Tabellenspitze der Bundesliga:Oben stehen die anderen

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SC Freiburg: Trainer Christian Streich beim Spiel gegen Mönchengladbach

Er rechne fest mit seiner baldigen Entlassung, sagte Christian Streich (2. v. l.) am Sonntag nach dem 0:0 gegen Mönchengladbach, das den SC Freiburg die Tabellenführung kostete. Ein Scherz. So fest wie der Freiburger Trainer würden andere gern im Sattel sitzen.

(Foto: Grant Hubbs/Eibner/Imago)

Union vor Freiburg, die Bayern Dritter, Leverkusen Vorletzter: Die Bundesliga präsentiert sich als wildes Durcheinander. Auffällig viele Klubs befinden sich auf der Suche nach sich selbst.

Kommentar von Sebastian Leisgang

Es ist eine ziemlich schwierige Frage, die der SC Freiburg jetzt zu beantworten hat. Soll es ein Trainer wie Domenico Tedesco sein, der seit seinem Aus bei RB Leipzig wieder zu haben ist? Oder braucht es eher einen wie Felix Magath, der in der vergangenen Saison Hertha BSC gerettet hat und sich nun bestimmt an dem Gedanken erwärmen könnte, nicht mehr abzuwarten und Schwarztee zu trinken, sondern als Freiburger Trainer den einen oder anderen Schwarzwaldlauf anzuordnen?

Ja, er rechne jetzt fest damit, dass er nicht mehr allzu lange im Amt sein werde, sagte Christian Streich nach dem 0:0 gegen Borussia Mönchengladbach. Mit dem Unentschieden hatte Freiburg ja die Tabellenführung an Union Berlin abtreten müssen, einen Verein, der noch gegen Energie Cottbus, Alemannia Aachen und den FSV Frankfurt spielte, als Streich vor beinahe elf Jahren den Posten als Freiburger Cheftrainer antrat. Klar, meinte Streich am Sonntagabend, so könne es natürlich nicht weitergehen. Er sei eigentlich nicht mehr zu halten - jetzt, da seine Mannschaft in der Bundesliga nur noch Zweiter ist.

Nein, Christian Streich wird selbstverständlich nicht entlassen. Er wird auch am Donnerstagabend auf der Trainerbank und Felix Magath auf dem Sofa sitzen, wenn Freiburg in der Europa League bei Olympiakos Piräus antritt. Wobei: Weiß man's? Zur Wahrheit gehört ja auch, dass der Sportclub lediglich eines seiner drei Heimspiele gewonnen hat. Und das auch nur, weil der VfL Bochum schon vorbeigekommen ist, eine Mannschaft, gegen die momentan vermutlich auch Cottbus, Aachen und der FSV Frankfurt gewinnen würden.

Die Bundesliga ist gerade mal wieder eine große Selbsthilfegruppe. Und das beliebteste Mittel lautet: Trainerwechsel

Nach sechs Spielen und sechs Niederlagen stehen die Bochumer am Tabellenende und haben deshalb am Montag ihren Trainer Thomas Reis entlassen, nicht einmal eine Woche nachdem Leipzig Domenico Tedesco gefeuert hatte. Dass es für den VfL in diesem Jahr möglicherweise schwierig werden könnte, darauf hätte man wahrscheinlich kommen können. Wer nun aber auf die Tabelle schaut, der wird feststellen: Das war es dann auch schon mit dem, was sich vor der Saison einigermaßen seriös vorhersagen ließ. Die Tabelle ist ein wildes Durcheinander, vorne stehen Union und Freiburg, erst dann folgt der FC Bayern, Mainz ist Sechster, Leipzig Zehnter und Leverkusen Vorletzter.

Tabellenspitze der Bundesliga: Ja, tatsächlich: Die Fans des 1. FC Union Berlin dürfen die Tabellenführung bejubeln.

Ja, tatsächlich: Die Fans des 1. FC Union Berlin dürfen die Tabellenführung bejubeln.

(Foto: Boris Streubel/Getty Images)

Das muss nach nur sechs Spielen zwar noch nichts heißen, aber interessant ist das ja schon: dass da oben zwei Vereine stehen, die sich in erster Linie dadurch auszeichnen, anders als die anderen zu sein, während mancher Klub gerade selbst nicht so genau weiß, wer er eigentlich ist.

Die Bundesliga ist gerade mal wieder eine große Selbsthilfegruppe. Es sind zwar ganz unterschiedliche Themen, mit denen sich die einzelnen Klubs befassen - auffällig ist aber, dass sich gerade ziemlich viele Mannschaften ziemlich viel mit sich selbst beschäftigen. Die Bayern sprechen sowohl über die Auf- als auch über die Einstellung, Dortmund fragt sich, wie die Offensive endlich ins Rollen kommt, Leverkusen sucht in der Flucht nach vorne den Weg nach oben, Wolfsburg treibt die Personalie Max Kruse um - und in Leipzig hat die Auseinandersetzung mit sich selbst kürzlich ergeben, dass es nun wieder einen Trainer mit Bullenstallgeruch braucht.

All diese Irrungen der anderen nutzen Freiburg und Union, indem sie einfach das machen, was sie die ganze Zeit schon machen: demütig sein, bei sich bleiben und "einfach kicke", wie Christian Streich vermutlich sagen würde.

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