder auch nicht und José Mourinho gleich mehreren Klubs den Auftakt vermiesen könnte. Die sueddeutsche.de-Chancen-Analyse zum Startspieltag.

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Bayern Muenchen v Real Madrid - Beckenbauer Farewell Match

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Bayern München - VfL Wolfsburg (Freitag, 20.30)

Das spricht für Bayern München: Ein selbstsicherer Trainer des Jahres Louis van Gaal ("Nur eine Mannschaft in Deutschland wird immer gejagt. Und das ist Bayern München"), ein selbstsicherer Kapitän Mark van Bommel, ein selbstsicherer Ko-Kapitän Philipp Lahm, ein selbstsicherer Ko-Kapitän-Vertreter Bastian Schweinsteiger und überhaupt diese ganze unglaubliche Selbstsicherheit des FC Bayern München.

Das spricht für Wolfsburg: Bei einem Ausfall von Bayerns Kapitän Mark van Bommel (muskuläre Probleme) spielt möglicherweise der Wackelkandidat Danijel Pranjic von Anfang an. Bayerns Arjen Robben plagt ein Loch im Muskel, während Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller pünktlich zum Saisonauftakt in das WM-Loch fallen. Außerdem möchte Wolfsburgs Mittelfeldspieler Zvjezdan Misimovic bei seinem möglicherweise letzten Spiel vor einem Wechsel zu Schalke 04 noch einmal dort auftrumpfen, wo er das Fußballspielen lernte: in München.

1. FC Köln vs Sampdoria Genua

Quelle: action press

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1. FC Köln - 1. FC Kaiserslautern (Samstag, 15.30)

Das spricht für Köln: Winston Churchill (nicht im Bild). Die Kölner dürfen nicht an ihre verheerende Bilanz gegen die Pfälzer denken (um den Kölner Fans die grausamen Einzelheiten zu ersparen, sind diese unten im Kaiserslautern-Absatz aufgeführt). Sie müssen sich per Autosuggestion immer wieder einimpfen, was Churchill einmal gesagt haben soll: Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Außerdem: Taner Yalcin ist gut in Schuss und Lukas Podolski (im Bild) hat sich bei der WM daran erinnert, dass er gut schießen kann - solange er den linken Fuß dafür benutzt. Vielleicht schaffen es die Kölner ja, seine WM-Form zu konservieren. Sie könnten zum Beispiel Matze Knop verpflichten, damit der in der Halbzeit eine Ansprache hält. In der Rolle von Jogi Löw natürlich. Oder in der von Churchill.

Das spricht für Kaiserslautern: Eine Statistik, die jedem Pfälzer Fan die Freudentränen in die Augen treibt: Kaiserslautern hat keines der letzten 22 Spiele gegen Köln verloren (17 Siege, fünf Unentschieden). Um dem Ganzen das statistische Sahnehäubchen aufzusetzen: Köln verlor die letzten drei Saisonauftaktspiele.

DFB-Pokal -  FC Oberneuland - SC Freiburg

Quelle: dpa

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SC Freiburg - FC St. Pauli (Samstag, 15.30)

Das spricht für Freiburg: Die erste Pokalrunde. St. Pauli verlor mit 0:1 - und zwar gegen den Chemnitzer FC, einen Viertligisten. Außerdem: Den Freiburger Verteidigern gelang es im Pokalspiel gegen den FC Oberneuland, einen altbekannten und stets gefürchteten Stürmer namens Ailton auszuschalten. Respekt. Weitere Argumente: Gerald Asamoah, Charles Takyi, Thomas Kessler und Moritz Volz - diese Sanktpaulianer fallen allesamt verletzt aus.

Das spricht für St. Pauli: Die erste Pokalrunde. Und einige Testspiele. Im Pokal tat sich Freiburg sehr schwer gegen den FC Oberneuland. Immerhin machte Papis Cissé (im Bild), der in dieser Saison wohl Alleinunterhalter im Freiburger Sturm spielen wird, ein Tor. Und sonst niemand - wo wir beim Kern des angefaulten Apfels wären: Freiburg hat in der Offensive Cissé - und sonst niemanden, der so etwas wie Torgefahr ausstrahlt. Außerdem: In Testspielen verlor Freiburg 1:3 gegen den FC Basel, was mal passieren kann, und 1:4 gegen den FSV Frankfurt, was einem Bundesligisten nicht passieren sollte. Weitere Argumente: Ömer Toprak, Johannes Flum, Zvonko Pamic und vielleicht auch Papis Cissé, Heiko Butscher und Jan Rosenthal - denn diese Freiburger fallen alle aus oder sind angeschlagen.

DFB-Pokal: FC Hansa Rostock - TSG 1899 Hoffenheim

Quelle: ddp

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1899 Hoffenheim - Werder Bremen (Samstag, 15.30)

Das spricht für Hoffenheim: Jose Mourinho. Denn der schwächte Bremen, indem er Mesut Özil zu Real Madrid holte. Außerdem: Im Vergleich der neuen, jungen Sturm-Supertalente liegt derzeit Hoffenheims Peniel Mlapa (im Bild, rechts neben Demba Ba) deutlich vor Bremens Marko Arnautovic. Mlapa machte in seinem ersten Pflichtspiel gleich ein Tor, Arnautovic (von Bild unlängst zum "Null-Bock-Ösi" geadelt) machte Mätzchen und drehte im Trainingslager Strafrunden.

Das spricht für Bremen: Natürlich das 3:1 gegen Sampdoria Genua in der Champions-League-Qualifikation. Außerdem: Jose Mourinho. Denn der holte Özil zu Real Madrid und setzte damit denselben Mechanismus in Gang, den Kevin-Prince Boateng vor der WM in der deutschen Nationalmannschaft in Gang gesetzt hat, indem er Ballack umtrat: Wenn der wichtigste Spieler auf einmal weg ist, kann das entstandene Loch mit einer Jetzt-erst-recht-Mentalität gestopft werden. Andere Spieler springen in die Bresche und lernen, mit Verantwortung und Druck umzugehen, sie können sich entwickeln, da man auf sie baut. Und/oder man holt halt noch einen Brasilianer.

Borussia M'gladbach v 1. FC Nuernberg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images (Archivbild)

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Borussia Mönchengladbach - FC Nürnberg (Samstag, 15.30 Uhr)

Das spricht für Mönchengladbach: Der 1. FC Nürnberg bangt um den Einsatz von Torwart Raphael Schäfer (im Bild) und die Borussia baut auf Igor de Camargo, der für vier Millionen Euro von Standard Lüttich kam. Außerdem: "Der Club ist ein Depp." (fränkischer Volksmund) Und: Wer soll bei den Nürnbergern außer Albert Bunjaku Tore schießen? Etwa Christian Eigler? Mintal? Eher dürfte Gladbachs Verteidigung um Dante, Brouwers & Co. wohl einen gemütlichen, niederrheinischen Spätsommernachmittag verbringen.

Das spricht für Nürnberg: Borussia Mönchengladbach bangt um den Einsatz von Torwart Logan Bailly. Außerdem: Seit den zwei Siegen in der Relegation gegen Augsburg ist der 1. FC Nürnberg kein Depp mehr. Zumindest vorübergehend. Und: Angelos Charisteas hat die Franken verlassen - explodiert die "Club"-Offensive doch noch? Außerdem ist allen Nürnbergern längst klar, dass der neue Mesut Özil beim FCN spielt. Er heißt Ilkay Gündogan und noch weiß Mourinho glücklicherweise nichts von ihm.

Eintracht Frankfurt v Chelsea - Pre-Season Friendly

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Hannover 96 - Eintracht Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr)

Das spricht für Hannover 96: Die völlig unberechenbaren Hannoveraner können unglaublich guten Fußball spielen. Allein in den zwei letzten Spielen der vergangenen Saison gegen Bochum (3:0) und Mönchengladbach (6:1) gelangen den 96ern neun Tore. Und durch Mohammed Abdellaoue, der für mehr als eine Million Euro von Vålerenga Oslo nach Hannover kam und den neuen Sturmpartner Didier Ya Konan bereits aus dessen Zeit bei Rosenborg Trondheim kennt, haben die Niedersachsen noch mehr Optionen in der Offensive. Außerdem will Hannover die Pokal-Blamage gegen den Viertligisten Elversberg ausmerzen.

Das spricht für Eintracht Frankfurt: Die völlig unberechenbaren Hannoveraner können unglaublich schlechten Fußball spielen. Allein in den zwei Spielen gegen Leverkusen (0:3) und Bayern (0:7) im Endspurt der vergangenen Saison kassierte das Team von Mirko Slomka zehn Tore und blamierte sich zuletzt im Pokal gegen Elversberg. Eintracht Frankfurt hat zwar den Griechen Nikos Liberopoulos zu AEK Athen ziehen lassen, dafür aber Georgios Tzavellas und Theofanis Gekas (im Bild) geholt, die beide wunderbar befreit aufspielen werden: Tzavellas kommt vom Mini-Klub Athens namens Panionios, Gekas war an Hertha BSC Berlin ausgeliehen.

Torgelower SV Greif v Hamburger SV - DFB Cup

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Hamburger SV - Schalke 04 (Samstag, 18.30 Uhr)

Das spricht für Hamburg: Ruud van Nistelrooy (im Bild) läuft als ehemaliger Spieler von Real Madrid und sanft alternder Weltstar gegen seinen ehemaligen Teamkollegen Raúl noch einmal zu großer Form auf. Schalke konnte zudem keines der beiden Spiele aus der vergangenen Saison gegen Hamburg gewinnen (2:2 und 3:3). Der Hamburger SV seinerseits verlor letztmals vor sechs Jahren ein Auftaktspiel.

Das spricht für Schalke: Raúl läuft als ehemaliger Spieler von Real Madrid und sanft alternder Weltstar gegen seinen ehemaligen Teamkollegen Nistelrooy noch einmal zu großer Form auf. Hamburg konnte keines der beiden Spiele aus der vergangenen Saison gegen Schalke gewinnen (2:2 und 3:3). Schalke seinerseits verlor letztmals vor sechs Jahren ein Auftaktspiel.

Das spricht für einen Platzverweis: In keinem anderen Stadion wurden Schalker Spieler so häufig - nämlich acht Mal - vorzeitig zum Duschen geschickt wie in Hamburg.

1. FSV Mainz 05 - FC Malaga

Quelle: dpa

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1. FSV Mainz 05 - VFB Stuttgart (Sonntag, 15.30)

Das spricht für Mainz: Lewis Holtby (links im Bild). Der 19-Jährige ist von Schalke ausgeliehen und machte in der ersten Pokalrunde zwei Tore. Zwar hieß der Gegner nur Berliner AK 07 und kam aus der fünften Liga, aber immerhin. Außerdem: Jose Mourinho. Denn der schwächte Stuttgart, indem er Sami Khedira zu Real Madrid holte.

Das spricht für Stuttgart: Aristide Bancé. Den hätten die Mainzer nie in die Wüste geschickt - doch er entschied sich freiwillig, dorthin zu gehen. Vor ein paar Tagen wechselte er zum Al Ahli FC nach Dubai. Nun gleicht der Mainzer Sturm einer Wundertüte: Vielleicht schaffen der aus dem grünen Fürth gekommene Sami Allgui, Neuzugang Morten Rasmussen oder die hochveranlagten André Schürrle und Adam Szalai den Durchbruch - vielleicht auch nicht. Außerdem: Der eigene Stürmer ist nirgendwohin gegangen und gut drauf. Beim Stuttgarter Pokalsieg über Babelsberg schoss Cacau zwei Tore.

Borussia Dortmund - Manchester City

Quelle: ddp

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Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen (Sonntag, 17.30)

Das spricht für Dortmund: Wo anfangen? Man könnte hinten, mit Roman Weidenfeller beginnen, neun weitere Namen aufzählen, um dann vorne, mit Lucas Barrios zu enden. Dortmunds Mannschaft ist jung, talentiert, entwicklungsfähig. In der Vorbereitung fielen zwei Spieler besonders auf: Shinji Kagawa (im Bild), 21 Jahre alt und Mario Götze, 18 Jahre alt. Kagawa kam zwar aus Japan und nicht aus Tschechien, wird in Dortmund aber schon als neuer Tomáš Rosický gefeiert. Trainer Klopp nannte seine Spielweise "sensationell". Mario Götze kann auf fast allen Mittelfeld-Positionen spielen - und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer nannte ihn "eines der größten Talente, das wir je hatten". Außerdem: Dortmund hat - wie bei jedem Heimspiel - den zwölften und vielleicht sogar den dreizehnten Mann hinter sich. Vor dieser Saison wurde ein Rekord vermeldet: 51.200 verkaufte Dauerkarten.

Das spricht für Leverkusen: Wo anfangen? Man könnte hinten, mit René Adler beginnen und anschließend viele weitere Namen aufzählen. Leverkusens Mannschaft ist jung, talentiert, aufstrebend. Und sie wurde mit dem vermeintlichen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft verstärkt. Michael Ballack wird wohl auch in der Bayer-Elf ein Leitwolf werden. Außerdem: Mit dem genesenen Patrick Helmes kam ein interner Neuzugang, mit Sidney Sam der beste Mittelfeldspieler der vergangenen Zweitligasaison. Weitere Argumente: Trainer Jupp Heynckes verlor nur zwei von 15 Gastspielen beim BVB - und gegen keine andere Mannschaft feierte er mehr Auswärtssiege.

© sueddeutsche.de/dop/dabi/jbe
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