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Bundesliga: VfB Stuttgart:Neuer VfB-Trainer: Christian Gross

Der 55-jährige Schweizer soll die Saison für den VfB Stuttgart retten. Vorgänger Babbel ist schockiert von Fan-Randalen und wirft dem Fußball-Geschäft Heuchelei vor.

Schon eine Stunde nach der vollzogenen Trennung von Markus Babbel hat der VfB Stuttgart einen neuen Trainer präsentiert: Der Schweizer Christian Gross soll die Saison der Schwaben retten und wird bereits am Montag das Training leiten. Der erste Auftrag für den 55-Jährigen ist auch gleich ein wichtiger: ein Erfolg am Mittwoch gegen Unirea Urziceni und den Einzug ins Achtelfinale der Champions League. "Ich freue mich, hier zu sein und will mit der Mannschaft auf die Siegerstraße zurück. Es ist sehr wichtig, sofort mit der Arbeit zu beginnen. Es gilt zu retten, was zu retten ist", sagte Gross am Sonntagabend bei seiner Vorstellung.

Neuer Trainer in Stuttgart: Der Schweizer Christian Gross hat ab sofort das Sagen beim VfB.

(Foto: Foto: Getty)

Zuvor hatte der VfB sich von Teamchef Babbel getrennt. Der Aufsichtsrat hatte sich am Sonntagvormittag mehrheitlich für eine Trennung mit Babbel ausgesprochen. Babbel hatte den schwäbischen Verein am 23. November 2008 als Nachfolger von Meistertrainer Armin Veh übernommen und die Stuttgarter von Platz zehn noch in die Champions League geführt. In dieser Saison blieb der sportliche Erfolg allerdings aus: Seit nunmehr acht Spielen ist der VfB in der Bundesliga sieglos, derzeit rangiert der Klub auf Rang 16.

Babbel verabschiedete sich in einer emotionalen Pressekonferenz vom Verein. Vor allem die wüsten Szenen am Samstag rund um das Bundesliga-Spiel gegen den VfL Bochum hatten ihm zugesetzt. "Obwohl ich schon lange im Fußballgeschäft bin, habe ich solche Szenen wie am Samstag noch nicht erlebt. Selbst die sogenannten Fußball-Millionäre haben es nicht verdient, dass ihnen ein solcher Hass und sogar Mordgesten entgegengebracht werden."

Noch unter dem Eindruck des 0:4 eine Woche zuvor in Leverkusen hatten schon vor der Begegnung etwa 100 Anhänger die Zufahrt des Mannschaftsbusses ins Stadion demonstriert. Sie entzündeten ein bengalisches Feuer und ließen das Team erst nach dem Einschreiten der Polizei weiterfahren. Im Stadion setzten sich die Unmutsäußerungen der Zuschauer fort. In der Cannstatter Kurve, wo die lautstarken Fans stehen, zeigten die Anhänger ein schwarz-weißes Plakat mit der Aufschrift: "Euer Kredit ist verspielt." Die VfB-Spieler zeigten anschließend ein Spiel ohne Mut und Selbstvertrauen und wurden von den Zuschauer bisweilen gnadenlos ausgepfiffen.

"Nach der Tragödie um Robert Enke haben sich viele zu Wort gemeldet und erklärt, was wir daraus alles lernen müssen. Was am Samstag passiert ist, zeigt mir, dass das nur Heuchelei war. Die ganze Fußball-Branche hat aus der Tragödie um Robert Enke gar nichts gelernt. Wir hatten am Samstag zwei 19-Jährige auf dem Platz, die Angst hatten. Das war zum Großteil ein Verschulden der Fans", sagte Babbel.

Allein der Führungstreffer von Serdar Tasci nach 63 Minuten hatte die Gemüter kurzzeitig beruhigt. Doch obwohl der Bochumer Diego Klimowicz Gelb-Rot sah, drängte Bochum am Ende auf den Ausgleich. Und als Christian Fuchs eine Minute vor Schluss einen Freistoß aus 20 Metern unter die Latte zirkelte zum 1:1, eskalierte die Atmosphäre. Bis zu 3000 Anhänger belagerten nach dem Spiel das Verwaltungsgebäude des Vereins am Stadioneingang. Nach Angaben der Polizei versuchten sogar mehrere hundert, das Vereinsheim zu stürmen. Sie schrien immer wieder "Wir haben die Schnauze voll", einige zündeten Knallkörper. Insgesamt wurden dabei zwei Beamte verletzt und drei Fans festgenommen, die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Seit Wochen war die Stuttgarter Klubführung gespalten, ob Babbel trotz des schlechten Saisonverlaufs noch der richtige Übungsleiter sei. Unter Babbel hatte der VfB zuletzt die beste Rückrunde seiner Klubgeschichte gespielt, in der Bundesliga Rang drei belegt und nach den zwei Qualifikationsspielen gegen den FC Timisoara aus Rumänien die Champions League erreicht. Danach gab es zwischen den DFB und Stuttgart eine Debatte, weil Babbel noch nicht den erforderlichen Trainerschein für die erste Bundesliga besitzt. Der 37-Jährige macht den Schein derzeit nach und fehlte deshalb zu Saisonbeginn häufig auf dem Trainingsplatz des VfB.

Noch Mitte der vergangenen Woche hatte die Klubführung Babbel bis zur Winterpause ihr Vertrauen ausgesprochen, stattdessen wurde Thomas Hitzlsperger als Kapitän abgesetzt. Jetzt ist Babbel weg und Christian Gross muss schnell eine neue Hierarchie in der Mannschaft finden.

"Ich wünsche dem neuen Trainerteam alles Gute. Ich hoffe, dass sie den Knopf finden und drücken, damit die Mannschaft wieder funktioniert. Ich habe ihn nicht gefunden", gab Babbel seinem Nachfolger mit. Der 55-jährige Gross gewann mit Grasshopper Zürich und dem FC Basel sechs Schweizer Meistertitel. "Ich kenne die meisten Spieler sehr gut", sagte er. "Meine Hauptaufgabe bis Weihnachten wird sein, alles aus ihnen herauszuholen und die Fans happy zu machen. Ich bin überzeugt, dass wir aus dieser schlechten Situation herauskommen."

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