Bundesliga Tag der Edelschützen

James Rodriguez schießt das 2:0.

(Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters)
Von Martin Schneider

Franck Ribéry und James Rodriguez sind keine Acker-Fußballer. Ein Acker-Fußballer ist jemand, der Wühler-Eigenschaften mitbringt, der den Schlamm als Freund begrüßt und der dem Schienbeinschoner näher ist als dem Innenrist. Acker-Fußballer braucht man immer dann, wenn die Kunst zu Ende ist und die Arbeit beginnt. Eigentlich braucht man Acker-Spieler für ein Bundesliga-Spiel bei fünf Grad Celsius im Februar in Mainz, wo der Gastgeber schon angekündigt hat, nach dem Spiel gegen den FC Bayern den Rasen auszutauschen, weil die Matsch-Quote dann doch zu groß geworden ist.

In solchen Spielen geht es eigentlich für eine Mannschaft wie den FC Bayern darum, irgendwie durchzukommen. Den Gegner im "tiefen Geläuf" (Wörterbuch des Fußballs) sich müde rennen lassen und dann irgendwie das 1:0 machen, so schreibt es das Handbuch für Spitzenmannschaften vor. Im vergangenen Jahr hatten sie so ein Acker-Spiel in Darmstadt, da knallte Douglas Costa (mittlerweile Juventus Turin) den Ball kurz vor Schluss ins Tor.

Jupp Heynckes hatte auch mit einem solchen Spiel gerechnet. Er beorderte Sandro Wagner in die Sturmspitze (ehemals SV Darmstadt 98), stellte mit Rafinha den wühligsten Bayern-Spieler auf und mahnte vor dem Spiel: "Das wird nicht so einfach auf sicher tiefem Terrain."

Und dann? Entscheiden einfach die zwei Techniker mit zwei Edelschüssen das Spiel schon in der ersten Halbzeit. Und nach diesem 2:0-Sieg enteilt der FC Bayern den mehrheitlich sieglosen sogenannten Verfolgern noch weiter, 18 Punkte beträgt der Vorsprung nun; nur Frankfurt könnte am Sonntag mit einem Sieg in Augsburg noch auf 17 Punkte verkürzen. Mainz rutscht indes auf den Relegationsplatz ab. Das lag am Bremer Sieg auf Schalke. Und eben an den Toren von Ribéry und James Rodriguez.

In er 33. Minute - es war bis dahin das erwartete, rumpelige Spiel - schlug Sebastian Rudy eine Ecke rein, Yoshinori Muto wehrte den Ball mit dem Kopf ab, der fiel Franck Ribéry vor die Füße, und der schoss, unmittelbar bevor der Ball den Acker berühren konnte, aus sechzehn Metern volley und mit Wumms ins rechte Eck. Bis dahin hatte Ribéry so seine Probleme, er hatte kurz vor seinem Tor nur einen Ballkontakt mehr als Torwart Sven Ulreich und tat sich schwer gegen die Mainzer Verteidiger Giulio Donati und Stefan Bell, denen er vor zwei, drei Jahren noch auf drei Metern zwei Meter davongelaufen wäre. Aber gut, wenn er nicht so schnell laufen kann - dann schießt er halt.

Elf Minuten später sah Corentin Tolisso, wie sich James Rodriguez löste und sich auf den Weg ins rechte Strafraumeck machte. Tolisso schlug eine Flanke, James nahm den Ball mit der Brust an, und zwar so, dass dieser ihm auf den linken Fuß fiel. Er legte ihn sich quasi selbst vor - und schoss volley ein.

Während Ribéry mit dem Platz kämpfte, war James bis dahin der beste Spieler der Münchner. Sandro Wagner war nur sporadisch ins Spiel eingebunden, Thomas Müller kämpfte wie immer mit seiner Außenbahnposition und Corentin Tolisso lief sich in seiner Zwischenrolle zwischen Offensive und Defensive ein bisschen tot. James beschleunigte aber trotz diverser Schlaglöcher im Rasen das Offensiv-Spiel der Münchner.

Ansonsten hatten die Bayern zuweilen ihre Abwehr-Probleme. Alexandru Maxim und Levin Öztunali schafften es öfter, den oft allein gelassenen Sebastian Rudy in Bedrängnis zu bringen, in der 20. Minute tunnelte Jean-Philippe Gbamin den Ex-Hoffenheimer, Maxim schlenzte am langen Eck vorbei. In der 30. Minute schaffte es Abdou Diallo mit einem energischen Einsatz gegen Rafinha, Öztunali in eine gute Schussposition zu bringen, doch der passte wegen eines Missverständnisses ins Leere.