FC St. Pauli„Wir müssen dieses fuckin’ Spiel gewinnen!“

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St. Paulis Kapitän Jackson Irvine (links) trauert in Leipzig seiner vergebenen Torchance kurz vor Schluss nach. Nächste Woche geht es gegen Wolfsburg um alles.
St. Paulis Kapitän Jackson Irvine (links) trauert in Leipzig seiner vergebenen Torchance kurz vor Schluss nach. Nächste Woche geht es gegen Wolfsburg um alles. Jan Woitas/dpa

Relegation oder Abstieg? Der FC St. Pauli steht nach der Niederlage in Leipzig am letzten Spieltag gegen Wolfsburg vor einer Frage, die kein Unentschieden kennt.

Von Javier Cáceres, Leipzig

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Louis Oppie wählte Worte, die martialischer nicht hätten sein können. „Das Spiel nächste Woche wird ein Krieg, eine Schlacht, und so muss man das auch angehen“, sagte der Verteidiger des FC St. Pauli nach der 1:2-Niederlage bei RB Leipzig mit Blick auf die Partie am kommenden Wochenende gegen die Volkswagen-Filiale VfL Wolfsburg. Ob Krieg oder Schlacht, es wird um den Tabellenplatz 16 gehen, sprich: um die Frage, ob nun Wolfsburg oder St. Pauli in der Relegation gegen den Tabellendritten der zweiten Liga um einen Platz in der nächsten Erstligasaison wettstreiten darf. Der Verlierer steigt sicher ab, und je nach konkretem Ausgang und dem Heidenheimer Resultat gegen Mainz vielleicht sogar beide. Ehe sich jemand ob der Wortwahl Oppies ereifert (darf man das sagen, in Zeiten wie diesen?): Was ist das schon im Vergleich dazu, dass VW gerade auf Rüstungsproduktion umschwenkt?

Was in jedem Fall ansteht: ein ungleicher Kampf, ob der Binse, dass St. Pauli weit weniger Geld zur Verfügung hat als der von VW hochgerüstete VfL. Das ist alles andere als neu und erklärt ein paar Verhältnisse der Liga; gleichwohl gibt es sie, die St.-Pauli-Fans, die da murren, der Klub kümmere sich zu wenig um Fußball und zu viel um Weltschmerz und ähnliches Gedöns. Aber St. Pauli lässt sich nicht beirren. Erst vergangene Woche wurde der Kiezklub der erste Profiverein Deutschlands, der mit seinen Angestellten einen Tarifvertrag unterschrieb (während VW, aber das nur am Rande, schon länger versucht, an allen möglichen Standorten Tarifverträge mindestens auszuhöhlen).

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Was ja andererseits nicht heißt, dass Trainer Alexander Blessin nicht auch ein wenig zu bemitleiden wäre. In der ersten Halbzeit hatte St. Pauli nicht übermäßig viele, aber doch mehr gut vorgetragene Angriffe vorzuweisen als Leipzig, es mangelte aber im letzten Drittel an Präzision, Durchschlagskraft, Traute. Das höchste der Gefühle für St.-Pauli-Sympathisanten war ein Lattenschuss von Martijn Kaars nach gut einer halben Stunde, obwohl er frei und unbedrängt in Nähe des Elfmeterpunkts bedient wurde. Ein Tor erzielte St. Pauli erst, als es zu spät war. Das heißt: vier Minuten vor Schluss, durch Abdoulie Ceesay (86.), als die Mannschaft bereits zweimal bewiesen hatte, nur bedingt abwehrbereit zu sein. Xaver Schlager (44.) und Willi Orban (54.) hatten jeweils nach Eckstößen getroffen. Dagegen hätte man sich schon auch verteidigen können.

Kapitän Jackson Irvine, der seit Monaten wegen einer Fußverletzung nur gehemmt spielt, war nicht nur darüber frustriert, sondern auch wegen einer Chance, die er selbst in der Nachspielzeit vergab. Das hielt ihn nicht davon ab, die Mannschaft zusammenzutrommeln und mit geballter Faust auf die Kameraden einzureden. Einen Teil seines Diskurses gab er danach wieder: Jeder Einzelne müsse die Brust rausdrücken und den Kopf heben, ein Remis reicht nicht: „Wir müssen dieses fuckin’ Spiel gewinnen!“ Wie? Das darf ihnen, bejahte er Oppies Äußerungen, letztlich egal sein. Denn dann ließe sich eine Äußerung paraphrasieren, die vor der Erfindung der KI dem Feldherrn Napoleon zugeschrieben wurde, und schlussendlich behaupten: Auch im Abstiegskampf ist alles erlaubt, nicht nur im Krieg und in der Liebe.

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