Deniz Undav beim VfB StuttgartGuter Stürmer, schlechter Stürmer

Lesezeit: 3 Min.

Was sagt die Plapperhand? Deniz Undav (rechts) führt nach seinem Treffer gegen Gladbach ein kleines Theaterstück auf.
Was sagt die Plapperhand? Deniz Undav (rechts) führt nach seinem Treffer gegen Gladbach ein kleines Theaterstück auf. Fantini/Fotostand/Imago
  • Der VfB Stuttgart gewinnt 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach und bleibt damit im sechsten Bundesligaspiel nacheinander ungeschlagen.
  • Deniz Undav trifft zum 3:0 und reagiert mit einer theatralischen Geste auf Kritik nach zwei torlosen Spielen zuvor.
  • Stuttgart steht als Vierter im DFB-Pokal-Viertelfinale und kann am Donnerstag gegen Bern das Europa-League-Achtelfinale direkt erreichen.
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Der VfB Stuttgart agiert deutlich stabiler als in der Vorsaison. Beim 3:0 gegen Gladbach trifft auch Deniz Undav – und der richtet einen besonderen Gruß an seine Kritiker.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

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Deniz Undav hatte gerade den Treffer zum 3:0 seines VfB Stuttgart bei Borussia Mönchengladbach erzielt, da führte er im Fokus der TV-Kameras ein Kasperletheater ohne Handpuppen auf. Bla-bla-bla, ließ er seine auf- und zuschnappende rechte Hand im Stile eines Pantomimen sagen, während er diese plappernde rechte Hand mit der linken schlug und demonstrativ zum Schweigen bringen wollte. Nach dem Spiel erklärte Undav seine spezielle Torjubel-Performance am Dazn-Mikrofon: „Ich war für viele mal wieder der schlechteste Stürmer – nach zwei Spielen, in denen ich kein Tor gemacht habe.“ Aber solche Kritik sei übertrieben, denn: „Welcher Stürmer macht schon jede Chance rein?“

Der Nationalstürmer Undav hatte zuvor in der Bundesliga beim 1:1 gegen Union Berlin und in der Europa League beim 0:2 gegen AS Rom kein Tor erzielt. Dafür hatte er mediale Kritik geerntet, die ihn offenbar wütend gemacht hat. „Dass man nach zwei Spielen ohne Tor gleich so nervt von der Seite...“, sagte er am Sonntagabend entrüstet und zitierte: „Schlechtester Stürmer, kann nichts und was weiß ich.“ Daher wollte er seinen Kritikern nun mit den Händen mitteilen: „Einfach mal den Mund halten!“

Undav und Leweling
:Ein schwäbischer Gruß an den Bundestrainer

„Fast perfekt“ seien laut Trainer Hoeneß die ersten 30 Minuten seines VfB beim 4:1 in Leverkusen gewesen. Und dann brillieren zum Start ins WM-Jahr auch noch Deniz Undav und Jamie Leweling.

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Zum Schweigen bringt der 29-Jährige seine Kritiker freilich weniger mit Drohgebärden als mit Toren. Und so ging es ihm schon etwas besser nach seinem elften Saisontreffer in der Bundesliga – je einer in der Europa League und im DFB-Pokal kommen zur Saison-Gesamtbilanz noch hinzu. Undav ist somit eindeutig beteiligt an einer starken Saison des VfB Stuttgart, die beim 3:0 in Gladbach im sechsten Ligaspiel in Serie ohne Niederlage mit allein daraus resultierenden 14 Punkten gipfelte. Der VfB ist Tabellenvierter, steht im Pokal-Viertelfinale und wird im Europacup die K.-o.-Phase erreichen – im Falle eines Sieges am kommenden Donnerstag daheim gegen die Young Boys Bern unter Umständen sogar als direkt qualifizierter Achtelfinalist.

„Unsere Teamchemie ist dieses Jahr noch mal auf einem anderen Level“, sagt Undav

„Wir haben uns in der vergangenen Saison mit der Champions-League-Teilnahme weiterentwickelt“, sagte VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth am Sonntag in den Katakomben des Borussia-Parks. In Europas Königsklasse waren die Stuttgarter dann zwar schon in der Vorrunde ausgeschieden und in der Bundesliga wurden sie in der Vorsaison bloß Neunter. Als DFB-Pokalsieger qualifizierten sie sich jedoch für jene Europa League, in der sie nun von ihren Erfahrungen mit der Dreifachbelastung profitieren.

„Dieser Verein war ein Jahrzehnt lang international nicht mehr dabei gewesen, aber mittlerweile haben wir uns auf diesen anderen Rhythmus eingestellt“, sagte Wohlgemuth. Die Mannschaft habe in der Champions League wichtige Erfahrungen gesammelt, „das fließt jetzt alles mit ein“, so Wohlgemuth. Er nehme die Mannschaft momentan „stabil, geduldig, überlegt und bedacht“ wahr.

Allzu geduldig und bedacht hatte die Quasselhand vom wütenden Undav am Sonntag zwar nicht gewirkt, doch umso souveräner agierte sein VfB, nachdem Torwart Alexander Nübel in der Frühphase des Spiels einen Elfmeter von Gladbachs Haris Tabakovic pariert hatte (13.). Jamie Leweling erzielte das 1:0 (30.); der eingewechselte Chris Führich schlenzte eine Ecke so scharf herein, dass sie vom Rücken des Gladbachers Joe Scally zum 2:0 ins Tor sprang (67.); und der eingewechselte Undav finalisierte mit dem 3:0 (74.). „Unsere Teamchemie ist dieses Jahr noch mal auf einem anderen Level“, betonte Undav, „von der Qualität her sind wir noch besser aufgestellt als letztes Jahr.“

VfB-Trainer Sebastian Hoeneß war nach dem 3:0 stolz auf seine Spieler – besonders angesichts der vorangegangenen anstrengenden Rom-Reise. Die Stuttgarter Saison geht auch jetzt im Stakkato weiter, und sie dauert noch ganz schön lange. Deshalb sagte Hoeneß über den Sieg: „Ich wehre mich dagegen, ihn in eine große schöne Verpackung zu legen.“ Bescherung ist beim Fußball erst im Mai.

Schon am Donnerstag empfangen die Stuttgarter Bern, die Mannschaft des früheren Gladbach-Trainers Gerardo Seoane. Dessen damaliges Borussia-Team hatten sie beim Hinspiel im August 2025  besiegt (1:0). Das soll nun auch gegen Seoanes Young Boys gelingen, im letzten Spiel der Europa-League-Vorrunde. Die direkte Achtelfinal-Qualifikation wäre ein weiterer Beweis dafür, dass der VfB in dieser Saison ein ganzes Stück stabiler ist.

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