Paulis Torwart Nikola VasiljEinfach wäre ja auch langweilig

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Der Ball habe „den Spot“ nicht ganz getroffen, darum hielt es sich mit den Schmerzen in Grenzen, sagt St. Paulis Torhüter Nikola Vasilj nach dem Spiel bei Union Berlin zu seiner kuriosen Parade.
Der Ball habe „den Spot“ nicht ganz getroffen, darum hielt es sich mit den Schmerzen in Grenzen, sagt St. Paulis Torhüter Nikola Vasilj nach dem Spiel bei Union Berlin zu seiner kuriosen Parade. Michael Taeger/Jan Huebner/Imago
  • St. Paulis Torwart Nikola Vasilj rettet beim 1:1 gegen Union Berlin in höchster Not, nachdem er den Ball selbst ungeschickt in die Füße des Gegners gespielt hatte.
  • Fünf Tage zuvor hatte Vasilj mit Bosnien Italien im WM-Playoff im Elfmeterschießen besiegt, wobei es einen Konflikt mit Italiens Torwart Donnarumma um den Spickzettel mit den Schussrichtungen gegeben hatte.
  • St. Pauli bleibt nach dem Unentschieden auf dem Relegationsplatz 16, während Union Berlin weiter um die mythischen 40 Punkte für den Klassenerhalt kämpft.
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Fünf Tage nach dem aufwühlenden Sieg in den WM-Playoffs gegen Italien steht Paulis bosnischer Torwart Nikola Vasilj gegen Union Berlin erneut im Fokus. Erst rettet er in höchster Not – und erhebt dann Vorwürfe gegen Italiens Torwart Donnarumma.

Von Javier Cáceres, Berlin

Zumindest in den sozialen Netzwerken scheint sich der 1. FC Union Berlin beim Thema Klassenerhalt sehr, sehr sicher zu sein. Dabei fehlen nach dem 28. Spieltag noch immer ein paar Zähler, um die in Köpenick nachgerade mythologisch verklärten 40 Punkte zu erreichen, die man sich noch stets als Saisonziel gesetzt hat. Am Sonntagabend, kurz nach dem 1:1 gegen den FC St. Pauli, setzte der für Unions Social-Media-Auftritte zuständige Mensch jedenfalls einen Beitrag ab, der sich, zwecks Generierung von Aufmerksamkeit, launig am Leid der Volkswagenfiliale VfL Wolfsburg ergötzte – und der davon sprach, Union habe Pauli „für die Bundesliga“ einen Punkt geschenkt. Zur Einordnung: Wolfsburg rangiert derzeit auf Tabellenrang 17; der Abstand auf St. Pauli und Relegationsplatz 16 ist dank des Punktgewinns der Hamburger vom Sonntag auf vier Punkte angewachsen.

Kurze Zeit später war der Beitrag wieder gelöscht. Die Vermutung liegt nahe, dass sich bei Union jemand peinlich berührt gefühlt haben muss. Vielleicht, weil Wolfsburg demnächst noch auf Union trifft und sich kleine Bosheiten mitunter rächen. Vielleicht ärgerten es die Berliner insgeheim dann doch, welch große Chance ihnen am Sonntag durch die Hände geglitten war.

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Die 61. Minute lief, als St. Paulis Torwart Nikola Vasilj zum Wiederholungstäter wurde, in jeder Hinsicht. Wie schon beim legendären Match seiner bosnischen Nationalelf gegen Italien vom vergangenen Dienstag (4:1 im Elfmeterschießen) spielte Vasilj den Ball in die Füße des Gegners, in diesem Fall von Unions Mittelfeldspieler Andras Schäfer. Was der Tormann in der Rückschau als „nicht so clever“ bezeichnete.

Auch der Fußballgott bestraft kleine Sünden sofort: Beim Schuss aufs Tor schien Schäfer dermaßen die Mitte des 30-jährigen Keepers zu treffen, dass man meinen konnte, Vasilj müsse sich nie wieder Sorgen um die Kosten einer etwaigen Vasektomie machen. Später relativierte Vasilj die Folgen der Szene: Als der Ball auf ihn zuflog, habe er sich schon auf Schmerzen eingestellt. Diese seien auch erträglich gewesen, weil Schäfer „nicht ganz den Spot getroffen“ habe.

Vasiljs Aktion bedeutete am Ende, dass das 1:1 bestehen blieb. Es war durch einen fulminanten, 118-Stundenkilometer-Schuss von Paulis Mathias Pereira Lage (25.) sowie einen klassischen Ecke-Kopfball-Torerfolg von Unions Andrej Ilic (52.) herbeigeführt worden. Ansonsten hielten sich die Regungen, die das Spiel weckte, in engen Grenzen. Was begrüßenswert war, weil Vasilj so später noch mal den Blick zurückwerfen konnte, auf sein Spiel mit Bosnien-Herzegowina gegen Italien.

„Wir waren auf alles vorbereitet“, sagte Vasilj über das WM-Playoff-Spiel. „Alles“ und „wir“ heißt in diesem Fall: Bosnien-Herzegowina hatte auf der Ersatzbank noch einen Ersatzspickzettel deponiert, „zum Glück“ und zu seiner, Vasiljs Überraschung. Dass jemand eine Kopie angefertigt hatte, „das wusste ich auch nicht“, verriet Vasilj am Sonntag.

Zur Erinnerung: Bosnien und Italien hatte es in dem entscheidenden Duell um einen der letzten Plätze für die Weltmeisterschaft in diesem Sommer bis ins Elfmeterschießen verschlagen. Und dort versuchte Vasiljs italienischer Kollege Gianluigi Donnarumma tatsächlich, dem Konkurrenten jenen Spickzettel zu entreißen, auf dem die Späher vermerkt hatten, in welche Ecke die italienischen Schützen vom Elfmeterpunkt gern zielen.

Auch Donnarumma war im legendären Elfmeterschießen offenbar unfair mitgespielt worden

Der Tormann wirkte am Sonntag noch immer einigermaßen perplex über die mangelnde Klassensolidarität des Keepers aus Italien. „Ich konnte es nicht glauben! So etwas war mir noch nie passiert!“, berichtete Vasilj. Er habe sich etwas mit Donnarumma gestritten, anschließend beim Schiedsrichter eine gelbe Karte für den italienischen Kollegen beantragt. Hinreichend „unsportlich“ war die Aktion des Multimillionärs von Manchester City allemal, nicht nur in den Augen von Vasilj.

Zur Wahrheit gehört allerdings, dass auch Donnarumma übel mitgespielt worden war. Ein Balljunge, den bosnische Medien später als den 14 Jahre alten Afan Cizmic identifizierten, hatte dem Italiener während des Elfmeterschießens offenbar ebenfalls den Spickzettel gestohlen. In Sarajewo tragen sie den Balljungen dafür zumindest im übertragenen Sinne in einer Sänfte durchs Land. Das bosnische TV will den Jungen zur WM nach Amerika mitnehmen, frei nach den ersten Zeilen des Liedes „U.S.A.“ der Crossover-Balkan-Band „Dubioza Kolektiv“: „I am from Bosnia / take me to America / I really want to see / Statue of Liberty.“

„Ich will gar nicht so viel sagen. Am Ende bin ich froh, dass wir gewonnen haben. Manche sagen, es sei Karma. Wahrscheinlich ist da etwas dran“, sagte Vasilj am Sonntag. Sein Trainer bei St. Pauli, Alexander Blessin, erklärte, in den Tagen vor dem Spiel in Berlin-Köpenick den Eindruck gewonnen zu haben, dass Vasilj die Erfüllung eines Kindheitstraums „einen Push und Energie“ geben würde. In der Tat zeigte der Torwart gegen Union eine gute Leistung.

Eine kleine Spitze in Richtung Italien konnte er sich freilich nicht verkneifen: Die Qualifikation sei „eine große Leistung“, vor allem vor dem Hintergrund, dass „vor einem Jahr niemand an uns geglaubt“ habe und die Nationalelf Bosniens nun etwas vollbracht habe, was Italien verwehrt blieb: sich erstmals seit 2014 für eine WM zu qualifizieren. „2014 war das Jahr, als Italien letztmals dabei war“, sagte Vasilj. Bis zum Beginn der WM habe er nur noch ein Ziel: mit dem FC St. Pauli, der nach dem 1:1 bei Union auf dem Relegationsplatz blieb, in der Liga zu bleiben.

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