Bundesliga:Kruse schießt Union Berlin nach Europa

1. FC Union Berlin v RB Leipzig - Bundesliga

Umjubelter Held bei Union: Max Kruse.

(Foto: John MacDougall - Pool/Getty Ima)

Dank eines Treffers in der Nachspielzeit darf Union an der neuen Conference League teilnehmen. Schiedsrichter Manuel Gräfe verabschiedet sich wehmütig.

Die Profis von Union Berlin sanken erschöpft zu Boden, die 2000 Fans feierten ihren Helden mit "Kruse, Kruse"-Sprechchören und Erfolgscoach Urs Fischer wünschte sich in der Kabine ein Stück Torte. Max Kruse hat seinen Klub nach 20 Jahren sensationell wieder in den Europapokal geschossen. In der Nachspielzeit traf der Stürmer am Samstag zum 2:1 (0:0) gegen Vizemeister RB Leipzig, so dass sich Union nur zwei Jahre nach dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga für die neue Conference League qualifizierte.

"Wahnsinn eigentlich, der Spielverlauf wie im Drehbuch, wenn man es sich ausmalen könnte, würde man es so schreiben", sagte Fischer nach dem Schlusspfiff. Auch der Matchwinner spielte in seiner ersten Reaktion auf den dramatischen Spielverlauf an. "Das ist weltklasse, dass wir uns für die herausragende Saison belohnen. Letztes Spiel, letzte Minute. Besser kann man es nicht schreiben", sagte Kruse bei Sky.

Der 33-Jährige hatte mit seinem Kopfball für Ekstase unter den im Rahmen eines Pilotprojekts zugelassenen Fans gesorgt. Vor dem Stadion zündeten Anhänger vor Freude Böller. "Wahnsinn trifft es perfekt. Der Wille war absolut da. Es war sehr viel Kampf, die Kraft ging uns am Schluss aus", befand Unions Kapitän Christopher Trimmel: "Ich bin stolz auf die Truppe. Wir haben in erster Linie für die Fans gespielt." Diese feierten die Profis schließlich auch auf der Ehrenrunde bei einem kurzen Schauer. Am 19. und 26. August startet Union in den Playoffs zur neuen Conference League nun sein Europa-Abenteuer.

Im letzten Leipzig-Spiel von Trainer Julian Nagelsmann sorgte Justin Kluivert (55.) für die RB-Führung. Die Leihgabe von der AS Rom ließ den aus dem Tor geeilten Union-Keeper Andreas Luthe aussteigen und schob den Ball ins leere Tor. Marvin Friedrich (67.) erzielte nach einer Ecke den umjubelten Ausgleich. Es dauerte bis in die Nachspielzeit, bis Kruse (90.+2) die Saison der Köpenicker krönte. Leipzig verpasste es, einen neuen Punkterekord aufzustellen.

Letztes Spiel von Schiedsrichter Gräfe

Die Profis, Trainer und Manager haben gebettelt, geschimpft und gefordert. Doch die Schiedsrichter-Bosse ließen sich nicht erweichen - das Spiel zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen (3:1) war das letzte für Referee Manuel Gräfe. Die Mannschaften bildeten ein Spalier, Gräfe nahm seine Kinder mit auf den Platz und leitete dann wehmütig seine letzte Bundesliga-Partie. Die Altersgrenze wird zur unüberwindlichen Hürde für den Liebling der Aktiven, der gerne weitergemacht hätte. "Ich bin grundsätzlich ein Freund davon, dass es nach Leistung gehen sollte", sagte Gräfe, dessen Wut auf seine Chefs mehrfach zu Tage trat: "Ich glaube schon, dass es eine sportpolitische oder persönliche Retourkutsche ist."

Sportchef Alexander Rosen vom Bundesligisten TSG Hoffenheim bezeichnete die Personal-Entscheidung sogar als "Funktionärs-Irrsinn", gegen den die Liga mit "einer Stimme" laut werden müsse. Gräfe kommt in seiner Bundesliga-Laufbahn auf knapp 300 Erstliga-Einsätze in 17 Jahren. Falls sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) doch noch einmal anders entscheiden sollte und Gräfe zurückhaben will, sagte der Berliner: "Meine Telefonnummer haben sie ja."

© SZ/dpa/sid/ebc
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