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Strafen gegen Trainer:"Das ist nicht mehr mein Sport"

Hamburger SV v VfL Bochum 1848 - Second Bundesliga

Gelb für den Bochumer Trainer Robin Dutt - der findet's mäßig amüsant.

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)
  • Bundesliga-Trainer können künftig nach der vierten gelben Karten in einer Saison gesperrt werden.
  • Die Übungsleiter fürchten, dass die neue Regel alle Beteiligten weiter unter Druck setzt.
  • Julian Nagelsmann witzelt, er mache künftig wohl "maximal 15 Spiele an der Seitenlinie, den Rest schaue ich von oben zu".

Florian Kohfeldt, der Trainer von Werder Bremen, hat kürzlich überlegt, ob zu seinen vielfältigen Aufgaben als Trainer vielleicht bald noch eine weitere hinzu kommt. Längst vorbei sind ja die Zeiten, in denen Trainer nur ein bisschen Training und am Wochenende eine Aufstellung machten, die sie am Tag vor dem Spiel dann bei der Bild-Zeitung in den Briefkasten warfen. Längst sind Trainer zu Managern geworden, die große Mitarbeiterstäbe motivieren und koordinieren müssen, und in der neuen Saison, sagte Kohfeldt also kürzlich, müsse man jetzt auch noch vor dem Spiel festlegen, wer schuld ist.

Ganz ernst hat Kohfeldt das nicht gemeint, wobei: ein bisschen vielleicht schon. Denn es ist ja so: Seit dieser Saison können nach Einführung einer neuen Regel auch Teamverantwortliche und Trainer gelbe und rote Karten kassieren, und es greift dabei das Prinzip der politischen Verantwortung. Registriert der Schiedsrichter also anonyme Umtriebe auf der Bank oder hört er von dort eine Beleidigung, die er keinem Täter zuordnen kann, wird stellvertretend der Trainer verwarnt - als Abteilungsleiter dieser Bank, die er nicht im Griff hat. Deshalb Kohfeldts Idee, die in ihrer Zuspitzung an Notwehr grenzt: Wenn der vorab als Täter festgelegte Zeugwart sein Geständnis ablegt, geht der Trainer straffrei aus. Und der Trainer ist halt schon der wichtigste Mann auf der Bank.

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Die detaillierte Handhabung der neuen Regel ist den Ligen selbst überlassen geblieben, und so beschloss die Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Mittwoch, dass Trainer der ersten und zweiten Liga künftig nach vier gelben Karten gesperrt werden. Und gesperrt bedeutet, dass sich die Trainer nicht "im Innenraum des Stadions oder der Sportstätte" aufhalten dürfen. Auf der Tribüne eine rauchen, dürfte demnach okay sein.

Der Bochumer Dutt beschwerte sich bereits massiv

Mit dieser Definition ist nun ein Problem gelöst, das er vorher gar nicht gab. Denn das ist ja der Kern der Kritik, die Trainer an der Regel üben: Dass hier Debatten heraufbeschworen und Bilder erzeugt werden, die kein Mensch braucht - gerade jetzt, da sich ohnehin schon alle an neue Debatten und Bilder gewöhnen müssen. An Schiedsrichter, die nach draußen rennen, aber nicht, um eine zu rauchen, sondern um sich ein Foul noch mal anzusehen; an Spieler, die nicht wissen, ob sie schon jubeln sollen; an Kölner Keller, die möglicherweise noch düsterer sind, als sie aussehen.

Und künftig also auch noch: an Schiedsrichter, die von Kameras und Zuschauern beobachtet nach draußen rennen, wobei - Trommelwirbel! Spannung! - keiner weiß, ob sie ein Foul noch mal anschauen oder den Trainer verwarnen oder vor der Bank ein lustiges Tätersuchspiel veranstalten.

Aufgrund der allgemeinen Verunsicherung ist das Klima ohnehin aufgeheizt zwischen den Lagern, wie voriges Wochenende gut zu erkennen war, als Schiedsrichter Dingert dem Bochumer Trainer Robin Dutt die gelbe Karte zeigte und Dutt sich später massiv beschwerte: "Das ist nicht mehr mein Sport, da verliere ich den Respekt vor der Autorität." Und so befürchten die Trainer nun, dass die neue Regel alle weiter unter Druck setzt; die Schiedsrichter, weil sie der neuen Regel folgen müssen, ob sie wollen oder nicht; und die Trainer, weil jedes Übertreten der Coaching Zone künftig eine gelbe Karte und irgendwann vielleicht eine Sperre nach sich zieht. "Schwachsinn" hat der alte Fahrensmann Friedhelm Funkel die Regel genannt, und der noch etwas neuere Fahrensmann Julian Nagelsmann witzelte, er mache dann künftig wohl "maximal 15 Spiele an der Seitenlinie, den Rest schaue ich von oben zu".

Es gab am Mittwoch aber auch eine gute Nachricht, zumindest für den Trainer des VfL Bochum: Die Sperrenregelung tritt erst ab dem nächsten Spieltag in Kraft. Die gelbe Karte von Robin Dutt wird noch nicht mitgerechnet.

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