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Bundesliga:Schalke bricht ein

1899 Hoffenheim - FC Schalke 04

2:0 geführt - und doch wieder verloren: Schalkes Torhüter Ralf Fährmann konnte es auch nicht verhindern.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Der Absteiger führt 2:0, verliert aber 2:4 in Hoffenheim. Wolfsburg siegt locker, weil Josip Brekalo zeigt, was er kann. Das Wichtigste zum Spieltag.

Von J. Beckenkamp, M. Pavlovic und C. Scheele

TSG 1899 Hoffenheim - Schalke 04 4:2 (0:2), Tore: 0:1 Uth (12.), 0:2 Mustafi (43.), 1:2 Kramaric (47.), 2:2 Akpoguma (52.), 3:2 Baumgartner (60.), 4:2 Bebou (64.)

Es gab in dieser Schalker Katastrophensaison einen Moment, als es zumindest kurzzeitig licht wurde. Anfang Januar war das, Christian Gross hatte gerade erst als Trainer übernommen. 4:0 gegen Hoffenheim, Dreierpack von Matthew Hoppe, man erinnert sich dunkel. Doch die Folgemonate bewiesen: Das war nur ein kurzes Zucken. Schalke ist verdient abgestiegen, das zeigte auch das Rückspiel gegen die TSG.

Wer eine 2:0-Führung so verdaddelt, hat's eben schwer in der Bundesliga. Eine Halbzeit hatte es ja ganz gut ausgesehen. Schalke 2021, das sind die Freuden des kleinen Mannes. Etwa das zweite Saisontor von Mark Uth, welches S04 nach einer Kombination über Suat Serdar die Führung brachte. Eine ziemlich erstaunliche übrigens, denn Schalke hatte den Ball so gut wie nie.

Oder das 2:0 durch Shkodran Mustafis erstes Bundesligator: ein Kopfball, der vom Pfosten ins Netz plumpste. Solches Glück hatte Schalke in dieser Saison kurioserweise fast nur gegen Hoffenheim - bis zur zweiten Halbzeit. Denn da endete jegliche königsblaue Fortune und die TSG drehte plötzlich alles herum. Dank einer deutlichen Steigerung vollbrachte Hoffenheim den Klassenerhalt, es trafen binnen 17 Minuten: Andrej Kramaric per schmackhaftem Freistoßtor (sein 18. Saisontreffer), Kevin Akpoguma und Christoph Baumgartner per Kopf und schließlich Ilhas Bebou. Es stand 4:2 und jeder, der sich das antat, konnte noch einmal nachempfinden, warum Schalke jetzt bei 80 Gegentoren liegt.

Borussia Dortmund - RB Leipzig 3:2 (1:0), Tore: 1:0 Reus (7.), 2:0 Sancho (51.), 2:1 Klostermann (63.), 2:2 Olmo (77.), 3:2 Sancho (87.)

Dortmunds Matchwinner Jadon Sancho (Mitte).

(Foto: Martin Meissner/AP)

Borussia Dortmund hat den FC Bayern zum Meister gemacht, im Kampf um die Champions-League-Plätze ein Statement abgegeben - und den Druck auf Frankfurt erhöht. Durch ein 3:2 (1:0) gegen den Tabellenzweiten Leipzig schoben sich die Westfalen wenigstens für eine Nacht auf den vierten Platz. Die Eintracht muss am Sonntag gegen Mainz nachziehen. An der Tabellenspitze sind die Münchner durch die Leipziger Niederlage nicht mehr einzuholen.

Der Arbeitstag des BVB hatte bescheiden begonnen, denn Erling Haaland - dem gegen Leipzig vier Tore in zwei Partien gelungen waren - musste sich abmelden. "Der Pferdekuss ist sehr hartnäckig", sagte Trainer Edin Terzic, "wir hoffen einfach, dass es von Tag zu Tag weniger wird und er Anfang oder Mitte nächster Woche wieder zur Verfügung steht" - damit er im Pokal-Finale am Donnerstag gegen Leipzig eingreifen kann. Für Haaland rückte Thorgan Hazard in die Spitze. Es ging rauf und runter in der turbulenten Anfangsphase, und Dortmund belohnte sich: Marco Reus ließ einen Ball durch, den Hazard per Hackentrick in den Strafraum lenkte. Dort war Reus angekommen und zimmerte die Kugel hart und knapp neben den Kopf von RB-Keeper zum 1:0 ins Netz (7.).

Danach hatte Dortmund das Match besser im Griff, als es das Ergebnis erahnen ließ. Doch Dahoud (31.), Hazard (32.), und Sancho (36.) vergaben oder scheiterten an Gulasci. Besser machte es Sancho in der 51. Minute: Ein Haken im Strafraum gegen seltsam unsortierte Leipziger reichte um ziemlich frei zu stehen, ein überlegter Abschluss ins entfernte Eck brachte das verdiente 2:0. Offenbar berauscht von der eigenen Leistung ließen es die Gastgeber gemütlicher angehen, doch dafür ist Leipzig freilich der falsche Gegner. Nach einer Ecke von Forsberg setzte sich Halstenberg im Kopfball-Duell gegen Hummels durch und verkürzte auf 1:2 (63.) - der zur Pause für den verletzten Hitz eingewechselte Keeper Bürki war chancenlos.

Leipzig wurde minütlich gefährlicher, Olmo scheiterte noch (69.), aber nachdem Hummels erneut von Hwang abgehängt wurde, legte dieser überlegt zurück auf Dani Olmo, der keine Mühe hatte, das 2:2 zu erzielen (77.). Plötzlich war Leipzig der Führung näher als die Gastgeber. Umso erstaunlicher war, dass Sancho in der 87. Minute erneut ganz allein gelassen wurde. Nach einem starken Doppelpass mit Guerreiro musste der Engländer den Ball nur noch über die Linie schubsen - zum ziemlich überraschenden 3:2, das Haaland auf der Tribüne mit einem wilden Tänzchen feierte. So richtig schonen konnte er sich nicht.

VfL Wolfsburg - Union Berlin 3:0 (1:0), Tore: 1:0 Brekalo (12.), 2:0 Brekalo (63.), 3:0 Brekalo (89.)

VfL Wolfsburg - 1. FC Union Berlin

Wolfsburg bejubelt seinen Dreifachtorschützen Josip Brekalo (rechts).

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Mal ein Wort zu Josip Brekalo. Der müsste ja, streng genommen, als Hochbegabter durchgehen. Was der alles drauf hat, diese Haken und schnellen Körpertäuschungen, bei denen keiner mitkommt. Der Kroate hat in seinen vier Jahren beim VfL Wolfsburg tolle Spiele hingelegt, das gerät aber in Vergessenheit, wenn er sich solche Auftritte leistet wie zuletzt in Frankfurt, als es einen öffentlichen Rüffel von Geschäftsführer Jörg Schmadtke gab.

Gegen Union Berlin gab's den guten Brekalo zu bestaunen. Den sehr guten sogar. Zunächst in Minute zwölf, als er einen Pass von Ridle Baku per Direktannahme von der Strafraumgrenze in den Winkel bugsierte. Wolfsburg hatte die Partie gut im Griff, hätte früh höher führen können - schließlich war Brekalo noch zwei weitere Male zur Stelle. Drei Tore, keine schlechte Reaktion auf Schmadtkes Kritik. Die Champions-League-Teilnahme rückt für den VfL wieder ein Stückchen näher.

Werder Bremen - Bayer Leverkusen 0:0

SV Werder Bremen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Bremens Josh Sargent (links) gegen Leverkusens Aleksandar Dragovic.

(Foto: Martin Rose/Getty Images)

"Ich bin Bundesliga-Trainer", sagte Bremens Trainer Florian Kohfeldt vor der Partie bei Sky, "ein gewisses Berufsrisiko ist dabei." In diesem Satz steckt viel Richtiges, wobei Kohfeldt bei Werder sogar ein erhöhtes Risiko vorfindet. Steigt der Klub ab, wird er kaum Trainer bleiben - dieses Szenario ist nach wie vor ein realistisches. Werder liegt auf Rang 14 (31 Punkte), die dahinterliegenden Teams aus Bielefeld (30) und Köln (29) dürfen am Sonntag nachlegen, Hertha BSC (30) hat sogar zwei Partien weniger absolviert.

Das Spiel gegen Leverkusen war eine eher zääääähe Angelegenheit. Werder riskierte zu wenig, Bayer fiel auch nicht mehr ein. Ein Leverkusener Treffer von Florian Wirtz fand in der 35. Minute keine Anerkennung, weil sich Wirtz beim Pass von Karim Bellarabi knapp im Abseits befunden hatte. Blöderweise war die Aktion der Höhepunkt der Partie. Ach ja, falls Kohfeldt mit Bremen die Klasse hält, ist ebenfalls nicht gesichert, dass er Werder-Trainer bleibt. Berufsrisiko eben.

© SZ/bek
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