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Bundesliga: VfB Stuttgart:Verein für Bewegungslosigkeit

Welche Liga, welcher Trainer, welcher Präsident? Beim VfB Stuttgart würden alle gerne was tun, aber niemand weiß genau, was. Im Verein ist mehr blockiert als nur die Mannschaft.

Jürgen Sundermann war nicht im Presseraum am vergangenen Samstag, nach dem Spiel gegen Kaiserslautern. Das war erstaunlich, denn normalerweise erscheint er dort so verlässlich wie der Mediendirektor, der die Pressekonferenz moderiert. Manchmal ist es sogar so, dass um Sundermann herum eine Art Gegenpressekonferenz entsteht, es scharen sich dann einige VfB-Journalisten um ihn, von denen er die meisten schon von früher kennt.

VfB Stuttgart - 1. FC Kaiserslautern 2:4

Verzweifelt an der Seitenlinie: Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia.

(Foto: dpa)

Sundermann sagt meistens das Gleiche: dass er diese Leistung auch nicht verstehen könne, dass die Mannschaft offenbar verunsichert sei. Es liegt nicht an Sundermann, dass er sich ständig wiederholt. Es liegt an der Mannschaft, die so spielt, dass man immer das Gleiche sagen muss.

Jürgen Sundermann, 71, ist immer noch ein Held in der Stadt, aber im Moment sehen sie ihn nicht so gern. Sie müssen dann immer an die zweite Liga denken. In dieser Liga wurde Sundermann zum Wundermann, er führte den Klub 1977 aus der zweiten Liga zurück in die erste und gleich in den Uefa-Cup. Er formte Spieler ("entwickeln" sagte damals noch niemand) wie Hansi Müller, Karlheinz Förster oder Karl Allgöwer. Schöne Zeiten waren das. Aber zurückhaben möchte sie lieber niemand beim VfB.

In Stuttgart wissen sie, dass die zweite Liga nur vereinshistorisch zur Verklärung taugt. In der Gegenwart wäre ein Abstieg eine schwere Heimsuchung für den VfB. Fredi Bobic, der Klubmanager, ist ein alter VfBler, er stand zu Sundermanns Zeiten als Kind in der Fankurve, er könnte viel erzählen über die katastrophalen Auswirkungen eines Abstiegs. Allein: Er darf das nicht.

Er muss Sätze sagen, die so klingen, als sei er vom Klassenerhalt überzeugt. In Wahrheit zweifeln sie längst wieder, das 2:4 gegen Kaiserslautern haben die Bosse fassungslos zur Kenntnis genommen. "Nach unserer 2:1-Führung konnten wir reinrufen, wie wir wollten", sagt Bobic, "wir haben keinen mehr erreicht." Die Mannschaft, überfordert von der plötzlichen Aussicht auf Rettung, wehrte sich nicht mehr.

Eine rätselhafte Lähmung hat den VfB vor dem Spiel in Köln befallen, auf allen Ebenen. Aus dem "Verein für Bewegungsspiele" ist ein Verein für Bewegungslosigkeit geworden. Alle würden gerne was tun, aber niemand weiß genau, was. Sie müssen die Spieler kritisieren, aber nicht zu sehr, weil sie diese Spieler im Abstiegskampf noch brauchen. Sie müssen sie loben, aber sie wissen nicht recht, wofür. Und sie müssen für beide Ligen planen - aber niemand weiß, ob die jetzt verantwortlichen Planer auch künftig noch etwas zu sagen haben werden im Klub.

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