Nanu, ist da etwa so etwas wie Spannung an der Bundesliga-Spitze zu erkennen? Mindestens für eine Nacht ist Borussia Dortmund durch ein (schmeichelhaftes) 2:1 beim VfL Wolfsburg bis auf drei Punkte an den FC Bayern herangerückt, der erst am Sonntagabend gegen die TSG Hoffenheim spielt. Weiter unten in der Tabelle, im Kampf gegen den Abstieg, bleibt es nach einem überraschendem 2:1-Sieg des FC St. Pauli gegen Stuttgart und der nächsten Niederlage für Werder Bremen unter dem neuen Trainer Daniel Thioune (0:1 in Freiburg) sowieso spannend. Fragen und Antworten zum 21. Bundesliga-Spieltag (alle Ergebnisse finden Sie hier).
Will der BVB jetzt etwa wirklich Meister werden?
Der Kampfansage seines Abwehrchefs lässt Trainer Niko Kovac weiterhin keine markigen Worte folgen. Hatte sich Nico Schlotterbeck vor einer Woche noch klar dazu bekannt, die Schale holen zu wollen, ruderte der Coach vor dem Spiel zurück wie ein Cambridge-Student auf der Themse: Es gehe nicht um die Bayern, vielmehr müsse man die Verfolger im Auge behalten, sagte Kovac und dürfte sich bei seiner Aussage auf das berufen haben, was er seit Wochen sieht: Ein zwar durchaus erfolgreiches Team, das nun seit 14 BL-Spielen ungeschlagen ist, dabei aber oft Fußball zum Wegschauen anbietet.
Für Gegner Wolfsburg wird die Tabellensituation immer prekärer. Besonders bedenklich wird es, wenn es dann auch noch an der nötigen Einstellung fehlt wie im Fall von Mohammed Amoura, der zuletzt suspendiert wurde, weil er sich geweigert hatte, im Training in der B-Elf zu spielen. Gegen die Borussia kehrte der Angreifer in die erste Elf zurück und hatte prompt die erste gute Chance im Spiel, als die Dortmunder noch vor sich hin dösten.

Sie wurden erst wach, als Maxi Beiers Schuss, abgefälscht vom Wolfsburger Denis Vavro, an der Unterkante der Latte landete. Aber die Standards funktionieren immer beim BVB: Julian Ryersons Ecke auf den ersten Pfosten, Kopfball Julian Brandt – schon ging Schwarz-Gelb mit einem Vorsprung in die Kabine.
Und kassierte nach Wiederanpfiff prompt das 1:1 – ebenfalls per Standard: Freistoß Maxi Arnold, Kopfball Konstantinos Koulierakis, nichts zu halten für Gregor Kobel. Es folgte ein einziger Sturmlauf der Wölfe, die sehr viel versuchten, aber nichts trafen außer zweimal Aluminium. Dass Serhou Guirassy die erste klare BVB-Chance in Durchgang zwei kurz vor Schluss zum 2:1-Siegtor nutzte, hatte einen Hauch von Bayern-Dusel. Oder anders ausgedrückt: So kann man tatsächlich Meister werden.
Holt Bremens neuer Trainer Daniel Thioune den ersten Dreierlachs?
Nicht schlimm, wenn Sie die Frage nicht verstehen. So ging es Thioune, 51, in seiner ersten Woche in Bremen in der Pressekonferenz auch erst mal. Ein Fragesteller konfrontierte ihn mit Begriffen aus der Jugendsprache (um zu testen, ob sich der Nachfolger von Horst Steffen, 56, in der Werder-Kabine zurechtfinden wird).
Mit „Dreierlachs“ waren drei Punkte gemeint. Das wäre besser als ein „Einser-Fischstäbchen“, erwiderte Thioune. Es wurde aber nicht mal das, stattdessen holte er null Punkte zum Einstand. Bremen gewann das elfte Spiel nacheinander nicht und schoss dabei zum siebten Mal kein Tor.

Werder hätte in Führung gehen können, aber Justin Njinmah scheiterte per Fallrückzieher an Freiburgs Torwart Noah Atubolu. Ein paar Sekunden später lag der Ball nach einem Freiburger Konter stattdessen im Bremer Tor.
Niklas Beste (war mal bei Werder, aber das nur nebenbei) hatte Platz auf der rechten Strafraumseite, zielte in den Winkel und traf zum ersten Mal für den Sport-Club. Die Bremer gaben sich allerdings nicht geschlagen und waren spätestens seit der 52. Minute zurück im Spiel: Freiburgs Johan Manzambi sah die rote Karte, nachdem er dem Bremer Olivier Deman im Werder-Strafraum im Zweikampf auf die Wade gestiegen war.
Werder war jetzt überlegen, aber das betonte umso mehr das große Problem der Mannschaft: Auch unter dem früheren Stürmer Thioune hat Werder auf dem Rasen keinen Stürmer, der verlässlich das Tor trifft. Njinmah schoss einmal allein vor Atubolu mehr als einen Meter vorbei.
Setzt der FC Augsburg in Mainz seinen guten Lauf fort?
Klares Nein. Die Bayern-Bezwinger strauchelten nach zwei Siegen in Serie und verloren mit 0:2. Schon der Auftakt der Partie beim FSV Mainz ging für Manuel Baums Mannschaft gehörig daneben: Elvis Rexhbecaj schlug am Ball vorbei und traf – zumindest mutmaßlich – den Mainzer Stefan Bell. Der rüstige Jubilar stürzte in seinem 301. Bundesligaspiel für die 05er jedenfalls schwer und schrie, prompt zeigte Schiedsrichter Patrick Ittrich auf den Punkt. Eine längere Session der Kölner Fernsehschiedsrichter brachte kein anderes Ergebnis, obwohl zumindest für den mit normaler Sehkraft ausgestatteten Fernsehzuschauer keine echte Berührung erkennbar war. Nadiem Amiri ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und brachte den Karnevalsverein mit den irritierend bunten Hemden im Konfetti-Look in Führung. Das sechste Elfmetertor in dieser Saison für den Kapitän.

Das siebte folgte gut zehn Minuten vor dem Ende: Diesmal kam Augsburgs Stürmer Anton Kade eindeutig zu spät gegen Amiri und bestätigte damit das Klischee, wonach Angreifer die Defensivarbeit im eigenen Sechzehner den Fachkräften überlassen sollten. Dann schritt Amiri zum Punkt und widerlegte das Klischee, wonach ein Gefoulter keine Elfer schießen sollte. Amiri traf und entledigte sich beim Jubel des Konfetti-Trikots. Womöglich ein kritischer Gruß an den Designer? Die gelbe Karte dafür nahm er gerne in Kauf.
Muss Deniz Undav jetzt Kylian Mbappé davonziehen lassen?
Zugegeben, die Statistik ist etwas speziell: Nur der Weltklasse-Stürmer von Real Madrid hat seit November in Europas Top-Ligen mehr Torbeteiligungen (23) gesammelt als Deniz Undav (22). „Mach mal nen Screenshot“, sagte Undav, als er bei Sky nach dem Viertelfinalsieg im DFB-Pokal in Kiel (3:0) mit den Zahlen konfrontiert wurde.
Bei der überraschenden 1:2-Niederlage des VfB beim FC St. Pauli traf Undav aber nur per Kopf den Außenpfosten und mit einem Heber das Tordach. Gefährlicher waren ausnahmsweise die Hamburger, die vor der Partie mit 18 Saisontoren (vier weniger als Mbappé) noch die schwächste Offensive der Liga stellten. Gegen den VfB spielten sie nicht nur wie so oft mit überzeugenden Ansätzen, sondern auch mit Ertrag.

In der 35. Minute griffen die Gastgeber schön über links an, lockten die VfB-Abwehr auf die Seite, sodass im Strafraum der rechte Außenverteidiger Manolis Saliakas Platz hatte. Er nahm den Ball nach einer flachen Hereingabe mit dem Außenrist direkt, gewollt sah es nicht unbedingt aus, aber der Ball drehte sich ins Toreck.
In der zweiten Halbzeit half dann auch der VfB mit: Chris Führich ruderte bei der Ballannahme im eigenen Strafraum mit den Armen, der Ball sprang ihm an die Hand, es gab Elfmeter, Daniel Sinani traf. Und Jamie Leweling gelang nur noch der Anschlusstreffer.
Verliert Heidenheim den Anschluss im Tabellenkeller?
Nach einem 0:2 gegen Hamburg wird es tatsächlich einsam für den FCH in den Niederungen der Liga, denn Konkurrent St. Pauli ist durch den Überraschungscoup gegen Stuttgart jetzt auch schon vier Punkte weg, aufs rettende Ufer fehlen weiterhin sechs Zähler. Heidenheim, das schlechteste Heimteam der Liga, empfing den HSV, Schlusslicht in der Auswärtstabelle. Beide Mannschaften taten in den ersten 45 Minuten nicht viel, um diese wenig ruhmreichen Attribute loszuwerden. Aber in der zweiten Minute der Nachspielzeit setzte Ransford-Yeboah Königsdörffer der Langeweile ein Ende und schloss einen feinen Angriff mit einem strammen Schuss zum 0:1 ab.

Beide Trainer reagierten auf den ansonsten trostlosen Kick und brachten nach der Pause insgesamt gleich vier Neue. Ein Glück, dass ein Betreuer das Trikot von Hamburgs Einwechselspieler Damion Downs dann auch noch gefunden hat. Denn der US-Nationalspieler stand erst ohne Leibchen da. So wie Heidenheim am Ende ohne Punkte: Den entscheidenden Konter vergoldete Rayan Philippe in der 78. Minute mit dem 0:2 für den HSV, der auf den elften Tabellenplatz kletterte.
Und was war noch?
Im Abendspiel trennten sich die rheinischen Rivalen Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen mit 1:1 (1:1). Einerseits war das Resultat natürlich ein Erfolg für die abstiegsbedrohten Gladbacher, andererseits waren sie durch Yannik Engelhardt in der zehnten Minute in Führung gegangen – Leverkusens Torwart Janis Blaswich hatte im Aufbau einen Fehlpass gespielt.

Bayer 04 gelang außer mehr Ballbesitz wenig, die Borussia hielt mit viel Kampf ausgezeichnet dagegen. Trotzdem fiel durch ein Eigentor kurz vor der Pause der Ausgleich – Philipp Sander fälschte einen Schuss von Aleix Garcia entscheidend ab. In der zweiten Halbzeit schafften es die Gladbacher, gegen jetzt etwas bessere Leverkusener kein weiteres Gegentor zuzulassen. Die spektakulärste Szene des Spiels hatte wenig mit Fußball zu tun: Exequiel Palacios und Kevin Stöger lieferten sich eine Rauferei, der Gladbacher zog dem Leverkusener dabei das Trikot aus, beide sahen Gelb.

