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Bundesliga:Traumtor eines schlampigen Genies

An sich selbst berauscht. Serge Gnabry (rechts) bejubelt sein zweites Tor (fast von der Mittellinie) mit dem Trainerstab um Julian Nagelsmann (links) und Mitspieler Nadiem Amiri.

(Foto: Michael Probst/AP)

Manchmal genügt eine Aktion, um das Potenzial zu erkennen, das in einem Spieler steckt. Serge Gnabry hatte an diesem Samstag diese eine Aktion, die erklärt, warum ihn sein Trainer Julian Nagelsmann hinterher einen "Qualitätsspieler" nannte. Es war nicht das Tor zum 3:0 gegen RB Leipzig an sich, das den Angreifer der TSG Hoffenheim so außergewöhnlich macht.

Ein Tor aus 43 Metern zu schießen, ist auch schon weniger talentierten Spielern gelungen als dem 22 Jahre alten Stürmer. Aber wie schnell dieser nach einem Anspiel von Nadiem Amiri erkannte, dass Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi ein bisschen zu weit vor seinem Tor stand, dann den Abschluss suchte und den Ball perfekt traf - das war beeindruckend. In Gnabrys Worten klang dies hinterher so: "Ich habe den Ball einmal mitgenommen, kurz geschaut und mich dann einfach entschieden draufzuhauen und mein Glück zu suchen."

In dieser spielentscheidenden Szene in der 62. Minute fand Serge Gnabry sein Glück und die Hoffenheimer können nach dem am Ende auch in der Höhe verdienten 4:0-Sieg gegen RB Leipzig wieder optimistischer nach vorne schauen. Nach zwölf Spielen mit nur zwei Siegen und dem enttäuschenden vorzeitigen Aus in der Europa-League brauchten die Badener diesen Befreiungsschlag zu ihrer Selbstvergewisserung.

Plötzlich liegt Hoffenheim nur noch drei Punkte hinter Leipzig

Es war ein beeindruckender Erfolg gegen den Tabellenzweiten in einem wichtigen Richtungsspiel - eine Niederlage hätte den Rückstand ans obere Tabellendrittel vergrößert. Nun aber liegen die Leipziger nur noch drei Punkte entfernt. "Das war nicht unser Tag, wir müssen das Spiel schnell abhaken", sagte Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl, der mit seinen bemühten, aber ungewohnt ziellosen Spielern nicht zu hart ins Gericht gehen wollte: "Man muss den Jungs auch einmal so einen Tag zugestehen", sagte Hasenhüttl. Zumal für seine Elf am kommenden Mittwoch das entscheidende Spiel in der Champions League gegen Besiktas Istanbul ansteht, das Leipzig gewinnen muss, um die Chance zu haben, das Achtelfinale zu erreichen. Auch Hoffenheim ist am Donnerstag noch einmal international dabei. Nagelsmann will im bedeutungslosen Spiel gegen Rasgrad Spielern Wettkampfpraxis verschaffen, die bislang nicht so oft zum Einsatz kamen.

Serge Gnabry wird wohl eher für die Bundesliga am kommenden Sonntag in Hannover geschont. Er hat seine Klasse bei der TSG zwar noch nicht so oft gezeigt, seit er im Sommer für eine Saison vom FC Bayern München ausgeliehen wurde. "Ich hoffe nach meinen zwei Toren ist nun der Knoten geplatzt", sagte Gnabry nach seinen ersten Treffern. Doch es waren Verletzungen, aufgrund derer der schnelle Stürmer bislang nur in fünf Bundesligapartien zum Einsatz kam. Zunächst fiel er nach einer Sprunggelenksverletzung aus, bevor ihn eine Verletzung in der hinteren Oberschenkelmuskulatur lange zum Zuschauen zwang. Gnabrys Sprintermuskulatur sei sehr anfällig, erklärt Nagelsmann.