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Bundesliga: VfB Stuttgart:VfB entlässt Markus Babbel

Fanproteste, Bochumer Ausgleichstreffer in letzter Minute, Platz 16: Nach einem schlimmen Samstag trennt sich der VfB von Teamchef Babbel. Der Neue soll schon in Stuttgart sein.

Der VfB Stuttgart hat sich von seinem Teamchef Markus Babbel getrennt. Der Aufsichtsrat hat sich am Sonntagvormittag mehrheitlich für eine Trennung mit Babbel ausgesprochen. Babbel hatte den schwäbischen Verein am 23. November 2008 als Nachfolger von Meistertrainer Armin Veh übernommen und die Stuttgarter von Platz zehn noch in die Champions League geführt. In dieser Saison blieb der sportliche Erfolg allerdings aus: Seit nunmehr acht Spielen ist der VfB in der Bundesliga sieglos, derzeit rangiert der Klub auf Rang 16.

Wohl entlassen in Stuttgart: Markus Babbel.

(Foto: Foto: ddp)

Der Verein bestätigte das am Sonntagmittag auf Anfrage noch nicht. Er verwies nur auf eine geplante Pressekonferenz um 18 Uhr. Das Training am Sonntagvormittag war abgesagt worden. Das nächste Training wird dann wohl von einem Schweizer geleitet: Christian Gross soll auf dem Weg nach Stuttgart sein und bereits während der Pressekonferenz vorgestellt werden. Der 55-jährige Trainer gewann mit Grasshopper Zürich und dem FC Basel sechs Schweizer Meistertitel.

Das Heimspiel am Samstag gegen den VfL Bochum hatte die Stimmung in den Gremien zum Kippen gebracht. Die Stuttgarter Zeitung berichtet, dass Babbel schon kurz nach dem deprimierenden 1:1 an Sportdirektor Horst Heldt gewandt und seinen Rücktritt angeboten hatte: "Horst es geht nicht mehr." Heldt habe ihn gebeten, die Nachricht für sich zu behalten. Kurz darauf sei Babbel, seine Assistenten Rainer Widmayer und Alexander Zorniger bei Präsident Erwin Staudt gesessen.

Noch unter dem Eindruck des 0:4 eine Woche zuvor in Leverkusen hatten schon vor der Begegnung etwa 100 Anhänger die Zufahrt des Mannschaftsbusses ins Stadion demonstriert. Sie entzündeten ein bengalisches Feuer und ließen das Team erst nach dem Einschreiten der Polizei weiterfahren. Die Stimmung war explosiv, Babbel sagte später: "Ich war hochgradig erregt. Das war beängstigend. Das hat die Mannschaft sehr verunsichert, gerade die vielen jungen Spieler."

Im Stadion setzten sich die Unmutsäußerungen der Zuschauer fort. In der Cannstatter Kurve, wo die lautstarken Fans stehen, zeigten die Anhänger ein schwarz-weißes Plakat mit der Aufschrift: "Euer Kredit ist verspielt." Die VfB-Spieler zeigten anschließend ein Spiel ohne Mut und Selbstvertrauen und wurden von den Zuschauer bisweilen gnadenlos ausgepfiffen. "Die Stimmung im Stadion hat zur Verunsicherung beigetragen", meinte Babbel. Allein der Führungstreffer von Serdar Tasci nach 63 Minuten beruhigte die Gemüter kurzzeitig.

Doch obwohl der Bochumer Diego Klimowicz Gelb-Rot sah, drängte Bochum am Ende auf den Ausgleich. Und als Christian Fuchs eine Minute vor Schluss einen Freistoß aus 20 Metern unter die Latte zirkelte zum 1:1, eskalierte die Atmosphäre. Bis zu 3000 Anhänger belagerten nach dem Spiel das Verwaltungsgebäude des Vereins am Stadioneingang. Nach Angaben der Polizei versuchten sogar mehrere hundert, das Vereinsheim zu stürmen. Sie schrien immer wieder "Wir haben die Schnauze voll", einige zündeten Knallkörper. Insgesamt wurden dabei zwei Beamte verletzt und drei Fans festgenommen, die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Babbel sagte nach dem Spiel in mehreren Fernsehsendern: "Die Enttäuschung ist sehr sehr groß, auch bei mir. Jetzt muss man mir auch gestatten, das Ganze erst einmal sacken zu lassen." Otto Rehhagel habe mal gesagt, dass man Entscheidungen nie aus der Emotion heraus treffen dürfe, sondern das erst einmal verarbeiten müsse. "Diese Zeit nehme ich mir auch", sagte Babbel.

Seit Wochen war die Stuttgarter Klubführung gespalten, ob Babbel trotz des schlechten Saisonverlaufs noch der richtige Übungsleiter sei. Außerdem steht die Mannschaft am Mittwoch vor dem entscheidenden Spiel in der Champions-League-Gruppenphase gegen den rumänischen Verein Unirea Urziceni: Mit einem Sieg qualifiziert sich der VfB für das Achtelfinale und kann für eine schöne Zusatzeinnahme sorgen.

Unter Babbel hatte der VfB zuletzt die beste Rückrunde seiner Klubgeschichte gespielt, in der Bundesliga Rang drei belegt und nach den zwei Qualifikationsspielen gegen den FC Timisoara aus Rumänien die Champions League erreicht. Danach gab es zwischen den DFB und Stuttgart eine Debatte, weil Babbel noch nicht den erforderlichen Trainerschein für die erste Bundesliga besitzt. Der 37-Jährige macht den Schein derzeit nach und fehlte deshalb zu Saisonbeginn häufig auf dem Trainingsplatz des VfB.

Noch Mitte der vergangenen Woche hatte die Klubführung Babbel bis zur Winterpause ihr Vertrauen ausgesprochen, stattdessen wurde Thomas Hitzlsperger als Kapitän abgesetzt. Jetzt ist Babbel weg und Christian Gross muss schnell eine neue Hierarchie in der Mannschaft finden.

© dpa/sid/sueddeutsche.de/hum
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